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Kultur Regional Michael Maul wird zum 1. Juni Intendant von Leipzigs wichtigstem Musik-Festival
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00:36 20.05.2018
Michael Maul, designierter Intendant des Leipziger Bachfestes. Quelle: Kempner
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Leipzig

„Der Musikwissenschaftler Dr. Michael Maul ist vom Stiftungsrat des Bach-Archivs Leipzig zum Intendanten des Bachfestes Leipzig berufen worden. Maul tritt die Position am 1. Juni 2018 an, nachdem er bereits seit 2016 die künstlerische Planung der Leipziger Bachfeste als Dramaturg maßgeblich verantwortet.“

Diese Mitteilung kam gestern Nachmittag aus dem Bach-Archiv. Und das Erstaunlichste an ihr ist der Umstand, dass sie erst gestern kam. Denn dass Michael Maul genau der Richtige ist für diesen seit knapp einem Jahr vakanten Posten ist, das hätte man bei Bachs am Thomaskirchhof auch schon früher erkennen können. Schließlich ist der 1978 geborene Musik-Forscher, -Vermittler und -Entertainer seit 2002 am Hause beschäftigt. Überdies verantwortete er als Chefdramaturg bereits das programmatisch exzellente Bachfest des Jahres 2017, als unter dem Luther-Motto „ein schön new Lied“ nicht nur die Themenschwerpunkte Reformation und Bach, sondern auch Monteverdi, Rosenmüller und Mendelssohn geschmeidig ineinandergriffen.

Es hätte also nahegelegen, nach der Trennung vom glücklosen und kommunikativ nur begrenzt begabten Vorgänger-Intendanten Alexander Steinhilber im Sommer 2017 gleich auf Maul zurückzugreifen, der auch früh Interesse am und Bereitschaft für den Posten signalisierte. Und auch im Bach-Archiv selbst hatte man ihn von Anfang an auf dem Zettel. Dass es dann trotzdem fast ein Jahr dauerte, hat mit strukturellen Fragen zu tun.

Die beiden vorigen Bachfest-Intendanten waren nämlich im Grunde keine. Sie waren Geschäftsführer mit begrenzter künstlerischer Gestaltungsmacht (Dettloff Schwerdtfeger) oder begrenztem künstlerischem Gestaltungswillen (Steinhilber) und hießen nur Intendanten, weil der Titel ihren Posten aufwertete.

Maul dagegen hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm, obwohl er neben Musikwissenschaft und Journalistik auch Betriebswirtschaftslehre studierte, vor allem die inhaltliche Gestaltung von Leipzigs wichtigstem Klassik-Festival am Herzen lag und liegt. Damit er sich auf die konzentrieren kann, bekommt er künftig eine kaufmännische Geschäftsführung an die Seite gestellt. Diese Stelle ist noch immer vakant, soll aber „zeitnah besetzt werden“. „Ich freue mich“, ließ Maul gestern wissen, „auf die wunderbare Aufgabe, das größte Bach-Festival weltweit künftig noch stärker prägen zu dürfen. Ich bin vom einzigartigen Potenzial überzeugt, das Leipzig als Bach-Stadt hat. Leipzig durch überraschende Festival-Konzeptionen einmal jährlich ins ,Bayreuth Bachs’ zu verwandeln, betrachte ich als meine zentrale Aufgabe.“

Die hat er bereits fürs in knapp vier Wochen beginnende Bachfest 2018 glänzend erfüllt. Das von Maul konzipierte Festival kreist um die großen Zyklen des größten aller Thomaskantoren. Im Zentrum steht der spektakuläre „Kantaten-Ring“, der in zehn Konzerten an drei Tagen diesen überragend wichtigen Aspekt im Schaffen Johann Sebastian Bachs beleuchtet. Wie dankbar die weltweite Bach-Gemeinde solche auf den ersten Blick beinahe esoterischen Angebote annimmt, zeigt der Umstand, dass der von internationalen Bach-Granden wie John Eliot Gardiner, Ton Koopman oder Masaaki Suzuki dirigierte geistliche „Ring“ praktisch sofort nach Beginn des Vorverkaufs ausgebucht war. Und nicht wenige Kartenkäufer geben sich den kompletten Kantaten-Marathon.

In solchen Projekten, die sich als einzigartiges Event vermarkten lassen, aber dramaturgische Wahrhaftigkeit wahren, könnte die Zukunft des Leipziger Bachfestes liegen. Grundsätzlich in Frage steht es ohnehin nicht mehr, nachdem die Stadt im letzten Jahr verkündet hat, dass künftig neben dem jährlichen und besonders prominenten Bachfest im Wechsel Gewandhaus- (ab 2019) und Opern-Festtage (ab 2022) die Leipziger Festival-Landschaft bereichern sollen.

Auch für Peter Wollny, den Direktor des Leipziger Bach-Archivs, ist Michael Maul, dessen Vertrag zunächst für zwei Jahre gilt, die beste Wahl: „Die Schwerpunkte des Bachfestes werden stets aus der Forschung heraus gebildet. Daher freut es mich besonders, dass wir mit Michael Maul einen Intendanten gefunden haben, der sowohl in der Forschung als auch in der Praxis hervorragend vernetzt ist. Eine zentrale Rolle spielt für ihn als Wissenschaftler immer auch die Vermittlung des Künstlers und Menschen Bach für eine breite Öffentlichkeit.“

Nachzuprüfen beim Bachfest 2018. Es findet statt vom 8. bis 17. Juni und steht unter dem Motto „Zyklen“

www.bachfestleipzig.de

Von Peter Korfmacher

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