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Kultur Regional Mord und Totschlag im Osten - ZDF dreht „Erzgebirgekrimi“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Mord und Totschlag im Osten - ZDF dreht „Erzgebirgekrimi“
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11:52 09.11.2018
Die Darsteller Lara Mandoki und Stephan Luca. Quelle: dpa
Schwarzenberg

„Spreewaldkrimi“ im ZDF, „Usedom-Krimi“ in der ARD - nun kreiert das Zweite mit dem „Erzgebirgekrimi“ eine weitere Reihe um Mord und Totschlag aus der ostdeutschen Provinz. Die Programmdirektion habe festgestellt, dass bei der Vielzahl der Krimireihen viel zu wenige in den Ländern spielten, berichtet der verantwortliche ZDF-Redakteur Pit Rampelt. „Wir sind aufgefordert worden, etwas im Osten zu suchen.“ Das Erzgebirge habe da gepasst.

„Fundgrube an Geschichten“

Für die Senderverantwortlichen ist diese aus TV-Sicht unverbrauchte Region auch das Argument, warum sich der „Erzgebirgekrimi“ beim Fernsehkonsumenten durchsetzen wird. Das Erzgebirge sei vom fiktionalen Fernsehen noch nicht entdeckt worden, sagt Rampelt. „Es gibt hier eine Fundgrube an Geschichten.“

Die Konkurrenz ist groß. Das Internetportal wunschliste.de hatte bereits 2016 ein Überangebot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgemacht: Im Jahr 2015 zeigte die ARD demnach 48 unterschiedliche Krimiserien, das ZDF kam im gleichen Jahr sogar auf 70. Für den Mai 2016 zählte das Film- und Fernsehserien-Infoportal 442 Krimis in den Sendern ARD, ZDF und ZDFneo.

Reihe der Landschaftskrimis

Es gebe schon eine Krimiflut, gesteht Produzent Rainer Jahreis. „Um so wichtiger ist es, eine authentische Region zu finden mit Geschichten, die nur hier spielen können“, argumentiert er. Dieses Konzept unter dem Label „Crime and Nature“ hat sich laut Rampelt bereits beim „Spreewaldkrimi“ bewährt, den er ebenfalls verantwortet. „Der "Spreewaldkrimi" war der Vorreiter für den Landschaftskrimi“, erklärt der Redakteur.

Für Produzent Jahreis steht das Erzgebirge für Sagen, Sport und Bergbauhistorie und hat eine unentdeckte Vielschichtigkeit. Für ihn begründet dies die Verlegung von Krimis raus aus den Städten. „Es geht darum, wo kann ich was erzählen, was nicht beliebig und austauschbar ist“, betont er.

Auftakt mit „Der Tote im Stollen“

Die Montanregion Erzgebirge - gelegen an der Grenze von Deutschland zu Tschechien - bewirbt sich als Weltkulturerbe. Gefördert wurden früher vor allem Silber und Steinkohle, später Uran. Künftig stehen Zinn und das für die Batterietechnik wichtige Lithium im Fokus. Kein Wunder also, dass im Pilotfilm mit dem Titel „Der Tote im Stollen“ der Bergbau zentrales Thema ist. Man wolle dabei Vergangenheit und Gegenwart verweben, sagt Jahreis. „Es geht auch um die Renaissance von Bergbau mit dem Fund von Lithium.“

Im Auftaktfilm ermitteln Hauptkommissar Ralf Adam (gespielt von Stephan Luca) und seine Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki) als neues Team zum Tod eines Bergbau-Professors. Unterstützt werden sie dabei von Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) und ihrem Vater (Andreas Schmidt-Schaller) sowie der Rechtsmedizinerin Charlotte von Sellinn (Adina Vetter). Regie führt Ulrich Zrenner.

Drehorte Schwarzenberg und Freiberg

Das ZDF will den „Erzgebirgekrimi“ auf dem attraktiven Sendeplatz am Samstagabend etablieren. Die Produktion mit ihren rund zwei Dutzend Drehtagen lässt sich der Sender einiges kosten. Die üblichen Kosten für einen Samstagabendfilm von rund 1,5 Millionen Euro würden für den Pilotfilm überschritten. Jahreis und Rampelt machen dafür vor allem die Logistik verantwortlich. Noch bis Ende November wird der 90 Minuten lange Film in Schwarzenberg und Freiberg gedreht.

Noch kein Sendetermin

Einen Sendetermin gibt es bislang nicht. Derzeit plane man mit der Ausstrahlung nicht vor März 2019. Wahrscheinlicher sei jedoch der Herbst kommenden Jahres, sagt Rampelt. Klar sei aber, dass der Film an einem Samstag um 20.15 Uhr gezeigt werde.

Über eine Fortsetzung werde Anfang 2019 entschieden. „Ich sehe gute Chancen“, sagt Rampelt. Zwei weitere Bücher seien bereits in Auftrag gegeben. Darin gehe es um eine „Erbschaftsgeschichte“, verrät Jahreis, sowie um Bergbaukapellen.

Von Martin Kloth