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Kultur Regional Nachtbrotzeit mit Turbostaat im Conne Island
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00:33 14.05.2018
Jan Windmeier (links) und Marten Ebsen im Conne Island. Quelle: Torsten Pape
Leipzig

Urlauber tummeln sich am Hafen, Fischkutter schippern gemächlich vorbei, und über ihnen ziehen kreischende Möwen ihre Bahnen. Ausgerechnet hier, im beschaulichen Husum an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, schlägt am 7. Januar 1999 die Geburtsstunde für eine Punkband, die in den nächsten Jahren bundesweit von sich reden machen wird: Turbostaat. Geprobt und gespielt wird im Jugendzentrum Speicher. Der erste Song trägt den naheliegenden Titel „Blau an der Küste“ und erscheint ausgerechnet bei einem Label namens Schiffen. Später dann schließt die Band um Frontmann Jan Windmeier Freundschaft mit den Berliner Beatsteaks, bringt im regelmäßigen Abstand von drei Jahren ein neues Album auf den Markt und schafft es schließlich bis zu „Rock am Ring“ und „Rock im Park“.

Für drei aufeinanderfolgende Exklusivkonzerte sind die Nordlichter nun nach Leipzig mit einem wichtigen Vorhaben zurückgekehrt. Zum 20-jährigen Bandbestehen werden alle Shows im Conne Island aufgezeichnet und später als Best-of-Album auf Vinyl gepresst. Mitte Januar wird „Nachtbrot“, so der Name des Werks, dann in einer limitierten Sonderauflage mit einem Fotobuch erhältlich sein.

Zum Auftakt der Trilogie fanden sich am Donnerstag rund 800 Fans im Eiskeller ein. Kurz vor Zehn ist die Bühne in tiefes Rot gehüllt, und es dauert nicht lange, bis Turbostaat mit „Ruperts Gruen“ ein erstes krachendes Statement setzt. Derweilen fliegt der erste von einigen Bierbechern durch die Luft, und die Masse hüpft begeistert mit. „Im Rennen streckte sie die Hände aus“, trägt Windmeier in seiner unverwechselbaren Mixtur aus Gesang, Sprechgesang und Schreien vor, während das Publikum begeistert die Arme in die Höhe reißt und seine Textsicherheit durchgängig unter Beweis stellt. Im gleichnamigen Song des aktuellen Studioalbums „Abalonia“ heißt es kurz darauf: „Sie gingen denselben Weg, nur weiter, nur weiter.“ Wie wahr, wenn man zu diesem Zeitpunkt miterlebt, wie Band und Besucher miteinander agieren und Wellen der Energie auf die Bühne schwappen und zurück.

Zwischen Flehen, Mahnung und Anklage

Nach dem ersten Viertel des insgesamt vierteiligen Sets gesteht Gitarrist Roland Santos – sonst ganz Routinier – dann seine Nervosität vor Beginn der Show ein: „Wir hatten echt noch kurz überlegt, ob wir das Ganze hier abblasen, aber geht ja nicht …“ Gut so, denn die Anwesenden vor der Bühne haben längst noch nicht genug und bekommen ein Potpourri aus allen bisher veröffentlichten Longplayern der Band, darunter Stücke wie „Ufos im Moor“, „Sohnemann Heinz“ – hierzu genehmigt sich Santos dann auch einen Schnaps – oder auch „Monstermutter“.

Das Alleinstellungsmerkmal, das Turbostaat auszeichnet, kommt auch hier wieder deutlich zum Vorschein: düstere, melancholische Grundmelodien wechseln mit beinahe trotzig-stampfenden Partien, und Windmeier bewegt sich geschickt zwischen Flehen, Mahnung und Anklage.

Das im dritten Teil des Sets angestimmte „Alles bleibt konfus“ bewahrheitet sich im weiteren Verlauf des Konzerts. Entgeistert und in Anspielung auf das kommende Doppel-Livealbum fragt Windmeier seine Bandkollegen: „War das jetzt die C-Seite?“ Mit „Keine Ahnung“ bekommt er dann von seinem Kompagnon die passende Antwort und sorgt für Lacher im Saal. Absolute Perfektion hatte sicherlich auch niemand erwünscht oder erwartet. Und so enden die 90 Minuten mit einem glücklichen, zufriedenen und herzhaften „Wir haben es geschafft!“

Das Nachtbrot, das Turbostaat am Donnerstagabend ausgeteilt hat, hat gemundet und macht Appetit auf mehr.

Die beiden übrigen Konzerte am Freitag und Samstag sind bereits ausverkauft. Vorbestellung der Doppel-Live-LP „Nachtbrot“: turbostaat.de/shop.

Von Eike Schumann

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