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15:23 25.03.2018
Alexander Schmitt dirigiert den Nachwuchschor des MDR-Kinderchors. Quelle: MDR/Marco Prosch
Leipzig

Er ist der jüngste unter den Klangkörpern des Mitteldeutschen Rundfunks, weswegen die Dreiländeranstalt ihm am Samstag in der gut gefüllten Kongresshalle am Zoo eine ausführliche „Kindergeburtstags“-Feier gewidmet hat. Dabei hat der Jubilar auch schon 70 Jahre auf dem Buckel: 1948 gründete Hans Sandig in Leipzig den heutigen MDR-Kinderchor, den einzigen einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt in Deutschland und Hauptdarsteller einer, so sagt es Programm-Direktorin Nathalie Wappler zur Begrüßung, „eindrucksvollen Erfolgsgeschichte“. Und die lässt der Kinderchor mit seinem neuen künstlerischen Leiter Alexander Schmitt zweieinhalb Stunden lang Revue passieren – musikalisch und in Geburtstagswünschen von Ehemaligen.

Da berichtet die Leipziger Kabarettistin Anke Geißler launig bis nachdenklich davon, wie Sandig mit seinen Ansprüchen an Qualität, Verlässlichkeit und Haltung ihr Bühnenleben nachhaltig ermöglicht und geprägt hat. Da liest Moderatorin Peggy Patzschke aus dem zu Herzen gehenden Brief vor, den sie dem „Professor“ zum Abschied schrieb, ist Tom Pauls per Video-Botschaft präsent und gratuliert mit einer hinreißend abseitigen Version der „Tell“-Ouvertüre für Kazoo, Tuba und Klavier, lässt Sopranistin Simone Kermes den Moderator Juri Tetzlaff Pathetisches von der Stange verlesen.

Ein noch schöneres Geschenk für den Chor dürfte sein, dass Sandigs Nachfolger Gunter Berger, er leitete den Chor von 1990 bis 2011, zum runden Geburtstag noch einmal ans Pult tritt und das schönste (Pablo Casals’ „Niger sum“) und das charmanteste (Leroy Andersons „Plink Plank Plunk“) Twerk des Nachmittags dirigiert. Und für die Allerkleinsten, die beiden von Meta-Elisabeth Kuritz geleiteten Vorchöre der Drei- bis Sechsjährigen, ist es gewiss das Schönste, dass sie zum ersten Mal in einem richtigen Konzert auftreten dürfen – wofür der MDR eigens eine Ausnahmegenehmigung erwirken musste, um das Jugendschutz vorbeizuschaukeln. Mit Hingabe sind die Kleinen dabei, besingen Sandigs recht staubigen „Pi-Pa-Putzigen Igel“, schicken mit den Tönen Thomas Hammers „Ein Lied auf Reisen“, finden dabei aber auch Zeit, den gerührten Lieben im Saal zuzuwinken – da wächst der Niedlichkeits-Koeffizient gegen Unendlich.

Eine Stufe darüber singen die Nachwuchschöre unter der Obhut Wieland Lemkes – der ist ein begnadeter Entertainer und animiert das Publikum gekonnt zum Mittun. Schade, dass niemand auf die Idee kommt, jene Zeitzeugen aus dem Saal auf die Bühne zu bitten und ins Programm einzubinden, die 1958 bei der Einspielung des Sandmann-Lieds dabei waren. Überhaupt – das hätte eigentlich ins Programm gehört.

Obwohl das durchaus lang genug ist. Schmitt nutzt sein offizielles Antrittkonzert souverän zur Leistungsschau über die Stile und Zeiten. Den Jugendchor lässt er dabei gemischt und vierstimmig Romantisches von Brahms, Mendelssohn und Hauptmann vortragen – und zwar ziemlich professionell – trotz der unglücklichen Akustik und der interessanten Idee, die Großen von der gegenüberliegenden Empore aus übers Publikum hinweg zu dirigieren.

Dass er mit großer Ambition an seine neue Aufgabe herantritt, beweist der Umstand, dass er Konzert- und Jugendchor gleich mit zwei Uraufführungen ins Rennen schickt: mit Andreas Winklers (Jahrgang 1974) jazzoidem „Valentine“ und David Timms (geboren 1969) pädagogisch sehr wertvollem Beitrag „Ein Kind ist kein Rind“ nach Erich Fried. Wunderbar schlicht nimmt sich dagegen der dritte taufrische Programmunkt aus: Shadi Kassaees traumverlorenes „Roya“.

Am schönen Schimmel begleitet sensibel perlend Christian Otto oder (bei Casals) schwelgerisch warm Gunter Bergers „Lieblingspianist“ Christoph Sobanski. Die beiden Konzerthälften läuten die Leipziger Blechbläsersolisten prunkvoll mit Festlichem von Früher ein: einem Ausschnitt us Jean-Joseph Mourets Fanfaren-Sinfonie und der Ouvertüre aus Marc-Antoine Charpentiers „Te Deum“ (das war früher die Eurovisions-Hymne, passt also bestens). Und in Graham Welshs rustikal zusammengeschraubtem Medley aus Bernsteins „West Side Story“ mischen die fabelhaften Bläser gemeinsam mit dem Konzertchor und Robin Meneses am Schlagzeug noch Musical-Farben in den Nachmittag.

Ohne Zugaben kann ein solches Konzert nicht zu Ende gehen. Also gibt’s vor dem wunderbar gesungenen und gespielten Abendsegen aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ein schlimmes Leipzig-Lied, einen lokalpatriotischen Schunkel-Walzer vom Bodensatz der Dicht- und Tonkunst. Wahrscheinlich ist es wichtig für die frühkindliche Entwicklung, dass der Nachwuchs beizeiten auch mit den Gefahren des Singens vertraut gemacht wird. Geschadet haben derlei Ausflüge dem MDR-Kinderchor bisher jedenfalls nicht. Der derzeit gut 170-köpfige Jubilar steht stimmlich satt im Saft.

Von Peter Korfmacher

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