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Kultur Regional Humor und Brillanz: Preisträger des Leipziger Bach-Wettbewerbs gekürt
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18:59 22.07.2018
Denkmal vor der Leipziger Thomaskirche – ein Wettbewerb in seinem Namen: Johann Sebastian Bach 1685–1750. Quelle: dpa
Leipzig

„Gewinner sind alle.“ Damit meint Susanne Kucharski-Huniat, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Leipzig, bei der Preisverleihung im Alten Rathaus nicht nur die jungen Preisträger, sondern alle 105 Teilnehmer des XXI. Internationalen Johann-Sebastian-Wettbewerbes 2018. Vom 10. bis zum 21. Juli waren die jungen Eliten des musikalischen Nachwuchses aus 34 Ländern dieses Jahr in den Kategorien Fächern Klavier, Cembalo und Violine/Barockvioline angetreten und hatten sich in einer Vorauswahl, zwei Wettbewerbsrunden und einem Finale einer je siebenköpfigen Jury in jedem der drei Fächer gestellt. Erste Bachpreisträger 2018 kommen aus Israel, Polen und den USA. Erfolgreichste Nation mit drei Preisträgerinnen und Preisträgern sind die USA.

In jedem Fach wurden ein erster Preis in Höhe von 10 000 Euro (für Klavier und Violine/Barockvioline gestiftet von der Sparkasse Leipzig), ein zweiter Preis in Höhe von 7500 Euro und ein dritter in Höhe von 5000 Euro vergeben. Die Empfänger dürfen den Titel „Bachpreisträger“ führen. Im Fach Klavier reüssierten Rachel Naomi Kudo (USA, 1. Preis), Arash Rokni (Iran, 2. Preis) und Jonathan Ferrucci (Australien/Italien, 3. Preis). Im Fach Cembalo führt Avinoam Shalev (Israel, 1. Preis) vor Andrew Rosenblum (USA, 2. Preis) und Anastasia Antonova (Russland, 3. Preis). Im Fach Violine/Barockvioline wurden Maria Włoszczowska (Violine, Polen, 1. Preis), Maia Cabeza (Violine, USA/Kanada, 2. Preis) und Hed Yaron Meyerson (Barockvioline, Deutschland/Israel, 3. Preis) ausgezeichnet.

Wieder mehrere Sonderpreise

Wieder gab es mehrere Sonderpreise: Die Konzertverpflichtung eines Cembalisten durch das Leipziger Barockorchester erhält Alexander von Heißen (Deutschland). Bei einer CD-Produktion des Labels Genuin darf Maia Cabeza mitwirken. Rachel Naomi Kudo wird 2019 im Rahmen des Steinway Prize Winner Concerts Network in der Orangerie Kirchheimbolanden und in der Musik- und Kongresshalle Lübeck konzertieren. Die von der Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig für je einen Finalisten in allen Fächern gestifteten Preise erhalten Arash Rokni, Aleksander Mocek (Cembalo, Polen) und Maria Włoszczowska. Die Christa Bach-Marschall-Stiftung ermöglicht einem Teilnehmer aus Osteuropa das Stipendium für einen Meisterkurs: Maurycy Raczynski (Klavier, Polen). Mit Urtext-Ausgaben von Bach-Werken aus dem Bärenreiter-Verlag wurden Till Johannes Hoffmann (Klavier, Deutschland), Avonoam Shalev und Maria Włoszczowska beschenkt.

In seiner Begrüßung betonte Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs, die enge Verzahnung von Wissenschaft und musikalischer Praxis als besondere Qualität des Internationalen Bach-Wettbewerbs. Robert D. Levin, Präsident des Bach-Wettbewerbs und Jury-Vorsitzender, appellierte an die Wettbewerbsteilnehmer, mit voller Begeisterung für die Daseinsberechtigung einer Pflege klassischer Musik einzustehen: „Eure Aufgabe ist es, den Schlaf der Hörer zu stören.“ akzentuiert Levin in seiner kurzen Ansprache.

Huldigung mit Fake-Rekonstruktion

Interpreten von Barockmusik stehen zu Unrecht in dem Ruf der Humorlosigkeit. Das beweist zum Abschluss der Preisverleihung das aus den verschiedenen Stellen des Bach-Archivs rekrutierte Ensemble. Juror Menno von Delft hat eigens für diesen Anlass eine „frühe Bach-Kantate“ rekonstruiert und mit dem weder sonderlich intonationssicheren noch historisch verlässlich geschulten Ensemble zur modernen Erstaufführung gebracht. Es sei dahin gestellt, ob dieses „modern“ die Interpretation oder das Werk selbst bezeichnet. Fest steht, dass man Johann Sebastian Bach, diesem Gipfelpunkt der abendländischen Musik, weltweit wohl zum allerersten Mal mit einer Fake-Rekonstruktion huldigt und dafür im donnernden Applaus baden dürfen.

Ovationen gibt es am Abend beim Preisträgerkonzert im Großen Saal der Hochschule für Musik und Theater auch für Arash Rokni, der von 2010 bis 2016 hier studierte und mit zwei Sonaten von Domenico Scarlatti auftritt, und Maria Włoszczowska für ihre souveräne Gestaltung des Kopfsatzes aus dem Violinkonzert E-Dur BWV 1042. Deutlich merkt man im vollen Saal, dass vor allem die emotional und virtuos farbigen Ansätze lautstarke Anerkennung finden. Das Leipziger Barockorchester, das Pauliner Kammerorchester und das Mendelssohn Kammerorchester sind federnde, blitzschnell reagierende und versierte Partner der jungen Musiker: Ein meisterhafter Abend.

Von Roland H. Dippel

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