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„La Fête“: Akrobatik und Comedy im Krystallpalast Varieté Leipzig

Elegant zur Ekstase „La Fête“: Akrobatik und Comedy im Krystallpalast Varieté Leipzig

20 Jahre Krystallpalast Varieté – das muss ordentlich gefeiert werden. „La Fête“ heißt deshalb die Show, die derzeit in der Magazingasse aufgeführt wird und eine ebenso beeindruckende wie unterhaltsame Mischung aus Akrobatik und Comedy bietet.

In glamourösem Ambiente und mit einer beeindruckenden Show feiert der Krystallpalast noch bis 3. März sein 20-jähriges Bestehen.

Quelle: Stefan Hoyer

Leipzig. Es darf bezweifelt werden, dass die gute Stimmung während der gestrigen Show im Leipziger Krystallpalast Varieté mit der anfänglichen (wenn auch nicht ganz ernst gemeinten) Aufforderung Uli Beckers, doch bitte deutlich ausgelassener zu feiern, zu erklären ist. Stattdessen sind die zahlreichen Lachanfälle und staunenden Blicke und der frenetische Abschluss-Applaus des Publikums auf eine simple Tatsache zurückzuführen: die Qualität des Programms, das den treffenden Titel „La Fête“ trägt.

Denn Anlass zum Feiern gibt es in der Tat: Das Krystallpalast Varieté blickt in diesem Jahr auf sein 20-jähriges Bestehen zurück – und runde Geburtstage müssen schließlich in großem Stil begangen werden. Passend dazu: das glamouröse Ambiente des Bühnenbildes mit viel Glitzer-Glitzer und zahllosen Geschenkpaketen. Auch wenn die sich – wen überrascht es – später als Hohlkörper entpuppen.

Von Akrobatik zu Komödie

Sei’s drum. Was zählt, das sind die Show-Einlagen. Und deren Charme und Klasse sind des Namens Varieté absolut würdig. Das beweist bereits die erste Akrobatin Heejin Diamond, Kontorsionistin aus der Mongolei, die auf Stäben balancierend zeigt, zu welchen Verbiegungen der menschliche Körper im Stande ist. Dazu erklingt Beth Harts und Joe Bonamassas „Your Heart Is As Black As Night“ – ab der ersten Minute liegen Eleganz und Erotik in der Luft. Es folgt Marilén Ribot aus Spanien, die am Schwungseil durch die Mitte des Raumes pendelt. Die einzigen, denen dabei schwindelig wird, sind die Zuschauer, denen Ribot bei ihren Kunststücken ein ums andere Mal beunruhigend nahe kommt. Deutlich ungefährlicher, aber nicht weniger elegant: der Auftritt der Französin Romina Micheletty. Wo die meisten im Sportunterricht bereits mit einem einzelnen Hula-Hoop-Reifen versagen, scheint sie mit ihren güldenen Ringen geradezu in symbiotischer Verbindung zu stehen. Dank der musikalischen Begleitung ist „La Fête“ bis dahin ebenso eine Wohltat fürs Auge wie für die Ohren.

Trotz eines deutlichen Stimmungswechsels bleibt es auch danach beeindruckend: Mit Lorenzo Mastropietro, wie sich die Bühnenfigur des Italieners nennt, betritt der erste männlich Artist die Bühne und erarbeitet sich innerhalb weniger Minuten den Rang des Publikumslieblings. Aus einer simplen Hut-Jonglage macht er wahres Comedy-Gold, erinnert mit seiner Wortkargheit und expressiven Gestik an die großen Stummfilmclowns Charlie Chaplin und Buster Keaton – und kann auch artistisch mit ihnen mithalten. Die Lachanfälle einiger Damen in der ersten Reihe bringen den Maestro beinahe aus dem Konzept. Macht aber nichts, improvisieren kann er nämlich auch.

Unkonventionell: „Whisky Circus“ und Papierkunst

Das Comedy-Duo Lonely Husband, bestehend aus Stevie Mazoschek und Uli Beckers, bildet derweil den moderativen, roten Faden der Show. Der eine gibt den eloquenten Gast- und Stichwortgeber, der andere münzt dies mit seiner naiv-dümmlichen Art in zielsichere Pointen um. Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil lassen grüßen. Nach einer zehnminütigen Verschnaufpause für Künstler und Publikum entfernt sich die Show von ihrem klassischen französischen Flair und schlägt einen spürbar moderneren Ton an. Deutschlandpremiere für den von den Kapverdischen Inseln stammenden Mantega. „Whisky Circus“ nennt sich dessen Kunst: Ein Reifen, ein halbgefülltes Glas und die Gesetze der Zentrifugalkraft genügen dem Straßenartisten, um dem Publikum staunende Rufe zu entlocken.

Ebenfalls unkonventionell: Der US-Amerikaner Lorenzo Torres alias Mr. Lo, der nicht nur die Bandbreite der in der Show vertretenen Kontinente um einen vierten erweitert, sondern auch die uralte Varieté-Disziplin der Papierkunst wiederaufleben lässt. Aus alten Zeitungen werden mittels weniger Handgriffen Tischdecken, Kopfbedeckungen oder komplette Outfits geschneidert. Ein Illusionist, der nicht mehr als ein wenig Papier und geschickte Hände benötigt. Spätestens jetzt wird deutlich, dass „La Fête“ keine bloße Aneinanderreihung einzelner Aufführungen ist: Immer wieder – ob nun während der Moderationen oder der Show-Einlagen – sind die anderen Artisten auf der Bühne aktiv. Mal subtil im Hintergrund, mal als unmittelbarer Teil der Künststücke. So verschmelzen in diesen zwei Stunden die einzelnen Segmente zu einem großen Ganzen.

Rullschuh-Stunts und Schlager-Parodie

Vorletzter Akt: das Duo Wings Dream aus Weißrussland. Mit Rollschuhen an den Füßen und absoluter Körperbeherrschung. Der Hüne Pavel schleudert seine kürzlich zur Gattin avancierte Partnerin Anastasiia zigfach im Kreis herum. Der Gleichgewichtssinn der beiden bleibt davon, im Gegensatz zum Publikum, gänzlich unbeeindruckt.

Das grande finale aber haben die beiden Moderatoren für sich reserviert. Es wird musikalisch, wenn auch ziemlich klamaukig, als Mazoschek und Beckers mit Gitarren, Perücken und falschen Schnurrbärten ausgestattet die Bühne stürmen und sich an einer Parodie auf spanische Wohlfühl-Schlager versuchen. Der konsequente Schlussakt einer Show, die sich sukzessive vom Eleganten ins Ekstatische steigert. Ein großer Spaß.

Die Show „La Fête“ anlässlich des 20. Geburtstags des Krystallpalastes Varieté läuft noch bis zum 3. März 2018 von Mittwoch bis Sonntag. Karten kosten, je nach Sitzplatz und Wochentag, zwischen 15 und 35 Euro und sind entweder vor Ort in der Magazingasse 4 erhältlich oder unter www.krystallpalastvariete.de.

Von Christian Neffe

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