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Kultur Regional Leipzigs weibliche Seite in Zwickau zu sehen
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11:49 11.05.2018
Klaus Fischer, Vorsitzender der „Freunde Aktueller Kunst“, in der neuen Galerie in der Zwickauer Hauptstraße. Zum 20-jährigen Bestehen rückt der Kunstverein Leipzigs Malerinnen in den Mittelpunkt und zeigt bis Januar 2019 Werke von 75 Künstlerinnen in drei Etappen. Quelle: dpa
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Zwickau

So viel Frau war nie: Weibliche Figuren im Porträt, mal nachdenklich, mal nackt, mal nur schemenhaft erkennbar. Daneben urbane Szenen und abstraktere Kompositionen, die sich jeder Einordnung entziehen. Mit seinem neuen Ausstellungsprojekt „Nach dem Bild ist vor dem Bild“ treibt der Zwickauer Kunstverein „Freunde Aktueller Kunst“ (FAK) das Frau-Sein auf die Spitze: Denn die 75 beteiligten Leipziger Künstler sind ausschließlich Malerinnen. Am 18. Mai endet mit Bildern von Ellen Akimoto oder Corinne von Lebusa der erste von drei Ausstellungsteilen zu einem der Hotspots internationaler Gegenwartsmalerei.

„Wir wollen das Quotendenken ad absurdum führen, indem wir die Quote mit 100 Prozent übererfüllen“, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Fischer. Auch in der Kunst dominierten noch immer Männer. Mit der rein weiblichen Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Vereins wolle man darauf aufmerksam machen. „Die vage Hoffnung besteht, hierdurch den Finger in die Wunde der mangelnden, ja ignorienden Reflexion zu legen.“

Laut einer aktuellen Studie ist die künstlerische Crème de la Crème ein Herrenclub: Keine einzige Frau ist bei internationalen Kunstauktionen unter den 50 gefragtesten Malern gelistet. Als erste Künstlerin steht die Expressionistin Joan Mitchell (USA; 1925-1992) mit einem Auktionsumsatz von 31 Millionen Dollar (25,2 Millionen Euro) im vergangenen Jahr auf Platz 51.

Dies geht aus dem Ende April veröffentlichten Kunstindex des „Manager Magazins“ hervor, den der Ökonom Roman Kräussl von der Luxembourg School of Finance ermittelt hat. Grundlage der Studie sind Daten von mehr als 700 Auktionshäusern und mehr als fünf Millionen Verkäufe. Weibliche Arbeiten erzielen nach der Untersuchung bei Auktionen nur halb so hohe Preise wie Werke von Künstlern.

Beobachtungen, die Klaus Fischer bereits vor seiner Zwickauer Zeit machte, als er noch als Galerist in Berlin tätig war. „Seither hat sich wenig getan. Bei vielen Galerien und Ausstellungen liegt die Quote nach wie vor bei 80 zu 20“, so seine Einschätzung. Zudem sei die Mehrheit der Sammler männlich und kaufe wiederum vorwiegend Kunst von Männern, weil die Rendite höher sei.

Allerdings könne man dem Kunstbetrieb nicht einfach eine Frauenquote verordnen, auch wenn viele der an der aktuellen Ausstellung beteiligten Künstlerinnen für eine solche plädierten. „Das lässt sich leider nicht durchsetzen, aber darüber reden müssen wir trotzdem.“

Als künstlerischer Leiter hat der 60-Jährige seit Vereinsgründung im März 1998 ein klares Ziel vorgegeben: Die Peripherie zum Zentrum machen. Mit wegweisenden Ausstellungen bewiesen die „Freunde Aktueller Kunst“ schon mehrfach erstaunliches Gespür: So zeigten sie Rosa Loy bereits 1999 in einer Einzelausstellung. Ein Jahr später stellten sie mit der Schau „Bildwechsel“ die Künstler der Neuen Leipziger Schule um Neo Rauch ins Rampenlicht, lange bevor der internationale Kunstmarkt diese für sich entdeckte. 

Mit Stadtraum-Projekten wie „Brühlette Royal“ oder „Wer hat Angst vor Roger Whitaker?“ zeigte der Verein von Anfang an, dass Kunst in der Provinz keinesfalls provinziell sein muss. Mehr als 300 Künstlerinnen und Künstler haben die FAK in den vergangenen 20 Jahren ausgestellt. Rosa Loy und Neo Rauch feierten im August 2015 sogar ihren 30. Hochzeitstag in den Räumen des Vereins - natürlich mit einer Werkschau. 

Das Kunstmagazin „art“ bezeichnete die Zwickauer in einer Titelgeschichte einmal als „Trendscout der Nation“. Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) mit bundesweit über 100 000 engagierten Kunstliebhabern ermöglicht es der Verein Mitgliedern und Besuchern, direkt an künstlerischen und kuratorischen Prozessen teilzuhaben. Mittlerweile gehören die FAK mit rund 250 Mitgliedern zu den größten Kunstvereinen in den neuen Ländern. 

Teil zwei der Malerinnen-Ausstellung folgt vom 18. September bis zum 9. November - unter anderem mit Rosa Loy - und Teil drei vom 27. November bis 25. Januar 2019. Begleitend zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und eine Webseite mit Künstlerinnenporträts. Bis Fischer die Bilder der nächsten 25 Malerinnen in den neuen Räumen in der Zwickauer Hauptstraße aufhängen wird, steht die vierte Runde des Literaturfrühlings (6. bis 10. Juni) an. In eine ganz andere Richtung geht außerdem die Schau „Ungebaute Bauten“. Als Beitrag zur 900-Jahr-Feier der Stadt öffnet die Galerie ab 24. Juni ihre Türen für bislang nicht realisierte Entwürfe Zwickauer Architekten.

Von Claudia Drescher

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