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16:53 24.10.2018
Der Kritiker erzählt, die Autorin hört zu: Hajo Steinert und Irene Dische am Dienstag im Alten Rathaus. Dort wurde der 22. Literarischer Herbst feierlich eröffnet. Quelle: André Kempner
Leipzig

Irene Dische muss sich zuweilen mit Lektoren streiten. Ihr Roman „Großmama packt aus“ beginnt mit dem Satz: „Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermiendichte zusammen.“ Spermiendichte wollte der amerikanische Verlag seinen Lesern nicht zumuten, vor allem den 8000 Bibliothekaren nicht, Abnehmer jeder Neuerscheinung, die dann vielleicht einen Rückzieher machen.

Doch Irene Dische, die 1989 mit dem Erzählband „Fromme Lügen“ ihren ersten Erfolg feierte, hat sich durchgesetzt. Und das glaubt sofort, wer sie erlebt, ihre lakonische und gleichzeitig bestimmende Art, Dinge beim Namen zu nennen. Mit einem Selbstbewusstsein, das sie nicht behaupten muss.

Am Dienstagabend war Irene Dische in Leipzigs Altem Rathaus zu Gast bei der Eröffnung des 22. Leipziger Literarischen Herbstes. Die Schriftstellerin lebt halb in Berlin, halb in Rhinebeck, New York. Aufgewachsen ist die heute 66-Jährige in einem New Yorker Stadtteil, der den Spitznamen „Das Vierte Reich“ trug. Dort wohnten so viele deutsche Migranten, dass sie ihr erstes englisches Wort mit fünf Jahren auf einem Spielplatz gehört habe, erzählt sie auf der Bühne in einer Plauderei mit dem Literaturkritiker Hajo Steinert.

Der wiederum hat ab in 1977 an der University of Houston studiert, genau ab jenem Tag, wie er sagt, an dem Elvis Presley starb. Und genau in jener texanischen Stadt also, mit der Leipzig seit 25 Jahren eine Partnerschaft pflegt. Dieses Jubiläum wird nun zusammen mit dem Literaturfestival gefeiert

Es haben Dinge schon schlechter zusammengepasst als bei dieser feierlichen Eröffnung – eingefasst von Stephan König am Klavier. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke betont die Identität beider Partner als Handelsstädte und die kulturelle Vielfalt der „Houston Week“. Dazu gehört die Ausstellung „Encounter“ im Museum der bildenden Künste (Eröffnung am Mittwoch, 18 Uhr) und die Ballettpremiere „Beethoven/ Ravel“ (am Samstag), vor allem aber der Literarische Herbst mit seinem Motto „Building Bridges – Brücken bauen“, der „den Blick in die englischsprachige Welt weitet“, wie Jennicke sagt. Sie würdigt zudem „die neue Handschrift“ der Programmleiter Franka Reinhart und Steffen Birnbaum.

Sie zeigt sich in jungen Autoren, hohem Frauenanteil und mehreren Schwerpunkten. Neben zehn amerikanischen Autoren, davon fünf aus Houston, stehen die Literaturübersetzer im Zentrum. Das reicht vom Jugendbuch „Moxie“ der texanischen Autorin Jennifer Mathieu bis zu Jeffrey S. Sposatos Vortrag über „Musik in Leipzig nach Bach“, von einer Podiumsdiskussion zum Thema „Trump! – Über die (Un)Möglichketen von Satire“ bis zur Hommage an Rainer Klis (1955–2017), gestaltet von Kommilitonen und Freunden des Schriftstellers. Und es endet noch lange nicht mit „Houston – We have a reading ...“, einem Abend mit Poesie, Speeddating und Slam-Party.

Ankunft in Trumps Amerika

Weil „auch Kooperationen Brücken sind, die uns miteinander verbinden“, dankt Franka Reinhart den wirklich zahlreichen Unterstützern und Partnern des neuntägigen Festivals mit rund 100 Mitwirkenden bei gut 30 Veranstaltungen. „Bücher bringen Menschen über Kultur- und Landesgrenzen zusammen“, sagt US-Generalkonsul Timothy Eydelnant, etwas, „was auch wir Diplomaten im Sinn haben“.

Nach diesen Ausblicken, gibt Irene Dische Einblicke, wie kompliziert das sein kann mit den Grenzen. Sie ist mit Ende 20 nach Berlin gezogen und bekam zwei Mal Probleme wegen „Verstoßes gegen das Ausländergesetz“. Inzwischen hat sie die österreichische Staatsbürgerschaft. Im deutsch-englischen Wortwechsel (für die Houston-Gäste im Saal) mit Hajo Steinert spricht sie über Erfahrungen als Kind deutscher Emigranten und über ihren jüngsten Roman: „Schwarz und Weiß“.

Irene Dische: Schwarz und Weiß. Roman. Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Plessen. Verlag Hofmann & Campe; 496 Seiten, 26 Euro Quelle: Hoffmann und Campe

Als die erste Fassung des Buches fertig war, wurde Trump gewählt. Weil er darin vorkommt, habe sie das Gefühl gehabt, ihn zum Präsidenten geschrieben zu haben. Am Ende gesteht Irene Dische noch, wie sehr sie amerikanische Serien schätzt, oft geschrieben von „jungen literarischen Begabungen“. „Das Fernsehen ist nicht so tabubeladen, weil sie nicht abhängig sind von 8000 Bibliothekaren.“

Von Janina Fleischer

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