Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Leipzig will dem Bachfest abwechselnd Gewandhaus- und Opern-Festspiele zur Seite stellen
Nachrichten Kultur Kultur Regional Leipzig will dem Bachfest abwechselnd Gewandhaus- und Opern-Festspiele zur Seite stellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 03.11.2017
Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Im Moment heißt es noch „Zukunftsvieion“. Aber das Konzept, das Peter Gartisers Münchner Beratungsfirma Metrum da für die Musikstadt Leipzig ausgearbeitet und gestern gemeinsam mit Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke im Rathaus vorgestellt hat, hat gute Chancen, Realität zu werden: Bereits ab 2019 sollen, läuft alles glatt, unter der von der LTM vermarkteten Dachmarke „Musikstadt Leipzig“ jährlich zwei große Musikfestivals möglichst viele Musikfreunde aus aller Welt nach Leipzig locken: Ein „konzentriertes und optimiertes Bachfest“ – und im Wechsel einmal Gewandhausfestwochen und Opernfestspiele. Das Gewandhausfestival soll der Leipziger Romantik um und nach Mendelssohn gewidmet sein, und, davon abweichend, zweimal im Jahrzehnt einen ausgewählten Komponisten (für 2021 und 2025 sind Mahler und Schostakowitsch in fast trockenen Tüchern) in den Fokus rücken. Die Opernfestwochen sollen sich dem Schaffen des in Leipzig geborenen Richard Wagner widmen, perspektivisch aber auch Richard Strauss.

Gartiser: „Mit dieser Struktur ist es realistisch, pro Jahr rund 75 000 bezahlte Festival-Besuche zu generieren. Das wäre deutschlandweit Spitze und läge deutlich vor Baden-Baden mit 65 000 oder Bayreuth mit 60 000 pro Saison verkauften Karten. Damit würde Leipzig im internationalen Festival-Geschäft die Rolle spielen, die seiner musikalischen Tradition entspricht.“ Zumindest seien im Angesichts dieser Tradition auf Augenhöhe mit Wien die rund 35 000 Karten, die das Bachfest jährlich an etwa 6000 Besucher verkauft ebenso wenig zufriedenstellend wie die Drittmittelakquise von 13 Prozent. Gartiser: „Das Potenzial der Musikstadt Leipzig ist überdurchschnittlich, die touristische Dividende, die die Stadt daraus zieht, unterdurchschnittlich.“

Damit sind zunächst einmal die Pläne vom Tisch, die 2016 eingestellten Mendelssohn-Festtage ins Bachfest zu integrieren. Gartiser: „Das kann das Bachfest nicht leisten, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren, den es durch die authentischen Aufführungsorte und seine spirituelle Kraft gewinnt. Für uns war schnell klar, dass das Bachfest um jeden Preis eigenständig erhalten bleiben muss.“

So wird es mit diesem vom 8. bis 17. Juni 2018 weitgehend bruchlos weitergehen. 2019 könnten sich dann die Gewandhaus-Festwochen dazugesellen, was Gewandhausdirektor Andreas Schulz „sehr sportlich, aber möglich“ findet, während die Oper wegen ihres sehr langfristigen Planungs-Zyklus erst ab 2022 voll integrierbar wäre. Jennicke: „Es ist klar, dass das Ganze eher ein Übergang werden wird als ein harter Schnitt.“

Doch auch zu diesem Übergang ist der Weg noch weit. Denn nun muss die Zukunftsvision, die Gartiser seit Februar gemeinsam mit den Beteiligten von Bach-Archiv, Gewandhaus, Oper, Mendelssohn-Haus und LTM erarbeitet hat, erstmal durchs kommunalpolitische Räderwerk. Immerhin hat der Kulturausschuss die Pläne bereits gesegnet.

Allerdings hat Gartiser, „um die Klarheit des strategischen Bildes nicht durch die Diskussion über die Mittelverteilung zu trüben“, diesen Aspekt bei seiner Vision außen vor gelassen. Das klingt ein wenig nach jamaikanischer Verhandlungsstrategie, nach der man das, was die größten Probleme bereitet, als erstes ausklammert. Aber der Management-Berater fügt hinzu: „Wir hatten keinen Auftrag von der Stadt, eine kostenneutrale Zukunftsvision zu entwickeln. Es kann durchaus sein, dass sich unser Konzept mit den bestehenden Ressourcen verwirklichen lässt. Es kann aber auch sein, dass man noch einen Schnaps drauftun muss. Aber das sollte man erst entscheiden, wenn die Feinplanung weiter fortgeschritten ist.“ Klar jedenfalls ist: 47 000 Euro bekam er von Bachfest, Gewand- und Mendelssohn-Haus für den Analyse-Teil seiner Studie, noch einmal 13 500 Euro vom Dezernat Kultur für die visionären Phase.

Sein Konzept wirkt nun so schlüssig, dass diese 60 500 Euro gut angelegt sein könnten. Schon, weil alle Beteiligten endlich anpacken, worüber in Leipzig seit knapp 20 Jahren immer wieder nur geredet wurde. Dies innerhalb weniger Monate hinbekommen, Befindlichkeits-Verkrustungen aufgebrochen, eine ergebnisoffene und konstruktive Debatte herbeigeführt zu haben, ist das bisher wohl größte Verdienst von Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke.

Von Peter Korfmacher

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Man kann auch mit geschlossenen Augen jubeln: Die Fans haben am Donnerstag im rappelvollen Täubchenthal die Musik der Glasgower Postrock-Ikone Mogwai genossen.

03.11.2017

Im März 2015 wackelten nicht nur in der Arena Leipzig die Wände: 8000 Fans der Chemnitzer Band Kraftklub sorgten durch gemeinsames Springen für ein Mini-Erdbeben in Leipzig.

03.11.2017

Auch nach 25 Bühnenjahren bringen die Firebirds den frühen Rock’n’Roll bei aller Routine mit jungenhaftem Charme auf die Bühne. Wie sehr das die Fans mitreißt, war am Donnerstag bei der Geburtstagsparty der Leipziger Band in der Arena zu erleben.

08.03.2018