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Kultur Regional Krämer & Tschirpke im Centralkabarett
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20:35 26.10.2018
Ich ’n Lied, du ’n Lied“: Sebastian Krämer und Marco Tschirpke aus Berlin im Leipziger Centralkabarett. Quelle: Kempner
Leipzig

„Du suchst eine Frau mit Klasse/ nimm’ eine Lehrerin.“ Sprachspiele wird Marco Tschirpke an diesem Abend unter dem Titel „Ich ’n Lied, du ’n Lied“ noch viele machen, und sie sorgen verlässlich für Lacher. Eine Weile tröpfeln die Pointen vor sich hin, doch dann wird es böse. Verantwortlich dafür ist Kabarettisten-Kollege Sebastian Krämer: „Du hast mir einen Drachen gebaut“, säuselt der zu einer romantischen Klaviermelodie, „aber hast du ihn dir auch einmal angeschaut?“ Mit zuckersüßer Stimme schlägt er die Vernichtung des von Kinderhand gebastelten Geschenkes vor. Tschirpke ergänzt die Linie mit dem in Prosaform gehaltenen Vorschlag an eine Prenzlauer-Berg-Mutter, ihrem Sohn doch endlich einfach eine zu knallen.

Die Themen bleiben: bunt

Das Spiel mit dem Tabu erzielt hier kurz große Wirkung – und bleibt der einzige gesellschaftliche Grenzgang des Komikerduos. Ansonsten sind die Themen: bunt. Tschirpke erzählt in Gedichtform von einem Moslem im Weltraum, der nicht weiß, in welche Richtung er den Gebetsteppich legen soll, und Krämer besingt beeindruckend schön das Schicksal der Brüder dieser Welt. Das Konzept wird erst im zweiten Teil des Abends erkennbar, zumindest eine klare Rollenverteilung: Krämer beschert musikalischen und auf anrührend-komische Art auch inhaltlichen Tiefgang, Tschirpke ist verantwortlich für den Klamauk.

Bühnentauglicher Zwist

Zwischen den beiden Kabarett-Freunden entspinnt sich so ein bühnentauglicher Zwist. Es sei seltsam, dass Krämer nie seine guten Lieder spielt, findet Tschirpke: Da liege der Verdacht nah, er vermöge sie von den missratenen nicht zu unterschieden. Der Bühnenkollege kontert elegant: Sein Freund sei der „Komplementär-Chansonnier“ von Edith Piaf, er nehme nur die Töne, die sie übriglasse.

Zwei Menschen, die sich auf der Bühne necken, das funktioniert auch im Centralkabarett. Das Duo Krämer und Tschirpke gerät dadurch allerdings aus dem Gleichgewicht: Marco Tschirpke fällt mit seiner Albernheit zurück und Sebastian Krämer beendet die Show mit dem Lied über einen Gelddiebstahl nahezu brillant: „Ich weiß nicht mal mehr, wie viel es war /doch keine Sorge, Geld kommt schon alleine klar,“ singt er berührend ehrlich und musikalisch überzeugend. Dabei, das darf nicht geleugnet werden, klingt Marco Tschirpkes Stimme im Hintergrund auch sehr schön.

Von Anna Flora Schade

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