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Kultur Regional Interstellarer Orchester-Gleitflug: „Star Wars in Concert“
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15:34 06.01.2019
Musik und Film: „Star Wars in Concert“ mit dem MDR-Sinfonieorchester in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Mit vollem Orchester ist es noch schöner. Als Neujahrsgeschenk brachte das MDR-Sinfonieorchester „Star Wars: Episode 5 – Das Imperium schlägt zurück“ in die nicht ganz volle Arena Leipzig. Mit Live-Orchester für die intergalaktischen Gleitflüge von Prinzessin Leia und Han Solo. Der Schlussjubel fällt am Samstag trotzdem lauter aus als die geballte Orchester-Power des MDR-Sinfonieorchesters, auch weil die vorzügliche Tontechnik für die Weltraum-Abenteuer einen mehr flächigen als dröhnenden Sound generiert. Trommel- und Fanfaren-Klänge von John Williams („Der weiße Hai“, „Schindlers Liste“) fließen häufiger mit entspannter Bewegung als mit brachialen Akkordmassen ineinander. Auf Screens neben der riesigen Filmleinwand sieht man den Dirigenten Frank Strobel und die schwer rackernden Musiker, vor allem Hörner und Streicher.

Viele Kinder können die Dialoge auswendig

Viele Kinder im Publikum können fast alle Dialoge auswendig. Mehr junge Männer als Frauen lassen sich auf die von der Riesenleinwand ins Rauschhafte vervielfachten Angebote zum kindlichen Staunen ein. John Williams ist ein wichtiger Mitschöpfer dieses Science-Fiction-Märchens, für das George Lukas aus dem Reservoir von Sagen und Märchen die besten und wirkungsvollsten Bewährungssituationen herausschälte: Beide Sets des Films sind Festivals der Reizüberflutung. Deshalb wirkt der „Imperial March“, Zugabe des MDR-Sinfonieorchesters nach dem sinfonischen und visuellen Aufwand, wie eine elegante Landung in der Realität.

Selbst wenn sie nur kurz ins Bild kommen, haften Schauplätze und Situationen des filmischen Epos in der Erinnerung. Denn in „Star Wars“, dem schon längst zu einer Legende des 20. Jahrhunderts erhobenen Mix mythischer Motive, konnte Musik noch Atmosphären malen, die Abenteuer zu einer kosmischen Enzyklopädie humanoider, tierischer und androider Lebensformen zusammenschweißen. Nach dem Start 1980 hatten Kritiker die helle Macht als die pluralistische Welt des Westens und die dunkle Macht in schlichter Schwarz-Weiß-Polarisierung als Verführungskraft aus dem Osten gedeutet. Heute, fast vierzig Jahre später fühlt man sich den anderen Themen weitaus näher. Die Guten pflegen eine unbefangene Gemeinschaft mit den Robotern C-3PO und R2-D2. Das einzige, was Menschen und Nicht-Menschen scheidet: Für letztere gibt es keine Musik, ausgenommen es handelt sich um akustische Schock-Steigerungen.

John Williams feiert „Götterdämmerung“

Zu satten Farben und Raumfahrten feiert John Williams immer wieder „Götterdämmerung“ frei nach Richard WagnersRing des Nibelungen“. Wie Wagner verrührt er Zeiten, Orte und Konflikte zu einem faszinierenden Drängen und Drohen. Dieses lichtet er mit Paraphrasen à la Bernstein, Prokofieff und etwas „Zarathustra“-Glanz von Strauss auf.

Frank Strobel ist auch deshalb ein exzellenter Live-Dirigent von Filmpartituren, weil er die Vorgänger von John Williams zwar kennt, dieses profunde Wissen allerdings nicht zur Schau stellt, sondern subtil einsetzt. So ist er gerade in den spannendsten Momenten immer besonders akkurat und gönnt sich nur in den umfangreichen Sätzen, die ausgedehnte interstellare Reisen untermalen, genussvolle Wohligkeit.

Arena Leipzig, 9. April 2020: – Star Wars in Concert: Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Karten u.a. in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ Foyer, Peterssteinweg 19 und Barthels Hof, Hainstr. 1), in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung, unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050 sowie unter www.ticketgalerie.de

Von Roland H. Dippel

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