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Kultur Regional Leipzig ehrt Hartmut Haenchen mit Richard-Wagner-Preis
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15:07 13.05.2018
Hartmut Haenchen (Zweiter von links) erhält dem Richard-Wagner-Preis aus den Händen von Thomas Krakow, Eva-Maria Stange und Friedbert Striewe. Quelle: Kempner
Leipzig

Hartmut Haenchen stehe, sagt der Musikjournalist Dieter David Scholz in seiner glänzenden Laudatio, „für einen Dirigententyp, dem es vor allem um die Sache geht“, der dem Werk gegenüber Demut bewahre, mehr die Musik in den Vordergrund stelle als die eigene Person. Und da der 75-jährige Dresdner, der zuletzt 2016 in Bayreuth Furore machte, als er kurzfristig für Andris Nelsons einsprang und einen großartig andersartigen „Parsifal“ dirigierte, ohnehin für einen anderen Wagner steht, für einen historisch informierten, für entschlackten Klang und zügige Tempi, für Transparenz und Struktur, ist Haenchen ein würdiger Träger des Leipziger Richard-Wagner-Preises 2018.

Gestern erhielt er die mit 10 000 Euro und einer Wagner-Statuette dotierte Auszeichnung der Leipziger Richard-Wagner-Stiftung im Rahmen einer von der Sopranistin Clara Barbier und Sung-Ah Park am Klavier mit Wagner und Debussy gerahmten Feierstunde im Vorfeld der „Götterdämmerung“ in der Oper. In dem Haus, dessen designierter Generalmusikdirektor Haenchen im Jahr 2000 war und um dessen Intendanz er sich nach dem Weggang Udo Zimmermanns vergeblich beworben hatte. In dem Haus, in dem er zuletzt 2002 am Pult stand – um Wagners „Tristan und Isolde“ zu dirigieren. Und da er, wie in seinen launigen Dankesworten ausführt, zwar in aller Welt schon viele Preise bekommen, man sich in seiner sächsischen Heimat aber diesbezüglich bisher „sehr zurückhaltend“ gezeigt habe, freut er sich nun besonders über diese Auszeichnung, „mit ganzem Herzen, denn dieser Preis hat nichts mit Verkaufszahlen zu tun, also kann ich ihn behalten und muss ihn nicht zurückgeben.“ Das Preisgeld will Haenchen investieren für die Produktion des letzten seiner 34 Amsterdamer „Ring“-Zyklen aus dem Jahr 2014 auf DVD. In Amsterdam war er von 1986 bis 2003 Chefdirigent der Niederländischen Philharmonie und Generalmusikdirektor der Oper – Exponent eines „kulturvollen uns friedlichen Europa“, wie es Sachsens Kunst-Staatsministerin Eva-Maria Stange in ihrem Grußwort formulierte.

Hartmut Haenchen blickt auf eine lange Dirigenten-Karriere mit weitem Blick und großem Aktionsradius auf allen Kontinenten zurück. Diesen Weg hat die 1994 in Frankfurt am Main geborene Sonja Isabel Reuter noch vor sich. Die Zeichen stehen gut, dass sie ihn gehen wird. Michail Lanskoi, ihr Laudator und Lehrer bislang in Weimar, demnächst in Berlin, preist den „Ausdruckswillen, den Mut, die schöne Stimme und die Energie“ der Trägerin des mit 5000 Euro nebst Statuette dotierten Richard-Wagner-Nachwuchspreises und hofft, dass „dieses Material später in Wagner-Opern eingesetzt werden kann auf sehr gutem internationalem Niveau“.

Apropos Niveau: Das war beim dem Nachwuchs-Preis vorgeschalteten Wettbewerb im Februar außergewöhnlich hoch. So hoch, dass, wie Peter Krakow, der Vorstandsvorsitzende der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig, in seiner ausführlichen Moderation ausführt, die Stiftung in diesem Jahr nicht wie sonst insgesamt drei, sondern neben Reuter gleich vier weitere Nachwuchskünstler als Stipendiaten zu den Bayreuther Festspielen schickt.

Von Peter Korfmacher