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Kultur Regional Operation in der Herzkammer: Matthias Winklers Pläne mit dem Haus Auensee
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06:00 06.01.2018
Neuer Fußboden, neue Tribünen, neuer Anstrich: Matthias Winkler im Saal, von der Bühne aus fotografiert. Quelle: Mark Daniel
Leipzig

Der alte Glanz ist immer noch spür- und sichtbar. Matthias Winkler weist auf das Oval am Ende der Empore, umkränzt von weißem Stuck. „Hier kann man jetzt bis auf die Bühne durchsehen, auch das gehörte zu den Arbeiten im Saal“, erklärt der Eigentümer vom Haus Auensee und Chef der Konzertagentur Mawi. Seit dem Kauf des historischen Bauwerks 2009 hat der Veranstalter Summen in Sanierung und Ausbau gesteckt, für die er locker einen topmodernen Neubau mit allem Schnick und Schnack hätte realisieren können. Darum aber ging es dem 52-Jährigen nicht. „Dieses Haus hat eine lange, spannende Geschichte und setzt als Liveclub in dieser Kapazität europaweit Maßstäbe“, schwärmt Winkler.

1914 errichtet, gehörte der Bau zum riesigen Komplex des Luna Parks – ein Vergnügungsareal, das den See umschloss, das Restaurants bot, Strandbad, Hippodrom und Gebirgsbahn samt Gondelstation. Hier wurden 1924 das Bundesschwimmfest und Regatten ausgetragen, ebenso Serenaden. Ein Brand, Rückbau, Bomben im Zweiten Weltkrieg und Vernachlässigung des Geländes veränderten dessen Struktur, geblieben sind Mini-Eisenbahn und das prächtige Haus.

Ganz ohne Fördergeld

Der gebürtige Hallenser Winkler hat dort schon in den ersten Nachwende-Jahren Konzerte veranstaltet, bis 1998 wurde das Gebäude vor allem als Diskothek betrieben – deren Betreiber jedoch ’99 pleite ging. Winkler einigte sich mit dem Konkursverwalter auf eine Nutzung und unterschrieb Anfang der 2000er einen Pachtvertrag. 2009 folgte der Kauf der Immobilie und des angrenzenden Areals, drei Jahre später der erste mächtige von bislang zwei Sanierungsschritten. „Über vier Millionen Euro sind unter anderem in die Erweiterung der Kapazität geflossen“, so der Eigentümer, „in den Bau einer zusätzlichen Galerie, in Brandmelder, neue Toiletten und Garderobe“, beschreibt er. Die Pfähle, auf denen der neue Rang und die Tribünen stehen, reichen 15 Meter tief in die feuchte Erde des Auenwaldes. Ein enormer finanzieller Kraftakt, immer vollzogen in den Pausen des laufendes Betriebs. „Ein herausragendes privates, kulturell und wirtschaftliches Engagement“, findet er, „alles ohne einen Cent Fördergelder“.

Durch die Maßnahmen bietet der Saal mit seinem imposanten Stuckbogen über der Bühne Platz für maximal 3600 stehende Besucher oder 1500 sitzende. Maßstäbe, die neuen und flexiblen Spielraum bieten und die Location nicht nur in Leipzig einzigartig machen. „Damit kommen Künstler in die Stadt, für die es bisher nicht die passende Kapazität gab.“

Im gerade geendeten Jahr investierte die Betreibergesellschaft noch einmal 600 000 Euro in neuen Fußboden, Heizung, Bühne, Fensterfront und den wiedereröffneten Biergarten. Aufwendungen, bei denen einen schon mal Zweifel anfliegen können, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. „Keinesfalls“, widerspricht der Konzertmacher, „das hier ist ein Liebhaber-Objekt – und für das Unternehmen die Herzkammer.“ Dem Statement folgt Ende 2018 ein weiterer Schritt: Das Mawi-Büro wird aus dem Leipziger Süden seinen Sitz an den Auensee verlegen, in einen neu zu gestaltenden Anbau hinter dem Saal, umgeben von Wasser und Grün. So kommt der Mann, der einst ein Studium der Landwirtschaft begann und Anfang der 90er seine Agentur gründete, ein Stück weit zurück zur Natur.

Enormes Wachstum für Live-Entertainment

In seinen bald 28 Jahren als Unternehmer hat sich das Musikgeschäft drastisch verändert. Spielten einst die Plattenverkäufe das Geld für Künstler ein, sind es nach dem Einzug der Musikpiraterie die Tourneen. „Der Markt ist spannender geworden, Live-Entertainment verzeichnet ein enormes Wachstum“, registriert Winkler. Das spielt ihm in die Karten, auch wenn sich in Leipzig mehr Konzertveranstalter ansiedelten. „Die Felder sind weitestgehend abgesteckt, und wir haben einen guten Stand.“

Neben dem Haus Auensee betreibt Winkler als Pächter die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Parkbühne im Clara-Zetkin-Park sowie das Händel-Haus und die Peißnitzinsel in Halle. Hier spielt im Juli Ikone Joan Baez, das Konzert ist ausverkauft. Eine von vielen Legenden, die der rockaffine Winkler nach Leipzig und Halle geholt hat. Unter anderem Depeche Mode, The Pogues, Rammstein, Motörhead – und aus persönlicher Sicht die Show von Paul McCartney im Zentralstadion.

Das Line-up allein für die nächsten Wochen ist auch nicht ganz unaufregend. Im Haus Auensee werden unter anderem Accept (16. Januar), Kettcar (1. Februar), der ausverkaufte Wincent Weiss (23. Februar), Toto (25. Februar) und Erasure (3. März) unter dem Stuckbogen stehen. Und ziemlich sicher die besondere Atmosphäre mit dem alten Glanz spüren.

Von Mark Daniel

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