Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipzig will dem Bachfest abwechselnd Gewandhaus- und Opern-Festspiele zur Seite stellen

Zukunftsvision Festivallandschaft Leipzig Leipzig will dem Bachfest abwechselnd Gewandhaus- und Opern-Festspiele zur Seite stellen

Bereits ab 2019 sollen unter der von der LTM vermarkteten Dachmarke „Musikstadt Leipzig“ jährlich zwei große Musikfestivals möglichst viele Musikfreunde aus aller Welt nach Leipzig locken: Neben dem Bachfest im jährlichen Wechsel Gewandhausfestwochen und Opernfestspiele.

Skadi Jennicke und Peter Gartiser bei der Präsentation ihrer „Zukunftsvision Festivallandschaft Leipzig“ im Neuen Rathaus.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Im Moment heißt es noch „Zukunftsvieion“. Aber das Konzept, das Peter Gartisers Münchner Beratungsfirma Metrum da für die Musikstadt Leipzig ausgearbeitet und gestern gemeinsam mit Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke im Rathaus vorgestellt hat, hat gute Chancen, Realität zu werden: Bereits ab 2019 sollen, läuft alles glatt, unter der von der LTM vermarkteten Dachmarke „Musikstadt Leipzig“ jährlich zwei große Musikfestivals möglichst viele Musikfreunde aus aller Welt nach Leipzig locken: Ein „konzentriertes und optimiertes Bachfest“ – und im Wechsel einmal Gewandhausfestwochen und Opernfestspiele. Das Gewandhausfestival soll der Leipziger Romantik um und nach Mendelssohn gewidmet sein, und, davon abweichend, zweimal im Jahrzehnt einen ausgewählten Komponisten (für 2021 und 2025 sind Mahler und Schostakowitsch in fast trockenen Tüchern) in den Fokus rücken. Die Opernfestwochen sollen sich dem Schaffen des in Leipzig geborenen Richard Wagner widmen, perspektivisch aber auch Richard Strauss.

Gartiser: „Mit dieser Struktur ist es realistisch, pro Jahr rund 75 000 bezahlte Festival-Besuche zu generieren. Das wäre deutschlandweit Spitze und läge deutlich vor Baden-Baden mit 65 000 oder Bayreuth mit 60 000 pro Saison verkauften Karten. Damit würde Leipzig im internationalen Festival-Geschäft die Rolle spielen, die seiner musikalischen Tradition entspricht.“ Zumindest seien im Angesichts dieser Tradition auf Augenhöhe mit Wien die rund 35 000 Karten, die das Bachfest jährlich an etwa 6000 Besucher verkauft ebenso wenig zufriedenstellend wie die Drittmittelakquise von 13 Prozent. Gartiser: „Das Potenzial der Musikstadt Leipzig ist überdurchschnittlich, die touristische Dividende, die die Stadt daraus zieht, unterdurchschnittlich.“

Damit sind zunächst einmal die Pläne vom Tisch, die 2016 eingestellten Mendelssohn-Festtage ins Bachfest zu integrieren. Gartiser: „Das kann das Bachfest nicht leisten, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren, den es durch die authentischen Aufführungsorte und seine spirituelle Kraft gewinnt. Für uns war schnell klar, dass das Bachfest um jeden Preis eigenständig erhalten bleiben muss.“

So wird es mit diesem vom 8. bis 17. Juni 2018 weitgehend bruchlos weitergehen. 2019 könnten sich dann die Gewandhaus-Festwochen dazugesellen, was Gewandhausdirektor Andreas Schulz „sehr sportlich, aber möglich“ findet, während die Oper wegen ihres sehr langfristigen Planungs-Zyklus erst ab 2022 voll integrierbar wäre. Jennicke: „Es ist klar, dass das Ganze eher ein Übergang werden wird als ein harter Schnitt.“

Doch auch zu diesem Übergang ist der Weg noch weit. Denn nun muss die Zukunftsvision, die Gartiser seit Februar gemeinsam mit den Beteiligten von Bach-Archiv, Gewandhaus, Oper, Mendelssohn-Haus und LTM erarbeitet hat, erstmal durchs kommunalpolitische Räderwerk. Immerhin hat der Kulturausschuss die Pläne bereits gesegnet.

Allerdings hat Gartiser, „um die Klarheit des strategischen Bildes nicht durch die Diskussion über die Mittelverteilung zu trüben“, diesen Aspekt bei seiner Vision außen vor gelassen. Das klingt ein wenig nach jamaikanischer Verhandlungsstrategie, nach der man das, was die größten Probleme bereitet, als erstes ausklammert. Aber der Management-Berater fügt hinzu: „Wir hatten keinen Auftrag von der Stadt, eine kostenneutrale Zukunftsvision zu entwickeln. Es kann durchaus sein, dass sich unser Konzept mit den bestehenden Ressourcen verwirklichen lässt. Es kann aber auch sein, dass man noch einen Schnaps drauftun muss. Aber das sollte man erst entscheiden, wenn die Feinplanung weiter fortgeschritten ist.“ Klar jedenfalls ist: 47 000 Euro bekam er von Bachfest, Gewand- und Mendelssohn-Haus für den Analyse-Teil seiner Studie, noch einmal 13 500 Euro vom Dezernat Kultur für die visionären Phase.

Sein Konzept wirkt nun so schlüssig, dass diese 60 500 Euro gut angelegt sein könnten. Schon, weil alle Beteiligten endlich anpacken, worüber in Leipzig seit knapp 20 Jahren immer wieder nur geredet wurde. Dies innerhalb weniger Monate hinbekommen, Befindlichkeits-Verkrustungen aufgebrochen, eine ergebnisoffene und konstruktive Debatte herbeigeführt zu haben, ist das bisher wohl größte Verdienst von Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke.

Von Peter Korfmacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur Regional
Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Das Schumann-Haus Leipzig widmet sich dem Leben und Wirken des Komponisten-Ehepaars Robert und Clara Schumann. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr