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Kultur Regional Jakob Heymann gewinnt 50 000 Cent
Nachrichten Kultur Kultur Regional Jakob Heymann gewinnt 50 000 Cent
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17:22 25.10.2018
Der Bremer Jakob Heymann gewinnt den Kupferpfennig-Wettbewerb. Quelle: Kempner
Leipzig

Natürlich haben, wie Anke Geißler mit der Höflichkeit der launigen Schirmherrin bemerkte, „im Grunde wieder mal alle gewonnen“, die mitgemacht haben beim traditionellen Lachmesse-Kupferpfennig- Wettbewerb. Am Mittwoch fand der im nicht ganz ausverkauften Academixer-Keller statt, wo kabarettistische Newcomer um die Gunst des Publikums und ein fettes Preisgeld (50 000 Cent) rangen. Zwei Solisten aus Deutschland und ein Schweizer Frauenduo traten dafür mit Appetithäppchen aus ihren aktuellen und zum großen Teil musikalischen Programmen an.

Dass dabei just die beiden Darbietungen die dann nicht gewannen, im Programmteil nach der Preisverleihung weitaus witzigere Parts kredenzten als in der über Sieg und Niederlage entscheidenden Erstrunde, hat fast schon die Qualität einer Tragikomödie. So, wenn Lennart Schilgen als Liedermacher der traurigen Gestalt den Reigen eröffnet und sich selbst als „Mundtrompete der vollendeten Verzweiflung“ vorstellt – um dann aber doch weniger zu trompeten, als eher daherzuflöten. Mit milde lustigen Liedchen über menschliche Unzulänglichkeiten zu sanft gezupften Akkorden.

Lennart Schilgen aus Berlin. Quelle: André Kempner

Klar, dazu nehmen sich die Schweizerinnen Jane Mumford und Lea Whitcher alias 9 Volt Nelly wie zwei alpine Radauschwestern aus. Um mit „Swiss Pussy Power auf veganen Highheels“ etwa gegen „radikalmaskulinistische Klimaleugner“ anzustinken. Beziehungsweise auch anzustricken (im Feministinnen-Strickclub) oder anzusingen (mit dem Gender-Equality-Rap).

Ja, ganz nett. Aber schon auf Kupferpfennig-Level? Im Grunde ist klar, wer den Abend gewinnen wird, als Jakob Heymann die Bühne betritt. Ein als lieber Nerd getarnter böser Bube, der mit Gitarre, Klavier, Loopstation und im Schüttelreim scheinbarer Einfalt seine Liedchen vorträgt: „Ich liebe Tiere, aber eins lieb ich noch vielmehr/ und das ist mein Schießgewehr.“ Oder perfide mit eingängigen zum Mitsingen stimulierenden Melodielinien das Gift des Überdrusses verabreicht: „Erzähl mir was Neues,/ ich hab’ alles schon gesehen“, singt er – und per Loop erklingt wieder und wieder: „Unsere Bäuche so voll/ unsere Herzen so leer.“

Das hat allein schon durch den sarkastisch bitteren Zug eine Qualität, die völlig zu recht den Kupferpfennig-Sieg einbringt. Wenn auch nur knapp. Der Impuls, genau diese Knappheit zu monieren, löst sich nach der Preisverkündung umgehend in Wohlgefallen auf.

Denn plötzlich ist da, was man zu Beginn vermisste: zündender, auch böser Witz. Warum nicht gleich am Anfang so, mag man fragen, wenn Lennart Schilgen im hinreißend parodierten Reinhard-Mey-Tonfall erklärt: „Ich wollt wie Elvis singen“ und die schön morbide Ballade eines liebeskranken Stalkers an sein Opfer folgen lässt. Oder wenn die Ladykracher aus der Schweiz als texanische Whiskey-Sisters mit einer überkandidelten Bluegrass-Gesangs-Show auftreten, die wie mit dem 45er Colt auch einiges an politsatirischen Pointen ins Publikum ballert.

Jane Mumford und Lea Whitcher alias 9 Volt Nelly aus der Schweiz. Quelle: André Kempner

Nach diesem Qualitätssprung ist das knappe Ergebnis so legitim wie Geißlers „alle haben gewonnen“. Zumal auch die Moderation des Abends durch Christoph Walther ein Gewinn ist. Trocken, kauzig, lakonisch. Inklusive Witzen jener Art, die er dann skrupellos seinem kleinen Neffen in die Schuhe schiebt. Alles sehr unterhaltsam.

Von Steffen Georgi

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