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Kultur Regional Liebesnacht mit Wanda im Haus Auensee in Leipzig
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13:59 15.04.2018
1, 2, 3, 4 – es so schön bei dir: Wanda überzeugen im Haus Auensee. Mit Rock’n’Roll-Attitüde. Und mit Amore. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Von Liebe kann man nie genug haben. Also ist es nur förderlich, dass das Wort „Amore“, also Liebe, im restlos ausverkauften Haus Auensee am Freitag omnipräsent war. Ja, genau: Wanda, die Band aus Österreich, stellt den ganzen Abend in den Dienst der Liebe. Ob sie damit nun die geistige oder nicht doch eher die körperliche Verbindung zwischen zwei Menschen meinen, bleibt offen. Sicher ist nur: Trocken bleibt hier nichts und niemand.

Indie-Rock, Pop, Folk mit deutschen Texten – und Rauch

Bevor die fünf Wiener mit der rotzigen Ausstrahlung die Bühne betreten, ergreift zunächst ein Dresdner das Mikrofon: Ansa Sauermann gibt mit seiner Band den Support. Der Singer/Songwriter verbindet Indie-Rock, Pop und Folk mit deutschen Texten. Dabei fällt insbesondere seine rauchige Stimme angenehm auf. Er bringt das Publikum mit Songs wie „Foto“ und „Tal der Ahnungslosen“ gut in Stimmung, bevor er mit dem ruhigen „So weit“, das eher nach Feierabend klingt als nach Party, sein Set abschließt. Der Laune im Haus Auensee tut das überhaupt keinen Abbruch.

„Wenn jemand fragt wofür du stehst – sag für Amore“

Ein Banner mit dem Schriftzug „Amore“ und der Beatles-Song „All You Need Is Love“ kündigen Wanda an. Und während viele Bands das Publikum erst auf ihre Seite ziehen müssen, reicht bei den Österreichern schon ihr Erscheinen, um das komplette Haus Auensee in Feierlaune zu versetzen. Nach einigen indisch anmutenden Klängen fällt das Banner, und die Band spielt „Bologna“. Das Publikum tobt sofort mit, es ist der Song, aus dem die berühmte Zeile stammt: „Wenn jemand fragt wofür du stehst – sag für Amore.“ Wanda-Fans gewinnen, wie der Abend zeigt, locker den Preis für die textsicherste Fan-Truppe. Sänger Marco singt den Song unter einem schwarzen Tuch, das er sich danach vom Kopf reißt. Eine echte Enthüllung ist das nicht, aber ein gelungener Teil der Inszenierung. Wanda, das ist eingeplanter Exzess, kalkulierter Überschuss von allem und ein Spiel mit den Wünschen des Publikums, das einfach einmal in die Nacht hineinleben will. Die Band ist der gezielte Gegenentwurf zum Schwiegersohn-Material, ihr Charme riecht nach abgestandenem Rotwein und schmeckt nach Kippen – bei Bassist Ray Weber ist das wörtlich gemeint, denn er hat einen Glimmstängel im Mundwinkel. So klingt übrigens auch die voluminöse, raue Stimme von Marco Michael Wanda, bürgerlich Michael Marco Fitzthum.

„Ihr seid’s ein Wahnsinn“

Weiter geht es mit „Luzia“ vom „Amore“-Album, das 2014 erschien. Zwar touren Wanda mit ihrem dritten Studioalbum, „Niente“, aber auch die älteren Lieblingssongs enthalten sie ihrem Publikum nicht vor. Die Favoriten kommen Schlag auf Schlag: „Auseinandergehen ist schwer“, „Schickt mir die Post“, „Lieb sein“, „Weiter, weiter“. Schon nach wenigen Songs muss sich Marco den Schweiß aus dem Gesicht wischen. Die Dynamik auf der Bühne ist klasse, der Sound schön satt, und im Publikum steht sowieso niemand wirklich still. Ein neuer Song, der live zu beeindrucken und zu berühren weiß, ist „Cafè Kreisky“. Mit ihm kommen auch Melancholie, Schmerz und viel Intensität in die Sache. Wanda schaffen das Kunststück, Indie-Rock, Pop und einen Hauch Beatles mit italienischem Urlaubsflair und Leben und Tod zu verbinden. Das Ganze inszenieren sie dann mit viel Rock’n’Roll-Attitüde, streckenweise begleitet von Streichern in venezianischen Masken. Bei „Meine beiden Schwestern“ reichen nur die ersten beiden Worte von Marco, um das Publikum gleich ganze Strophen weiter singen zu lassen. Oder wie der Sänger feststellt: „Ihr seid’s ein Wahnsinn“. Gemütlich wird es noch mal mit „Columbo“, bevor dann zu „Bussi Baby“ der Saal fast komplett hüpft und singt. Alle jubeln, als Marco zum Abschluss immer und wieder mit viel Pathos „1,2,3,4“ singt, mit Betonung auf „Es ist so schön bei dir!“. Natürlich singen die Fans mit – einfach weil es so schön miteinander ist.

Von Miriam Heinbuch

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