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Kultur Regional Leipziger So&So und TV-Club bangen um Zukunft
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11:12 24.07.2018
Konzert der Band Hot Lunch im „So&So“. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
Leipzig

Zwei Leipziger Kulturinstitutionen stehen an ihren bisherigen Standorten vor dem Aus. Sowohl beim So&So als auch beim TV-Club wurden die Mietverträge nicht verlängert. Beide Kulturzentren befinden sich in der Theresienstraße im Zentrum-Nord und somit auf einem Areal, in dem sich ein komplett neuer Stadtteil erheben soll. Die CG Gruppe plant rings um den früheren Freiladebahnhof Tausende Wohnungen, zahlreiche Geschäfte, zwei Schulen, Parks und Freizeitangebote. Für das seit gut zwei Jahren existierende So&So und den seit mehr als 40 Jahren in der Messestadt aktiven TV-Club ist im neuen Quartier wahrscheinlich aber kein Platz mehr.

Bisher waren die Macher des So&So noch davon ausgegangen, als Teil einer neuen Kulturmeile auf dem Areal weitermachen könnten. „Wir sind laut dem letzten öffentlich gemachten Stand vom 8.12.2017 fester Bestandteil der Planungen“, heißt in einer Stellungnahme. Hoffnungen seien auch durch entsprechende Unterstützung der Kommune gereift. Auf Anfrage von LVZ.de hieß es auch am Montag aus dem Neuen Rathaus noch: „Der Siegerentwurf aus dem städtebaulichen Wettbewerb aus dem August 2017 hatte ergänzend die Anlage einer ‚Kulturmeile‘ als ein wesentliches und grundsätzliches Planungselement vorgesehen. Dabei sollten die vorhandenen Gebäudekubaturen erhalten werden.“

Die Reaktionen auf das drohende Aus der Clubs

Nützen wird diese Architekten-Idee den Betreibern aber wohl nichts. Nach geänderter Faktenlage macht sich eher Ernüchterung breit: Ende Juni erhielt das So&So Post von der CG Gruppe, in der das Mietverhältnis zum 30. September beendet wurde. Ähnliches erwartet auch den wenige Meter entfernt beheimateten TV-Club, allerdings bleiben diesem bis zum Auszug noch ein paar Monate mehr. „Spätestens zum Ende des kommenden Jahres müssen wir das Gebäude räumen, um baulichen Entwicklungen Platz zu machen“, hieß es aus studentischen Heimat von Tier- und Veterinärmedizinern.

Umfangreiche Kampfmittelbeseitigung im kommenden Jahr

Als Grund für die Kündigungen führt der Investor mögliche Altlasten im Boden an. „Die Baracke, in der sich das So&So befindet, wurde definitiv erst nach 1945 gebaut. Niemand kann sagen, was sich tatsächlich darunter befindet. Wenn demnächst Wohnungen und Kitas im direkten Umfeld gebaut werden sollen, müssen wir auch dort nach Altlasten im Boden suchen lassen“, erklärte ein Vertreter der CG-Gruppe am Montag gegenüber LVZ.de. Dass der TV-Club während der Suche im kommenden Jahr noch weiter betrieben werden kann, liege daran, dass das Gebäude bereits vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde und unter Denkmalschutz steht. Ausziehen müsse der TV-Club aber letztlich auch, nur später.

Wie der CG-Vertreter weiter erklärte, komme das Ende der beiden Clubs an den bisherigen Standorten auch nicht überraschend. „Bereits im November 2016 haben wir eine Mieterveranstaltung durchgeführt und über die Pläne, auf dem Areal ein neues Stadtquartier entstehen zu lassen, informiert. Danach wurden mit allen 80 Mietern Gespräche geführt, um Alternativen zu finden.“ So auch mit den Machern der beiden Clubs, sagt der CG-Vertreter. Dem So&So seien letztlich drei Objekte aus dem Portfolio der Immobilienfirma angeboten worden – der ehemalige Postbahnhof, das Gelände des Plagwitzer Kunst- und Gewerbehofs, auf dem sich auch das Elipamanoke befindet, sowie der hintere Teil des TV-Clubs. „Allesamt sind aus bestimmten Gründen nicht vom So&So angenommen worden. Ich kann ja nachvollziehen, dass man an einem Objekt hängt, wenn dort viel Herzblut investiert wurde“, sagte der CG-Vertreter. Allerdings sei das bisherige Gebäude auch nur eine Baracke gewesen und es sei unrealistisch, auf dieselben Mietbedingungen wie dort auch an anderen Stellen zu hoffen.

Weiterhin Hoffnung auf Einigung

Das So&So bestreitet die angeblich aufgezeigten Alternativen: „Zu keinem Zeitpunkt wurde uns ein Angebot gemacht, dass eine Fortführung unseres Kulturzentrums ermöglich hätte“, heißt es aus dem Kulturzentrum. In den vergangenen Jahren seien ohnehin nur drei Gespräche mit dem Vermieter geführt worden. Trotz erfolgter Kündigung und einsetzender Ernüchterung hoffen die Betreiber aber weiter, den Vermieter irgendwie doch noch umstimmen zu können. „Wir sind uns sicher, dass wir ein wertvoller Bestandteil des neuen Quartiers sein können“, so die Macher. Noch eine Spur optimistischer geben sich die Betreiber des TV-Clubs. Zusammen mit der Kommune und dem Bauträger arbeite man daran, einen neuen Standort zu finden.

Dass dieser unter Umständen auch in der geplanten neuen Kulturmeile im neuen Quartier am ehemaligen Freiladebahnhof sein könnte, das lässt der CG-Vertreter bisher offen. Aktuell werde erst einmal ein Gutachten erstellt, ob Veranstaltungs- und Wohnflächen gemeinsam in der vorgeschriebenen Flächennutzung überhaupt möglich sind. Am Ende liegt der Ball diesbezüglich wohl auch bei der Kommune. Diese ließ am Montag mitteilen, man setze sich weiterhin für eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung ein und lade erneut zu gemeinsamen Gesprächen. „Sowohl das Kulturdezernat als auch das Baudezernat unterstützen den Verbleib der Clubs auf dem Gelände grundsätzlich“, hieß es am Montag. Sollte der Verbleib auf dem neuen Gelände allerdings verhindert sein, „suchen wir gegebenenfalls gemeinsam mit dem Beteiligten eine Lösung und setzen uns für eine geordnete Umverlagerung der Clubs ein“.

Von Matthias Puppe

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