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Kultur Regional „Ich will ja auch Peter Pan sein!“
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21:45 26.09.2018
Winnie Karnofka und Jürgen Zielinski Quelle: Sebastian Schimmel
Leipzig

Theaterreise nach Nimmerland: Am Sonntag feiert im Theater der Jungen Welt (TdJW) mit „Peter Pan“ eine Inszenierung frei nach James M. Barries Buchklassiker Premiere. Ein Gespräch mit Regisseur Jürgen Zielinski und Dramaturgin Winnie Karnofka über eine Geschichte, die ambivalenter ist, als ihre Rezeption oft wahrhaben will.

Wichtigste Frage zuerst: Erscheint das berühmte tickende Krokodil auf der Bühne?

Jürgen Zielinski: Na klar! Aber natürlich können und wollen wir dabei nicht mit Hollywood konkurrieren. Es wird also eher ein schön verfremdetes Theater-Krokodil sein, das dort seinen Auftritt hat. Dass unsere Bühnenbildnerin Martina Schulle unter anderem auch Erfahrungen mit Objekttheater gemacht hat, war da von Vorteil. Und natürlich tickt unser Krokodil auch toll, wie im Buch.

Das durchaus einige Erzähl- und Interpretationsschichten bereithält. Worauf richtet sich im TdJW der Fokus?

Winnie Karnofka: Da muss man sich ja immer für ein Hauptaugenmerk entscheiden. Bei uns ist das die Beziehung zwischen Peter und Wendy.

Zielinski: Man vergisst ja oft, dass das ein All-Age-Roman ist und überhaupt nicht harmlos naiv. Da ist Peter, das Kind, das nicht erwachsen werden will, dem alles ein ewiges Spiel ist – und da ist der Preis, den das kostet. Immer wieder ist in der Geschichte so etwas Brüchiges und Grusliges, auch eine punktuelle Härte drin. Das wollten wir unbedingt mit inszenieren.

Hat der Autor Ulrich Zaum, der die Stückfassung zu diesem „Peter Pan“ lieferte, diese Aspekte schon im Text forciert, oder ist das eine Angelegenheit der Inszenierung?

Karnofka: Eher letzteres. Das Gruslige und Harte ist weniger explizit im Text, weniger in dem was gesprochen wird, sondern liegt eher darunter oder dahinter. In bestimmten Handlungen, in den Charakteren selbst ...

Zielinski: ... da erkennt man oft eine Verlorenheit, ein Irrlichtern. Zum Beispiel diese verrückte Unberechenbarkeit von Tinkerbell. Oder Peter Pan, der sich zu ihr ja manchmal geradezu wie ein Zuhälter verhält. Sie mit Sätzen wie „Ich weiß nicht, ob du noch meine Lieblingsfee bist“ zu manipulieren versucht. Der ist nicht immer sympathisch, der Peter.

Karnofka: Peter ist auch ein Egomane, der seine Egomanie überwinden lernen muss. Die ganze Geschichte ist ja unter anderem eine Lehrstunde in Empathie.

Zielinksi: Der soziale Autist lernt Gefühle und Fühlen. Und das tut mitunter mal weh. Aber wollen wir nicht auch mal über Käpt’n Hook reden?

Aber gern. So wichtig wie das tickende Krokodil. Wie fügt sich denn der Schurke ins Geschehen der Peter-Wendy-Fokussierung?

Karnofka: Bei uns wird Hook von einer Frau gespielt, weil wir eine Besetzungskonzeption haben, in der sich verschiedene Rollen inhaltlich verknüpfen. Auch als Umdeutungen der Personen, die einem aus der realen Welt Wendys in ihrem persönlichen Nimmerland wiederbegegnen. Da wollen wir aber gar nicht so viel verraten.

Zielinski: Hook ist natürlich auch wichtig für die Spannung, die Dynamik. Ich habe als Kind Piratenfilme geliebt, heute auch noch, vor allem, wenn gefochten wurde. Und ohne auch hier zu viel zu verraten: Die Darsteller des Hook und Peter Pan haben viele Fechtsunden gehabt.

Wie viel Wesensverwandtschaft zu Peter Pan ist nötig, wie viel davon muss in einem stecken, um „Peter Pan“ zu inszenieren?

Karnofka (lachend): Wenn man so gefragt wird – ich glaube schon, dass der Chef die Titelrolle kriegt.

Zielinksi: Ich weiß nicht, das klingt jetzt ja nicht nur schmeichelhaft.

Karnofka: Aber warum? Ich will ja auch Peter Pan sein! Der hat was, was man beneidet. Zumindest wenn in einem so ganz viel Wendy steckt. Dramaturgen sind manchmal gern ein bisschen vorsichtig und brav, da wünscht man sich durchaus schon mal ein wenig mehr von der Anarchie eines Peter Pan.

Zielinski: Während fürs Theater generell vielleicht wiederum ein bisschen mehr Käpt’n Hook ganz gut wäre. Spannung, Dynamik – doch, das täte dem Ganzen gut.

Peter Pan“: Premiere Sonntag, 17 Uhr, Theater der Jungen Welt, Lindenauer Markt 21 in Leipzig; Infos und Karten unter Tel. 0341 4866016

Von Steffen Georgi

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