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Kultur Regional Lukas Adolphi liest aus seinem „Reklame“-Heft
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17:03 27.06.2018
Ein Gestalter, dem es um Kommunikation geht: Lukas Adolphi. Quelle: Henry Laurisch
Leipzig

Ein Schriftsteller ist er nicht. Der Zufall hat ihm ein Manuskript in die Hände gespielt, das er nicht unveröffentlicht lassen wollte. Genau genommen war es ein Überfall. An einem Sonntagabend wird Lucas Adolphi, er hat gerade 30 Euro am Automaten abgehoben, in Leipzig von zwei Typen, er schätzt sie auf 16 oder 17 Jahre, ausgeraubt.

Sie nehmen ihm das Geld und sein Handy ab, ein altes Sony Ericsson K800i. Die Täter werden geschnappt und verurteilt, und irgendwann, inzwischen sind mehrere Monate vergangen, bekommt Adolphi sein Telefon zurück. Einer der Typen hat es zwei Wochen lang benutzt. Alle gesendeten und empfangenen Nachrichten sind gespeichert – „die cops ham mein handy“ ist ihre Geschichte.

Und was für eine Geschichte. Wer nicht selbst 16 oder 17 ist und im eher weniger urbanen Raum lebt oder Verwandtschaft in jenem Alter und Umfeld hat, kann sich kaum vorstellen, um wie wenig es in dieser Kommunikation konkret geht – und wie aufregend, ja nahezu rührend sie dabei doch ist. Nicht nur wegen der vielen Herzchen und Küsschen.

Reclam oder Reklame?

Webdesigner Adolphi, der sich als Gestalter sieht und dessen Arbeiten sich „oft an der Schnittstelle von Kunst und Design“ bewegen, hat für sein knapp 80-seitiges Büchlein Form und Farbe eines Reclam-Heftes gewählt. „Verschiedene Autoren“ steht auf dem Cover, als Verlag ist „Reklame“ angegeben.

Das hat ihm zügig Kontakt mit Reclam-Verlags-Anwälten verschafft und dann für die zweite Auflage deren „freundliche Genehmigung“. Die Form passt perfekt zu einem Aufbau mit Liste der Haupt- und Nebendarsteller sowie einem Glossar. Letzteres übersetzt die wesentlichen Begriffe digitaler Kommunikation: heu/streuh steht für Marihuana, iwie für irgendwie, kasse machen für Leute überfallen, ssz für schreib schnell zurück, und ild heißt noch immer ich liebe dich.

Liebe ist eines der großen Themen dieses am 10. November 2010 einsetzenden Dramas. Das andere ist Geld. Manchmal auch Sex, wenngleich nur fast. In der Rahmenhandlung geht es stets darum, sich, gleich, bald oder dann zum Chillen zu treffen, vielleicht auch später, das müsse man sehen, sich auf jeden Fall noch mal schreiben, wie sie es nennen.

Nur auf einen ist Verlass

Marco, die zentrale Figur, scheint Jana und Anne zu lieben, was zu Nachfragen führt. Von beiden. Paul fragt immer nach Geld. Tom aber auch. Jedem ist mal iwann langweilig, und immer kommt etwas dazwischen. „Sorry Karo aber heute ging echt nicht meine;) n anderes mal okay.kuss“ schreibt Marco. Zuverlässig ist hier nur der Mobilfunkanbieter, der regelmäßig dazwischenfunkt: „Ihr Guthabenkonto wurde erfolgreich mit 15 Euro aufgeladen ...“ oder „Hinweis: Ihr Guthaben ist gering ...“. Je nachdem.

„Mir geht es um Kommunikation“, schreibt Lukas Adolphi auf seiner Website, auf der man dieses Buch bestellen kann. So gesehen hat er einen Schatz gehoben.

Lukas Adolphi liest aus „die cops ham mein handy“: 28. Juni, 20.30 Uhr, in den Cammerspielen, Kochstraße 132; Karten (5 Euro) unter der Telefonnummer 0341 3067606 und an der Abendkasse; lukasadolphi.co
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Von Janina Fleischer

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