Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Ludovico Einaudi: So einfach und so schön
Nachrichten Kultur Kultur Regional Ludovico Einaudi: So einfach und so schön
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:01 08.05.2018
Zwischen Minimal Music und kuschligem Pop: Ludovico Einaudi begeistert die Massen, auch in Leipzig. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Eine große Show hat Ludovico Einaudi nicht nötig. Mit lautem Jubel wird er am Montagabend vom Leipziger Publikum empfangen, da hat er noch keinen Ton gespielt. Seit 2015 hat der italienische Komponist kein neues Album veröffentlicht, die großen Hallen füllt er dennoch. Zum Konzert in der Arena Leipzig kamen 6500 Menschen.

Einaudi sitzt – wie üblich – mit dem Rücken zum Publikum am Flügel. Er verliert den ganzen Abend kaum ein Wort, der Fokus soll auf seiner Musik liegen. Auch die Lichtshow hat diesen Namen eigentlich nicht verdient, so dezent ist sie. Da werden blaue, aquarellartig ineinanderlaufende Farbflächen hinter die Bühne projiziert, ein sich drehendes, kristallenes Gebilde. Wenige Scheinwerfer tauchen die Musiker in milchiges Licht. Das alles passt zu Einaudis Musik, zu den einfachen, schönen Melodien.

1955 wurde er in Turin geboren, studierte dort und in Mailand Komposition, unter anderem bei Luciano Berio. Seine Musik changiert irgendwo zwischen Minimal Music und kuschligem Pop. Fünf Musiker hat er auf seine Tour mitgenommen, an Violine, Cello, E-Gitarre, E-Bass und Percussion. Sie umringen Einaudi auf der Bühne, alle tragen klassisches Schwarz.

Leichtverdauliche Klänge, die vielen gefallen

Der Sound der Stücke ist reduziert, der Protagonist ist das Klavier. Als Einaudi zu einem halbstündigen Solo ansetzt, die Bühne ganz dunkel, nur drei einsame Scheinwerfer auf ihn gerichtet, ist die Arena wie gebannt. Die Kamera zoomt auf die filigranen Hände des Künstlers, projiziert sie auf die Leinwand hinter der Bühne – schwarz-weiß natürlich, so minimalistisch wie möglich.

Faszinierend, Einaudi beim Spielen zuzusehen, sagt ein Besucher nach dem Konzert. Das Solo mündet in „Una Mattina“, Einaudis berühmtestes Stück, 14 Jahre alt. Es ist Teil des Soundtracks zum Film „Ziemlich beste Freunde“ von 2011. Die Musik zu diesem Kassenschlager, leicht und gleichzeitig melancholisch, begeisterte damals die Massen. Nach dem Solo: euphorischer Applaus. Da dreht sich der Meister ein erstes Mal um, verbeugt sich leicht – auf dem Klavierhocker sitzend. Er lächelt.

Ludovico Einaudi umringt von seinen Musikern in der Arena in Leipzig. Quelle: André Kempner

Einaudis Musik ist tatsächlich einfach, basiert auf vielen Wiederholungen, auf schlichten und kurzen Tonfolgen, viele Stücke gehen von Akkorden aus. Melodien, in denen der Zuhörer schwelgen kann, in die er sich hineinfallen lassen wie in ein weiches, frisch bezogenes Kissen. Leichtverdauliche Klänge, die vielen gefallen. Durchmischt ist auch das Publikum, von Studierenden in Jeans und T-Shirt bis zum herausgeputzten Paar mit graumeliertem Haar. Begeistert sind alle. Nach jedem Stück Jubelrufe. Nur etwas unruhig werden manche bei der Hälfte des insgesamt zweistündigen Konzerts ohne Pause. Einige stehen auf, holen Bier, vertreten sich die Füße.

Sie habe Angst gehabt, sich zu langweilen, sagt später eine Frau zu ihrer Freundin. Gott sei Dank sei sie nicht eingeschlafen – so eintönig sei es nicht gewesen. Zum Einschlafen ist Einaudis Performance wirklich nicht, auch, wenn sich viele Stücke, viele Melodien ähneln.

Zwei ganze Sätze sagt der Komponist während des gesamten Abends

Einaudi ist Vollprofi. 1981 komponierte er sein erstes Orchesterwerk, seitdem schrieb der Italiener zahlreiche Bühnenkompositionen und Filmmusiken, veröffentlichte viele CDs. Am Montag zeigen er und seine Musiker, dass sie mehr drauf haben als „Ziemlich-beste-Freunde“-Klavierballaden, dass sie auch rockiger werden können, zum Beispiel beim letzten Song, der Zugabe. Energiegeladene dramatische Streicher, monoton treibendes Schlagwerk, E-Gittare, E-Bass, und dazwischen: sich wiederholende Akkorde am Piano. Alles steigert sich in einem immer dramatischer werdenden Crescendo. Ein fulminantes Finale.

Ludovico Einaudi selbst hält sich zurück, er interagiert nicht mit dem Publikum und so sparsam wie möglich mit seinen Musikern, denen er leise, dezente Zeichen gibt. Ganze zwei Sätze sagt der Komponist zu seinen Leipziger Fans: „Thank you, Leipzig“. Und: „Good night“. Dann verlässt er die Bühne. Was bleibt, ist der Jubel seiner Verehrer. Und eine gewisse Leichtigkeit in einer dieser ersten, lauen Sommernächte.

Von Sophie Aschenbrenner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Galerie für Zeitgenösssiche Kunst (GfZK) Leipzig und das Theater der Jungen Welt (TdJW) Leipzig laden vom 1. bis 24. Juni 2018 zum gemeinsamen Sommertheater "Welt im Zelt" ein.

18.05.2018

Das junge Ost-Passage-Theater hat jetzt mit gleich zwei Stücken Premiere gefeiert – und damit gezeigt, dass es bereits zwei Monate nach der Eröffnung ein Kleinod der kulturellen Landschaft Leipzigs ist.

07.05.2018

Der Countdown läuft: Etwa 20.000 Besucher werden am Pfingstwochenende zum Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig erwartet. Was in diesem Jahr neu ist und welche Höhepunkte warten, hat LVZ.de in einem Festival-Guide zusammengestellt.

14.05.2018
Anzeige