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00:30 09.05.2018
Energiewunder: Jennifer Weist aus Zinnowitz, die Frontfrau von Jennifer Rostock, rockte am Sonnabend das Haus Auensee. Und kommt am Mittwoch wieder. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Nachricht erreichte Fans bereits im November über die Facebookseite der Band: Jennifer Rostock machen auf unbestimmte Zeit Pause. Natürlich verzichten die Deutschrocker nicht auf einen gebührenden Abschied in Form der aktuellen „Best of“-Tour. Am Samstag ging es auf intensive Zeitreise mit den Fans im Haus Auensee.

Das Konzert ist restlos ausverkauft. Bevor Jennifer Rostock auf die Bühne kommen, ist zunächst die Münchner Band Blackout Problems an der Reihe. Ihr Alternative Rock mit einer Portion Skate-Punk und einigen melancholischen Tönen kommt richtig gut an. Beste Voraussetzungen also für die halbe Stunde Tuchfühlung, die sich Sänger Mario Radetzky wünscht. Mit viel positiver Energie sprintet die Band förmlich während Songs wie „Difference“ und „How Should I Know“ über die Bühne.

Jennifer Rostocks Show hingegen beginnt mit einem Countdown. Auf einer Leinwand sieht man Clips der Band aus allen zehn Jahren ihrer Karriere, von der Gegenwart bis zum Anfang. Als der Zähler bei 2008 landet, fällt der Vorhang zu den ersten Tönen von „Kopf oder Zahl“. Der Raum bebt sofort. Jennifer Weist sieht aus wie eine Disco-Superheldin in ihrem glitzernden Body und ihrem halblangen Cape – das erste von vielen Outfits. Doch auch wenn ihre Optik Disco sagt, in ihren Adern pulsiert definitiv der Rock’n’Roll. Sie erklärt dem Publikum, was es vom Abend zu erwarten hat, nämlich nur „Hits, Hits, Hits“. Die Band, deren Gitarrist Alex Voigt würdig von Elmar Weyland vertreten wird, spielt sich vom ersten Album zum letzten hoch. Zum Rückblick gehören auch die hochprozentigen Getränke, die die Band im Laufe der Jahre konsumiert hat. Jennifer Rostock bringen unheimlich viel Energie und eine krasse Bühnendynamik mit, die von Weists nahezu athletischer Performance abgerundet wird. Woher die 31-jährige Zinnowitzerin ihre Energie und ihre Stimmgewalt nimmt, ist ein Rätsel. Beides ist ansteckend: Wenn sie springt, springt das Publikum mit. Die Feuer- und Nebeleffekte und Konfettibomben tragen ihren Teil zur intensiven Stimmung bei.

Zwischen den Songs macht Weist ihre fröhlich-selbstironischen Ansagen und verkündet, dass das Publikum endlich seinen Willen bekommt: Eine Unplugged-Version, nämlich von „Irgendwo anders“. Ein kleines Meer aus Feuerzeugen entsteht. Temporeich geht es weiter, irgendwo im Raum jodelt jemand freudig erregt. Weist tanzt mit kreisenden Hüften über die Bühne, hüpft wie ein Mensch gewordener Gummiball und lässt den Saal zu „Mein Mikrofon“ toben. Zwischendurch teilt sie die Aufmerksamkeit mit Gastsänger Nico Weber.

Aber bei Jennifer Rostock geht es nicht nur um Spaß und Punk. Sie sind eine Band, die Stellung bezieht: gegen Rassismus, für Gleichberechtigung und für die LGBT-Community. So schwenkt Weist auch zu „Ein Schmerz und eine Kehle“ die Regenbogenflagge. Zudem sammelt die Kombo auf der Tour für Organisationen, die Geflüchteten helfen. Nach „Wir waren hier“ gibt es einen kollektiven Stinkefinger in die Luft samt „Nazis raus“-Schrei. Dann macht sich die Band mit „Hengstin“ für den Feminismus stark. Und als Weist ruft „Wo sind meine Hengstinnen?“, wird sie von den Frauen sofort übertönt.

Der Abend endet mit „Die guten alten Zeiten“. Viele Fans formen Herzen mit ihren Händen. Jennifer Rostock erwidern die Geste mit einem Banner: „Danke für 10 Jahre Liebe – Jennifer Rostock bleibt“.

Wegen großer Nachfrage geben Jennifer Rostock am Mittwoch, 20 Uhr, im Haus Auensee, Gustav-Esche-Straße 4, ein Zusatzkonzert – Vorverkauf: 41,75 Euro

Von Miriam Heinbuch

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