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Kultur Regional Jubilierend marschieren die Heerscharen - Leipziger Universitätsmusik im Paulinum
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00:17 02.12.2017
Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Nach 49 Jahren im Exil (zuletzt in der Peterskirche) hat die Leipziger Universitätsmusik seit Freitag wieder jenen Konzert-Ort zurück, an dem sie bis zur barbarischen Sprengung 1968 daran mitwirkte, Leipzig zur Musik-Metropole zu machen. Das Umstand könnte man dramaturgisch kaum besser widerspiegeln als mit Bachs C-Dur-Toccata BWV 564. Universitätsorganist Daniel Beilschmidt spielt sie nicht komplett, sondern beginnt in jenem Takt, in dem am 24. Mai 1968 die Staatsmacht Kurt Grahl unwirsch unterbrach, der der letzte war, der in der alten Paulinerkirche musizierte.

Noch mehr Größe hätte diese bewegende Ansetzung allerdings entwickelt, würde Universitätsmusikdirektor David Timm das Ende der erzwungenen Stille an den Anfang des ersten Konzerts in der neuen Paulinerkirche gesetzt haben und nicht in die Mitte, noch dazu eingeleitet von einer recht ambitionierten Doppelimprovisation aus seinen und Beilschmidts Händen und Füßen.

In Leipzig ist der Nachfolgebau der vor 49 Jahren gesprengten Universitätskirche St. Pauli eröffnet worden. Der scheidende Ministerpräsident von Sachsen, Stanislaw Tillich (CDU), sagte bei einem Festakt am Freitag, mit der Eröffnung des modernen Neubaus könne „eine Wunde in der Stadt endlich heilen“. 

Sei's drum: Über Jahrhunderte spielte die Universitätsmusik eine wichtige Rolle im Kultur- und Geistesleben der Stadt. Und über Jahrhunderte spannt Timm sein erstes Programm im neuen Heimatsaal. Mit Paul Hofhaimer (1459–1537) beginnt die Reise in der Renaissance. Der Österreicher war ein Gigant an den Orgeln seiner Zeit. Und so ist sein im Wechsel mit der Choralschola des MDR-Chors von Beilschmidt filigran gespieltes „Salve Regina“ die perfekte Musik, um die so fragilen und archaischen wie sinnlichen Qualitäten der Schwalbennest-Orgel im Paulinum vorzuführen. Anton Bruckners „Locus iste“ dagegen hat nicht nur einen passenden Text (Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm), sondern beweist, grandios gesungen vom MDR-Chor, dass er wunderbar klingen kann, dieser Ort ohne Fehl.

Von der Orgelempore aus. Stehen Chor und Orchester vorn, fällt der Befund dagegen etwas ernüchternd aus. So mischen sich, jedenfalls für weiter vorn Sitzende, in Timms eigenen Drei Chorälen Chor und Orchester nicht recht. Beider Klang rundet sich auch untereinander kaum. So klingen die Herren des Chors sehr weit weg und das bemerkenswert üppig besetzte Mendelssohnorchester fällt akustisch ein ums andre Mal auseinander, was den großformatigen Choral-Fantasien einiges von ihrer Wirkung nimmt.

In Anton Bruckners gewaltigem „Te Deum“, worin der MDR-Chor dem Universitätschor machtvoll zur Seite tritt, geht das besser. Wenngleich um den Preis, dass Timm, um den riesigen Laden beisammen zu halten, buchstabieren lässt, weswegen Bruckners hymnischer Lobpreis ins Episodische tendiert. Für sich genommen lässt sich niemandem etwas vorwerfen. Dem potenten Chorkombinat nicht und dem Mendelssohnorchester nicht. Auch nicht den oberen dreien der vier Solisten, der sensationell durchsetzungsstarken, dabei klar und schlank tönenden Viktorija Kaminskaite, der satt-warmen Marie Henriette Reinhold und dem geschmeidigen Florian Sievers, denen sich als Bass Wolf Matthias Friedrich mit einem Gestaltungswillen von unten entgegenstemmt, der in diesem fach hart an der Karikatur navigiert. Halten die Akteure sich dynamisch zurück, klingt der Raum Mal wärmer als sein eisiges Lichtkonzept vermuten lässt. Doch insgesamt marschieren die jubilierenden Heerscharen mehr als nur eine Spur zu militärisch drauflos.

Da war die am anderen Ende der Nachhall-Skala auch nicht unproblematische Peterskirche weitaus gnädiger und schmeichelhafter. Aber Timm steht ja auch gerade erst am Anfang seiner Erkundungen neuer Möglichkeiten am Augustusplatz. Schön, dass er sie endlich hat.

Von Peter Korfmacher

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