Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Leipzig im Ausnahmezustand - Metallica rockt die Arena
Nachrichten Kultur Kultur Regional Leipzig im Ausnahmezustand - Metallica rockt die Arena
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:50 01.05.2018
Metallica-Auftritt in Leipzig. Frontmann James Hetfield auf der Bühne in Aktion. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Es sind knapp anderthalb Stunden vergangen, an diesem Montagabend, als mal wieder einer dieser Momente durchscheint. Die Bühne ist in sanftes Licht getaucht, James Hetfield und Kirk Hammett stehen sich gegenüber und spielen sich die eröffnenden Töne von "One" zu, dieser großen, großartigen Hymne gegen die Gräuel des Krieges und die besondere Magie, die Metallica in ihren besten Momenten verströmen, wird spürbar. Der Rest der Band steigt ein, steigert sich, türmt Riff auf Riff bis man im abschließenden Stakkato-Rhythmus förmlich explodiert und, die Unkenrufer werden ungläubig schauen, selbst Schlagzeuger Lars Ulrich die verflixte Bass-Trommel im genau richtigen Tempo bearbeitet. Alles sitzt, alles passt und die Fans sind glücklich.

Ausnahmezustand in der Leipziger Arena: Im Zuge ihrer „Worldwired“-Tour machten die US-amerikanischen Superstars Metallica am Montag Station in der Messestadt.

Glücklich nicht zuletzt darüber, das ihre Helden auch im Jahr 37 nach Gründung noch immer existieren und sich so präsentieren, wie sie es in Leipzig tun. Keine Selbstverständlichkeit, bei einer Band, die in den wilden Achtzigern alles daran setzte, ihrem Ruf als "Alcoholica" gerecht zu werden, die in den Neunzigern die Anhängerschaft ein ums andere Mal mit gewagten Stilkorrekturen verschreckte und die um die Jahrtausendwende an internen Querelen und übergroßen Egos beinahe zerbrach - und sich bei der Selbstzerfleischung ausgiebig von Kameras begleiten ließ.

Bestechende Form

Vergangen, vergessen. 2018 sind Metallica immer noch da und zwar in teils bestechender Form.  Das wird ab dem eröffnenden "Hardwired" klar, in das die Band mit rund 20-minütiger Verspätung einsteigt, um im Anschluss für zweieinhalb Stunden zu einem wilden Ritt quer durch die eigene Diskographie anzusetzen. Das aktuelle Werk "Hardwired...To Self-Destruct" steht dabei mit sieben Titeln klar im Zentrum, um "Halo On Fire", "Confusion" und "Spit Out The Bone" wird jedoch Klassiker um Klassiker gewoben.

Und egal, ob man "The Shortest Straw", "Fade To Black", "The Memory Remains" oder "Sad But True" anstimmt, mit jedem Song wird deutlich, wie eingespielt und gut geölt die Maschine Metallica inzwischen wieder ist. Da ist die schiere Präsenz von Fronter Hetfield, dem mitunter ein sprichwörtlicher Fingerzeig ausreicht, um das Publikum zu dirigieren. Da ist Kirk Hammett, der feingeistige Gegenpart, der in seinen Soli das Wah-Wah-Pedal zum Glühen bringt. Da ist Bassist Robert Trujillo, neben Hetfield zweiter Aktivposten des Quartetts, der Band-Übervater Cliff Burton mit seiner Fassung des Instrumentals "Anesthesia" Tribut zollt. Und da ist Lars Ulrich, der manchmal stotternde, aber nie stoppende Motor der Band, den es nie länger als die Dauer eines Songs hinter dem Kit hält.

Nicht ohne Wermutstropfen

Bei der Show selbst gibt sich die Band angenehm zurückgenommen. Wo andere Vertreter gerne mal in Gigantomanie ausarten, werden bei Metallica einfach die Gitarren gewechselt. Wenn Showelemente zum Einsatz kommen, dann wohldosiert, aber nicht weniger beeindruckend: Zu "Moth Into Flame" kreist etwa ein autonomer Drohnenschwarm als Glühwürmchen über der Bühne, über den Brettern sorgen Video-Würfel für die passende Untermalung der Songs. Ansonsten sind es kleinere Einlagen, die das Set aufbrechen: Der Percussion-Part in den sich alle Musiker in "Now That We're Dead" ergehen, das von Trujillo und Hammett angestimmte Cover von Accepts "Balls To The Wall" oder die souveräne Publikumsinteraktion im Klassiker "Master Of Puppets". Dass die Bühne wie üblich nicht am Ende der Halle, sondern mittig im Rund platziert ist, trägt seinen Teil dazu bei. Der Austausch zwischen Band und Fans wird unmittelbarer, direkter. Dass dabei jeder Gast über etwa ein Viertel des Auftritts Drummer Ulrichs Rücken anstarren muss, wird gerne in Kauf genommen.

Ganz ohne Wermutstropfen bleibt das Konzert am Ende allerdings doch nicht. Der Sound ist gerade zu Beginn reichlich undifferenziert und schwankt auch im Verlauf des Auftritts immer wieder zwischen kristallklar und schwammig. Und ja, auch ein wenig lauter hätte es sein können, wie mancher Fan mit dem Verweis auf die grundlegenden Charakteristiken des Genres anmerkt. Nicht zuletzt bleibt der Eintrittspreis diskutabel: Über 100 Euro für einen Stehplatz sind auch angesichts mancher anderer Mondpreise für Live-Konzerte eine bedenkliche Entwicklung. Der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch. Nach dem abschließenden, beinahe vom Publikum übertönten, "Enter Sandman" ist klar: Metallica sind nach wie vor eine der besten Live-Bands der Welt - und 2018 in der besten Form seit mindestens zehn Jahren. Jetzt darf es nur nicht mehr wieder so lange bis zum nächsten Leipzig-Gastspiel dauern.

Von Bastian Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine Dokumentation der Filmemacherin Nicola Graef beschäftigt sich mit dem 2017 verstorbenen Maler Arno Rink. Rink hat als Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst der Neuen Leipziger Schule den Weg bereitet.

30.04.2018

Im neuen Academixer-Stück „SOS Familienurlaub“ schickt Regisseur Volker Insel schickt Familie Krämer auf Urlaub ins Brandenburgische – wo die Pointen auf der Havel liegen.

03.05.2018

Am nächsten Freitag beginnt das 19. internationale A-cappella-Festival des Ensemble Amarcord in Leipzig. Dabei kommen die Stimmen aus der ganzen Welt. Afrika, Amerika, Europa.

29.04.2018
Anzeige