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Kultur Regional Intim, intensiv, lustig: Astrid North im Mörtelwerk
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11:52 16.05.2018
Nachdenkliche Songs, intime Atmosphäre: Soulsängerin Astrid North im Leipziger Mörtelwerk. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Über die volle Autobahn ist Astrid North am Montag von Berlin nach Leipzig ins Mörtelwerk gekommen – und hat dort erst einmal eines gefunden: Ruhe. „Ganz idyllisch ist es hier“, sagt die Soulsängerin zwischen zwei Songs. Familiär ist auch das Konzert, das die Berlinerin vor etwa 40 Zuhörern in Leipzig spielt. „Kommt doch ein bisschen weiter nach vorne, in der ersten Reihe gibt es noch Plätze“, meint North vor dem ersten Lied. Doch die hinteren Reihen sind immer beliebter – das ändert sich auch nach Schulabschluss nicht.

Also setzt sich North ans E-Piano und legt los. „Rolling Man“ heißt der erste Song, er stammt von ihrem zweiten Album „Precious Ruby“. Ihre Stimme ist tief und erdig, zart und gefühlvoll, sie nimmt die Zuhörer nach den ersten Takten voll ein. Benny Glass und Franziska Plückhan begleiten North an Schlagzeug und Bass. Das ist stimmig und oft auch sehr lustig – wenn Glass bei „Coins“, einem sehr ruhigen Song, voll loslegt und die ersten Takte von „Miss Lucy“ spielt zum Beispiel, wenn North dann ruft: „Stopp, das ist nicht Coins!“, und alle lachen, und die Sängerin am lautesten.

North’s Lieder erzählen ganz persönliche Geschichten

Astrid North, 1973 in Berlin geboren, macht seit ihrer Schulzeit Musik. Bekannt wurde sie als Sängerin der Band „Cultured Pearls“, das war Anfang der 90er Jahre. Die Gruppe ist seit 2003 nicht mehr aktiv, offiziell aufgelöst hat sie sich nie. Jetzt ist North als Solokünstlerin unterwegs.

2012 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „North“, vier Jahre später kam „Precious Ruby“ auf den Markt. Die CD wurde über Crowdfunding finanziert. Das zweite Album sei ihrer Großmutter gewidmet, erzählt North. Mit dem Song „Delilah“ begann sie, als ihre Oma noch lebte, fertig schrieb sie ihn nach deren Tod. Eine leise, intensive Ballade, nur das Piano und North’s Stimme.

Zwischendurch erzählt die Künstlerin Anekdoten über die Entstehung der Songs. Das verstärkt die intime Atmosphäre, die nur manchmal von etwas zu lautem Gläserklirren und Gesprächen an der Bar ein paar Meter weiter gestört wird. Die Zuhörer wippen mit dem Kopf, ein bisschen versunken sehen sie aus und sehr zufrieden damit, diesen warmen Mai-Abend mit Astrid North und ihrer Band zu verbringen.

Quelle: Dirk Knofe

North’s Lieder sind nachdenklich und erzählen Geschichten, hinter denen oft etwas Größeres steht. In „The Things You Did“ geht es darum, „endlich Frieden zu finden mit den Entscheidungen, die du in der Vergangenheit getroffen hast und die du jetzt scheiße findest, die du aber nicht mehr ändern kannst“, erzählt North. Ein treibender Song, dominiert von Piano und Schlagzeug.

„Twang“, das erste Lied des Debütalbums, beschreibt, wie ohnmächtig sich ein Mensch fühlen kann, wenn er Aggressionen und körperliche Gewalt beobachtet und nicht weiß, was er tun soll. Das Lied wird getragen von schweren, aber sparsam eingesetzten Beats, der Fokus liegt auf den Lyrics.

Ein Konzert mit Wohnzimmeratmosphäre

„River Sparks“ schrieb North 2015, als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen. Sie habe sich gefragt, ob sie bereit sei, ihre Sicherheit und den Luxus hier zu teilen, erzählt sie. „Es ist ein tolles Lebensgefühl, sich sicher zu fühlen, und das teile ich auch gerne“, sagt sie dann. Spontaner, lauter Applaus. Bei „Waiting“ steht North alleine in der Mitte der Bühne, ganz aufrecht und ruhig, sie trägt ein schwarzes, rückenfreies Top, dazu graue Stoffhosen und hohe Absätze. Sie singt ohne instrumentelle Begleitung, nur das Publikum stampft den Takt mit den Füßen mit.

Die Wohnzimmeratmosphäre des Konzerts entsteht nicht nur dadurch, dass die Location klein ist und nicht alle Stühle besetzt sind. Es ist auch die Ehrlichkeit der Sängerin, ihr lautes Lachen, ihr Grinsen, wenn zwischendurch kurz ein Telefon klingelt, ihre ruhige Stimme. Ein bisschen wie unter Freunden. Vielleicht ist North trotz so vieler Jahre im Musikgeschäft noch immer ein Geheimtipp. Ihr souliger Pop hätte definitiv das Zeug, in Leipzig auch größere Räume zu füllen. Vielleicht ja beim nächsten Mal.

Von Sophie Aschenbrenner

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