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Kultur Regional Initiative aus Leipzig: Künstlerische Drucktechniken als Kulturerbe anerkannt
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00:27 12.04.2018
Treibende Kraft: Susanne Richter, Direktorin des Museums für Druckkunst in der Nonnenstraße in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Eintrag liest sich ziemlich sperrig: „Künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen“. Manchmal muss es eben etwas umständlich sein, damit nichts unter den Tisch fällt. Jedenfalls ist es nun amtlich. Die Drucktechniken sind eine von sieben Neuaufnahmen im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission für die Jahre 2017 und 2018.

Maßgeblichen Anteil daran hat Susanne Richter, die Direktorin des in der Plagwitzer Nonnenstraße ansässigen Museums für Druckkunst. „Es war ein langer Weg“, sagt sie. Deutschland ist erst 2013 dem Unesco-Abkommen über das immaterielle Erbe beigetreten. Gleich bei der ersten der zweijährig stattfinden Antragsrunden hat das Museum die Drucktechniken für eine Aufnahme in die Liste vorgeschlagen, nicht wissend, dass der Bund Bildender Künstler einen ähnlichen Antrag formuliert hatte. Gemeinsam mit der in Leipzig lebenden Künstlerin Priska Streit, Mitglied des BBK-Vorstandes, wurde die Begründung dann mehrfach überarbeitet. Nun ist endlich der Erfolg da.

Welchen Nutzen aber hat man von diesem jahrelangen Aufwand? Direkte materielle Zuwendungen gibt es nicht. „Aber bei der Beantragung von Fördermitteln für Projekte kann der Verweis auf diese Anerkennung durchaus helfen“, so Susanne Richter. Noch wichtiger aber ist der moralische Wert, der sogar international ausstrahlt, Antragsteller anderer Länder können auf das Beispiel Deutschland verweisen.

Lebendig im Bereich der Kunst

Solch eine Liste hat immer den Beigeschmack der Rettung bedrohter Arten. Doch die benannten Drucktechniken mögen zwar aus dem kommerziellen Medienbetrieb verschwunden sein, doch im Reich der Kunst machen sie in Sachsen oder auch im benachbarten Halle einen sehr lebendigen Eindruck, weit entfernt vom Aussterben. Schon das Museum für Druckkunst ist keine rein bewahrende Institution, sondern eine arbeitende. An der HGB wie auch der Burg Giebichenstein gibt es gut ausgestattete Druckwerkstätten mit kompetenten Lehrern. Doch auch bei den vielen freiberuflichen Künstlern der Region stehen die Techniken hoch im Kurs. Werkstätten wie die von Maria und Vlado Ondrej oder von Thomas Siemon, beide in der Spinnerei, sind begehrte Dienstleister. Manche Galerien wie Thaler Originalgrafik oder Hoch und Partner haben sich auf dieses Genre spezialisiert, Veranstaltungen wie das jährliche Symposium in Hohenossig haben regen Zulauf. Ein Grund für diese Vitalität ist der vergleichsweise günstige Preis von Auflagendrucken. Sie stellen so etwas wie eine Einstiegsdroge für Kunstsammler dar.

Dennoch gebe es gerade an manchen Hochschulen immer wieder Bestrebungen, die scheinbar antiquierten Verfahren zu entsorgen, sagt Richter. Dabei sind gerade wieder Rückbesinnungen auf das haptisch Erlebbare bei den sogenannten Digital Natives zu erkennen, parallel zur Wiederentdeckung der Schallplatte. Die Anerkennung als wertvolles Erbe unterstützt diese Renaissance. Zugleich wird deutlich, dass der Titel „immaterielles Erbe“ relativiert werden muss. Es ist eine materielle, häufig tonnenschwere Ausrüstung nötig. Gerade alte Maschinen wie die der einst berühmten Leipziger Firma Krause sind heute noch wegen ihrer Qualität bei Künstlern geschätzt. Und die Anlage für Lichtdruck, ein im 19. Jahrhundert entwickeltes Verfahren, im Leipziger Museum ist vermutlich gegenwärtig neben der im japanischen Kyoto eine von zwei noch nutzbaren und tatsächlich genutzten der ganzen Welt. Janine Kittler produziert damit nicht nur eigene Grafiken, sondern vermittelt auch das Wissen der Herstellung.

Johannes Gutenbergs 550. Todestag wird in diesem Jahr mit vielfältigen Ehrungen begangen. Seine revolutionäre Erfindung, die zum Siegeszug der Moderne beitrug, ist heute in der Buch- und Zeitungsproduktion praktisch ausgestorben. In der Kunst lebt sie weiter, ebenso die anderen Techniken wie Holzschnitt, Lithografie, Radierung oder Siebdruck und etliche weitere. Gerade in Leipzig scheint Artenschutz dafür nicht zwingend nötig zu sein. Gut, dass es ihn nun trotzdem gibt. Für die schon lange die alten Druckverfahren nutzenden Künstler ist es eine Bestätigung, für den Nachwuchs eine Ermutigung. Ein Widerspruch ist es ohnehin nicht, sowohl am Computer als auch an einer Druckerpresse zu arbeiten.

Von Jens Kassner

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