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Kultur Regional Kubanische Musik-Legenden verlegen „The Bar at Buena Vista“ nach Leipzig
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19:26 21.03.2018
Am Dienstag- und Mittwochabend hieß es im Gewandhaus: Hereinspaziert in die „Bar at Buena Vista“.  Quelle: Foto: Dirk Knofe
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Leipzig

 Erst mal eine rauchen. Bevor die Zeitreise in die goldene Ära – das Kuba der 1950er- und 60er-Jahre – beginnt und „The Bar at Buena Vista“ öffnet, zieht ein wenig Zigarettenqualm durch den nicht ganz voll besetzten großen Saal des Gewandhauses. Die Bühne ist am Dienstagabend zur wohl bekanntesten Kneipe Havannas geworden. In der das Rauchen selbstverständlich noch erlaubt ist.

Mitte der 90er Jahre waren der US-amerikanische Musiker Ry Cooder und der deutsche Filmemacher Wim Wender auf die Bar in einem äußeren Stadtteil Havannas aufmerksam geworden, in der Altmeister des klassischen cubanischen Son ihre sozialistische Rente etwas aufbesserten. In dem Album „Buena Vista Social Club“ und dem gleichnamigen Film setzten sie der Maestro-Riege ein Denkmal.

Legenden im gesetzten Alter

Viele der Sänger und Musiker von einst sind bereits gestorben – bei der Tournee unter dem Label „Buena Vista“ schauen sie auf riesigen Fotos von der Barwand herab. In den Herzen der kubanischen Musik-Legenden, die auf der Gewandhausbühne stehen, leben sie ohnehin weiter. Es sind Herren und eine Dame, die ebenfalls im gehobenen Alter angekommen sind. Sie heißen Ignacio „Mazacote“ Carrillo (94), Rene Pérez Azcuy (78) oder Luis Chacón „Aspirina“ Mendive (Jahrgang 1939). Die einzige Sängerin ist „The Cuban Diva“ Siomara Avilia Valdés Lescay. Da bei Damen und erst recht nicht bei Diven über das exakte Alter gesprochen wird, sei nur zur Vollständigkeit erwähnt, dass sie um die 80 Jahre alt sein soll.

Im Einklang mit einer grandios aufspielenden Liveband um den Ausnahme-Trompeter Elpidio Chappottin Delgado und mit den vitalen Tänzern versprühen sie das Flair der Zeit und nehmen das Publikum mit in die Geschichten um Liebe, Eifersucht und Versöhnung.

Feuer springt nur schwer über

Die Hauptrolle des Abends spielt ohne Frage Ignacio „Mazacote“ Carrillo. An seinen Entertainer-Qualitäten hat der 94-jährige über all die Jahre nichts eingebüßt. Als er die Bühne betritt, wirkt er beinah klapprig, die Hand mit dem Mikrofon zittert. Im nächsten Moment ist alles vergessen: Kraftvoll und mit fester Stimme gibt er die Lieder von damals wieder. Standing Ovations folgen. Umgarnt von drei spärlich bekleideten jungen Damen wagt er sogar noch ein paar Tanzschritte, was den Beifall des Publikums noch einmal verlängert. Wenn der Scheinwerfer nicht auf Carrillo gerichtet ist, sitzt er in einem Schaukelstuhl in der Bühnenmitte, zieht genüsslich an einer Zigarette und schaut Siomara Valdés dabei zu, wie sich die stimmengewaltige Diva einen Herrn aus dem Publikum angelt, mit ihm und seiner etwas steifen deutschen Hüfte den Cha-Cha-Cha hinlegt.

So recht möchte das Feuer am Dienstagabend dann doch nicht auf das Leipziger Publikum überspringen. Der die Lieder und Tanzeinlagen unterstützende Applaus endet zu schnell oder gerät aus dem Rhythmus, Mittanzen oder zumindest Schunkeln ist in den Reihen des Gewandhauses kaum möglich. In jedem Fall bereitet „The Bar at Buena Vista“ kurzweiliges Vergnügen und Lust darauf, selbst einmal am Tresen des legendären Lokals Platz zu nehmen.

Nach etwas mehr als zwei Stunden schließt die Bar, und es heißt Abschied nehmen. Sänger Rene Pérez Azcuy tut das auf seine ganz eigene Art: Er lässt sich am Tresen noch einen Rum ins schwere Glas schütten, schaut mit einem Lächeln ins Publikum und verlässt die Bühne.

Von Mathias Schönknecht

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