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Kultur Regional Karin Hörning bringt Reudnitz in der Mühlstraße zusammen
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06:13 05.12.2018
Seit einem Vierteljahrhundert das Gesicht der Mühlstraße 14: Karin Hörning, 59. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Raum im Erdgeschoss der Mühlstraße 14 ist erfüllt von Kinderbrabbeln. „Naaaaa“, sagt Karin Hörning lachend und beugt ihren Kopf nach unten. Das auf sie zu krabbelnde Kind lacht zurück. Immer donnerstagmorgens treffen sich meist Mütter mit ihren Kindern zum Familienfrühstück in dem Kulturzentrum gegenüber der Sterni-Brauerei. Die Gespräche drehen sich dieses Mal unter anderem um Mittel gegen nächtliches Pupsen und Zähneknirschen. „Habt ihr ein Ohr für mich?“, unterbricht die Leiterin des Mühlstraße 14 e.V. Sie macht kurz Werbung für eins der Vorzeigeprojekte des Vereins – das Stadtteilkulturfestival „Ostlichter“, das über fast zwei Monate hinweg kulturelle Veranstaltungen und Workshops im Leipziger Osten bietet und so die unterschiedlichen Einwohner zusammenbringen soll.

Die Chance dazu gibt es in der Mühlstraße fast täglich für jeden Interessierten: Treffs für Jugendliche und Senioren, Kurse von griechischen Tänzen bis „fröhlich singen“ und Projekte wie die Kunst-Koffer für Kinder. Karin Hörning leitet heute noch die „50+“-Gruppe, die sie vor zehn Jahren selbst gegründet hat. „Hier sind schon viele Freundschaften und auch Pärchen entstanden“, berichtet die 59-Jährige freudig.

Die Geschichte der Mühlstraße 14 ist eng mit ihrer verbunden. 1993 hat sie den Verein mitgegründet, entstanden aus dem Bürgerverein „Eilenburger Bahnhof“, der damals ein Konzept für den heutigen Lene-Voigt-Park erarbeitet hat. Beginnend als Ehrenamtliche ist die Leipzigerin mittlerweile Geschäftsführerin mit 17 Mitarbeitern. Wie ist sie als Chefin? „Du musst noch mehr delegieren und loslassen lernen“, meint eine Mitarbeiterin aus dem Nebenraum. Karin Hörning stimmt zu.

1998 machten sich Rechtsradikale breit

Als Chefin schreibt sie vor allem Anträge, macht Abrechnungen, entwickelt Konzepte und engagiert sich in den verschiedenen Arbeitskreisen. Die zunehmende Bürokratie macht auch ihr zu schaffen. „Das ist schon heftig geworden, so fehlt oft Zeit für andere Sachen“, kritisiert sie. In ihrem Vierteljahrhundert Mühlstraße hat sie einige Meilensteine, aber auch Tiefpunkte miterlebt. Letzterer war 1998, als sich im Jugendtreff vor allem Rechtsradikale breitmachten und nur noch die Polizei helfen konnte. „Da haben wir uns sehr ohnmächtig und von der Stadt allein gelassen gefühlt“, sagt die sonst sehr ausgeglichen wirkende Frau.

Mit jedem Wort merkt man, wie ihr der Stadtteil, Leipzig un­d seine Menschen am Herzen liegen. „Leipzig ist eine attraktive Stadt, aber es dürfen nicht die abgehängt werden, die sich nicht wehren können. Ich kenne so viele Einzelschicksale – das muss die Stadt im Blick behalten“, so ihr aktueller Appell. Mit der Mühlstraße leistet sie einen wichtigen Beitrag, dass Generationen und Kulturen in Kontakt kommen. „Man kann hier im Haus erleben, was sich in der Nachbarschaft entwickeln kann“, zeigt sich Karin Hörning stolz auf das Erreichte.

Ein buntes Herz: „Für Oma“

Sie hat ursprünglich als Lehrerin gearbeitet, „zu DDR-Zeiten noch ein Traumberuf“. Als nach der Wende wegen ihrer Parteimitgliedschaft das Aus kam, hat sie nach einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme schließlich noch Betriebswirtschaft an der Abendschule studiert und den Fachwirt in Sozialwesen gemacht. „Am Anfang war ich vor allem als Chefin noch unsicher durch die starke Erwartung von außen, jetzt bin ich ruhiger geworden“, erzählt sie. Vor allem durch die pädagogischen Fachkräfte, die es anfangs noch kaum gab, habe man schrittweise viel gelernt. „Man muss den Mitarbeitern Gestaltungsspielräume geben und vormachen, was alles geht – und natürlich Wertschätzung“, beschreibt sie ihre Rolle.

In ihrem Büro hängt ein Bild mit einem bunten Herz: „Für Oma“. Noch fünf, sechs Jahre will sie weiterarbeiten, sich vorher aber schon in die zweite Reihe zurückziehen. Sie möchte noch mehr Zeit mit Mann, Kindern und ihren zwei Enkeln verbringen. Eine potenzielle Nachfolgerin wird schon eingearbeitet. „Ich lass die jungen Wilden vor“, sagt sie lachend.

Von Markus Gärtner

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