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Kultur Regional Kunstausstellung „Originale_18“
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19:04 18.07.2018
Die Kunstausstellung „Originale_18" im Telemannsaal der Kongreßhalle im Zoo Leipzig. Quelle: Kempner
Leipzig

Eine Gruppe Tiger inmitten blauer Farbflächen. Die orange-schwarzen Fellmuster der Großkatzen sind äußerst detailliert gemalt. Nur an wenigen Stellen werden sie durch abstrakte Farbflächen gebrochen. Während die Tiere im Vordergrund noch gut zu erkennen sind, scheinen die im Hintergrund immer mehr zu verblassen. Als ob sie eins mit der bläulich-grünen Umgebung werden würden, darin aufgehen.

Isabelle Dutoit mit ihrem Bild „Sieben Tiger" Quelle: Kempner

Das Bild heißt „Sieben Tiger“ und wurde von Isabelle Dutoit, Meisterschülerin von Arno Rink (1940 – 2017) für die Ausstellung „Originale_18“ angefertigt, die Montagabend im Telemannsaal in der Kongreßhalle am Leipziger Zoo eröffnet wurde.

Langjährige Geschichte

Die Schau ist als Zusammenarbeit zwischen dem Zoo Leipzig und der Hochschule für Grafik und Buchdruck (HGB) entstanden und Teil ihres gemeinsamen Projekts „Safari in die eigene Wahrnehmung“. Dazu gehören auch noch eine Kinderakademie Ende des Monats, eine Sommerakademie im August und ein Symposium im November.

Für die Ausstellung zeigen Absolventen der HGB und Leipziger Künstler zeitgenössische künstlerische Positionen zum Thema Tier anlässlich des 140. Geburtstages des Tierparks. Im ersten Moment klingt das womöglich ungewohnt, dabei reicht die gemeinsame Geschichte beider Institutionen sehr weit zurück. „Der Kontakt geht wirklich auf die Gründungszeit des Zoos zurück“, erläutert HGB-Mitarbeiterin Julia Blume.

Damals seien beispielsweise Zoodirektoren als Professoren für Anatomie an der Hochschule tätig gewesen. Später bis in die Anfangsjahre der DDR seien die Zooplakate von der HGB entworfen worden. Von daher habe die Hochschule überlegt, welches Geburtstagsgeschenk dem Zoo gemacht werden könne. Herausgekommen ist „Safari in die eigene Wahrnehmung“.

Artenschutz als roter Faden

Anna Bittersohl, die mit drei Bildern in der Ausstellung vertreten ist, wisse aus ihrem eigenen Studium, wie wichtig es für Künstler sei, Natur zu betrachten, dieses „Sehen zu lernen“, und wie wichtig in diesem Zusammenhang ein Umfeld wie das eines Zoos sei. Dort könnten Tiere in Ruhe betrachtet und ihre Bewegungen studiert werden, sagt sie: „Eine der ersten Sachen, die ich gemacht habe als ich vor zwei Jahren hierher gezogen bin, war mir eine Jahreskarte für den Zoo zu kaufen“, auch weil sie die einfach mag und der Leipziger wunderschön sei.

Im Gespräch mit den Künstlern ist immer wieder zu erfahren, dass es viele Interpretationsebenen gebe. Ein roter Faden der Ausstellung sei jedoch der Artenschutz bedrohter Tierarten. „Ich habe dieses Bild auch für die Ausstellung gemalt, weil wir im Zoo mittlerweile ein sehr schön gestaltetes Tigergehege haben und das ein Hort ist, in dem diese Tiere noch da sind, obwohl sie sich auf der Welt im Verschwinden befinden“, so Isabell Dutoit zu ihrem Werk „Sieben Tiger“.

Sie werden gejagt, und ihr Lebensraum wird genommen. Die Menschen haben die Waffen und die Macht, sie auszurotten. Im Zoo „schauen wir sie an und denken wie toll“, aber der nächste Großwildjäger steht gleich um die Ecke. Trotzdem sei die Angst des Menschen von diesen „Alphajägern“ aufgefressen zu werden, immer präsent .

Perfekt getarnt

Auch Mandy Kunze hat extra für die Ausstellung eine Arbeit erstellt. Die Lithographie ist aufgrund eines Erlebnisses mit dem Schneeleopard des Zoos entstanden. Der Fokus auf den Irbis, wie der Schneeleopard auch genannt wird, sei durch die Betrachtung der roten Listen vom aussterben bedrohter Tierarten entstanden, erklärt Kunze.

Mandy Kunze mit ihren Bildern „Ruthart Revers“ , „Alpha Omega“ (li.) und „Geist der Berge" (re.) Quelle: Kempner

Beim Blick von oben auf das Gehege der Großkatze wurde die Künstlerin erst nicht fündig: „Wo ist denn dieser Irbis, habe ich die ganze Zeit gedacht, bis ich nach fünf Minuten gemerkt habe, dass ich ihm bereits von Anfang an in die Augen schaue.“ Durch seine Felltarnung sei der Lauerjäger perfekt an die Umgebung angepasst gewesen. Aufgrund dieses Erlebnisses ist ihre Arbeit „Geist der Berge“entstanden.

Besondere Klänge

Wahrlich drastisch und plastisch nähert sich Philipp Kummer dem Thema. Er hat für die Ausstellung unter anderem seine Figur „Rekt“ beigesteuert. Das ist der Körper eines Eisbären, dessen Kopf von einer Frauenfigur abgerissen und sich selbst als Helm übegestülpt wurde. Es sei das klassische Thema „Mensch und Tier“. Wie agiere der Mensch gegenüber der Natur? Rücksichtslos und mit Unterwerfung. Die Beherrschung des Tieres sei eigentlich Gemetzel.

Philipp Kummers Figur „Rekt“. Quelle: Kempner

„Der Kopf wurde angeeignet, während der Körper weiter beherrscht werden soll, was aber eigentlich albern ist, denn der ist Bär tot und kann nicht mehr lange gelenkt werden“, bietet er als Interpretation seines Werkes an. Eine ganz besondere audio-visuelle Kunstform ist Marek Brandts „Musik für Tiere“. Er hat tatsächlich für Tiere gespielt. Wie sich das anhört, kann mit einer Eintrittskarte für den Zoo während seiner normalen Öffnungszeiten erfahren werden. Am 29. Juli wird die Ausstellung überdies kostenfrei zu besichtigen sein und gibt es die Möglichkeit für Künstlergespräche.

Von Edgar Lopez

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