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Kultur Regional Läuft! Philipp Weber bei den Academixern
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10:59 29.10.2018
Kabarettist, Autor und Verbraucherschützer: Philipp Weber im Academixer-Keller. Quelle: André Kempner
Leipzig

Von Philipp Weber geht ein Zauber aus. Man könnt auch sagen: Er rennt. Quasi im Vorübergehen liefert der 44-Jährige mit „Weber N°5: Ich liebe ihn!“ ein kluges, witziges und in der Kombination stimmungsaufhellendes Programm, das zu den Glanzpunkten dieser Leipziger Lachmesse gehört. Am Sonntagabend im Academixer-Keller war er einer der letzten Gäste des Satire-Festivals, drüber im Kupfersaal spielte Nico Semsrott, weiter südlich in der „Nato“ gab’s Stand-up-Comedy mit Johnny Armstrong und Mathias Tretter.

Weber schreitet die Front berühmter Werbefeldzüge ab und zieht ins Gefecht gegen Bedürfnismanipulation im Warenüberfluss durch Autos, die zu viel können, oder Fernsehgeräte, die zu groß sind fürs Zimmer und auf den Balkon ragen, wo aber schon der Hochleistungs-Weber-Grill zu viel Platz braucht. Und „Wie viele Möglichkeiten, Milch zu schäumen, gibt es denn?“ fragt er. „Was kommt als nächstes: der Laktose-Teilchenbeschleuniger?“

Der Kabarettist, Autor und Verbraucherschützer hält sich an „wahre Geschichten“, „könnt ihr googeln“. Wo Fakten für sich sprechen, spricht Weber über Hintergründe. Er führt das Publikum in die Scheinwelt der Slogans und Versprechungen. Wenn McDonald’s wirbt, „Ich liebe es“, stellt er sich vor: „Wollen Sie den Hamburger mitnehmen? – Nein, ich heirate ihn sofort“. Das führt, der Abend heißt „Ich liebe ihn!“, zum Gewissensbiss: Darf ein Künstler Werbung machen? Immerhin hat Frank Wedekind für Maggie getextet. Es ist, natürlich, eine Frage des Geldes, und für 5000 Euro könnte man schon mal ... Oder?

Immer unterwegs: Philipp Weber auf der Academixer-Bühne. Quelle: André Kempner

Hier werden die Zuschauer so angesprochen, dass sie sich gemeint fühlen dürfen. Beim Seilspringen über den roten Faden klärt Philipp Weber auf, ohne missionarisch unterwegs zu sein. „Sprache dient nicht der Kommunikation, sondern der Konfusion“, sagt er. Und läuft dabei auf und ab, hin und her, manchmal hüpft er. Zehn Kilometer wären es bestimmt geworden, stünde nicht ein Stuhl auf der Bühne, auf dem er hin und wieder kurz Platz nimmt. Freilich nie, um sich auszuruhen. Es gibt noch so viel auszuräumen. Das Missverständnis vom Frauen wuschig machenden Deo nämlich. Oder die Mär von einer hypoaktiven Sexualfunktionsstörung, die entdeckt wurde, um den Wirkstoff Flibanserin an die Frau zu bringen. Der im Odenwald aufgewachsene Weber hat ja Biologie und Chemie studiert. Bis 2014 war einer von dreien im Ersten Deutschen Zwangsensemble; solo steht er auch mit den Shows „Futter“ und „Durst“ auf der Bühne.

Philipp Weber wird nicht müde, sich über Tricks und Täuschung aufzuregen. „Entschuldigung, ich habe mich verrannt“, setzt er einmal an, ins Thema zurückzueilen. Das aber ist so weit gesteckt, dass immer noch viel Auslauf bleibt. Das Publikum ist seinem Charme ohnehin erlegen. „Ohne euch“, sagt er zum Abschied, „wäre der Abend ganz anders gelaufen“.

Von Janina Fleischer

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