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Kultur Regional Neuer Jugendthriller: Immer eine zündende Idee
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18:13 12.02.2019
Schriftsteller Arno Strobel (56). Quelle: Jens Kalaene/dpa
Leipzig

Arno Strobel macht in seinem neuen Agenten-Thriller den Titel zum Programm. „SPY – Highspeed London“ heißt der neue Roman des Autors, der bislang vor allem Psychothriller für Erwachsene geschrieben hat. Kurz und prägnant sind die Sätze, mit denen Strobel eine Dynamik erzeugt, die die Geschichte lebendig macht. So entsteht ein Erzählfluss, der mitreißt und in ein Agentenabenteuer hineinzieht, in dem viele unvorhergesehene Wendungen warten.

Mit einem inszenierten Taschendiebstahl fällt die Geschichte sozusagen mit der Tür ins Haus. Er führt den Protagonisten Dominik (Nick) Nader ins geheime Versteck von Herrn Schmitt. Der möchte Nick für die Agenten-Schule rekrutieren, in die schon sein Vater ging. Auf diesem Weg erfährt Nick, dass sein Vater keineswegs Diplomat war, wie er es bisher geglaubt hat, sondern ein Agent des BND. Und dass der Kontakt zu ihm abgebrochen ist.

Offene Fragen

Nach anfänglichem Zögern entschließt er sic, die Agenten-Schule zu besuchen – und damit seinem alten Leben den Rücken zu kehren. Doch erst drei Jahre später findet er endlich einen Hinweis auf den Verbleib seines Vaters und macht sich auf den Weg nach London.

Leider werden diese drei Jahre Schulzeit im Roman ausgelassen. Dabei sollten sie ihn geprägt und verändert haben und wichtig für seine Charakterentwicklung gewesen sein. Auch wird immer wieder auf Nicks Schulzeit verwiesen, wenn er bei seinen Ermittlungen Lehrer zitiert, um sich ins Gedächtnis zu rufen, was er gelernt hat.

Für Nick mag die Zeit also wichtig gewesen sein – für den Leser aber verbinden sich damit keine Emotionen. Zudem fehlt der Figur zunächst die Tiefe, was auch daran liegt, dass sie kaum vorgestellt wird. Das lässt Nick zu Beginn stumpf wirken und unsympathisch. Allerdings erfährt der Leser im Verlauf des Buches dann doch mehr über ihn.

Arno Strobel: SPY - Highspeed London. Band 1. Loewe Verlag; 304 Seiten, 9,95 Euro (ab 12 Jahren) Quelle: Verlag

In London angekommen findet Nick nach intensiven Ermittlungen und mit der Hilfe des besten Freundes seines Vaters sowie einer Schulkameradin heraus, wo sein Vater gefangengehalten wird. Er ist perfekt, macht keine Fehler. Und er hat die beste Agentenfähigkeit: Durch einen erhöhten Adrenalin-Ausstoß bewegt er sich in Gefahrensituationen so schnell, dass sich für ihn die Welt in Zeitlupe zu bewegen scheint. Dies rettet ihn aus jeder gefährlichen Lage.

Außerdem ist Nick ein Meister darin, sich aus Situationen herauszureden. Er hat im richtigen Moment immer eine zündende Idee, die ihn rettet, und spielt seine Rolle perfekt. Durch diese Idealisierung geht ein großes Stück Spannung verloren: Der Leser weiß, dass Nick nicht scheitern wird.

Atemberaubendes Finale

Allerdings läuft dann doch nicht alles nach Plan: Nicks engster Vertrauter verrät ihn und es wird klar, wer alles Bisherige eingefädelt hat, um ihn auszuschalten. Verzweifelt versucht Nick nun, einen Diebstahl zu verhindern, der über das Schicksal der Menschheit entscheiden kann.

Hinter den von den Charakteren forcierten Ereignissen gelingen Strobel glaubwürdige Einblicke in Nicks Psyche, die Angst davor, seinen Vater tot aufzufinden, wie auch ungläubige Wut und Verzweiflung über den Verrat. So wird „SPY“ nach anfänglichen Schwächen ein schlüssiges und spannendes Buch. Bis zum atemberaubenden Finale – der definitiv beste Teil des Buches, auf den es sich zu freuen lohnt.

Arno Strobel: SPY - Highspeed London. Band 1. Loewe Verlag; 304 Seiten, 9,95 Euro (ab 12 Jahren)

Von Niklas Guschel

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