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Kultur Regional Peter Maffay spielt „MTV-Unplugged“-Auftritt vor textsicherem Leipziger Publikum
Nachrichten Kultur Kultur Regional Peter Maffay spielt „MTV-Unplugged“-Auftritt vor textsicherem Leipziger Publikum
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16:34 11.03.2018
Ungewohnte Position: Zu seiner Akustik-Tour in der Arena Leipzig sitzt Peter Maffay die meiste Zeit.  Quelle: André Kempner
Leipzig

 Irgendwann machen es wohl alle großen Musiker: Nachdem Marius Müller-Westernhagen im vergangenem Jahr seine bekanntesten Lieder im Akustik-Gewand präsentierte, ist nun auch Peter Maffay auf seine „Unplugged“-Tour gegangen – nach 18 Nummer-Eins-Alben und 50 Millionen verkauften Tonträgern. In den Jahren zuvor waren schon die Kollegen Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Max Herre, die Scorpions oder Die Ärzte an der Reihe gewesen.

Statt auf Verstärker setzt Maffay auf Streicher und Blechbläser

Das Konzert beginnt mit einem Comic-Clip. Der Altrocker flimmert als schwarz-weiße Zeichenfigur über die fünf riesigen Videoleinwände, versucht den Tour-Bus zu starten – vergeblich. Dem Comic-Maffay reicht’s. „Wir müssen in die nächste Stadt!“, ruft er, steigt aufs Motorrad und braust los. Seine Band schaut ihm verdutzt hinterher. „So, Freunde, gleich geschafft“, sagt die Figur, als am Horizont das Leipziger Ortsschild auftaucht.

7500 Fans füllen am Dienstagabend die komplett bestuhlte Arena Leipzig als der Mann in Lederkluft, scheinbar aus dem Video kommend, die Bühne betritt. Anders als sonst nimmt er im vorderen Bühnenbereich auf einem Hocker Platz und die Akustik-Gitarre in die Hand. Denn viele seiner Songs wurden für die MTV-Unplugged-Tour von ihm und seiner Band neu interpretiert. Statt auf Verstärker setzt der Sänger mit der Raspelstimme auf Streicher und Blechbläser, Percussion und Flügel.

Nach den ersten beiden Liedern, „Bring mich nach Haus“ und „Gelobtes Land“, murmelt Maffay ins Mikrofon: „Schön, wieder hier zu sein.“ Dabei schaut er halb melancholisch, halb verschmitzt ins Publikum. Der 68-Jährige zeigt mit seinen Zwischenansagen, dass auch er die Welt, in der Beziehungen immer öfter scheitern, weiter unschuldige Menschen durch Kriege sterben und das einst für ewig gehaltene Eis unaufhaltsam schmilzt, oft nicht versteht. Er hat allerdings gelernt, damit umzugehen und weiß auch, welche schönen Seiten das Leben haben kann.

Die fehlende elektronische Kraft wird mit purer Masse ersetzt

Zu „Eiszeit“, jenem Lied, das Anfang der 80er-Jahre, im Kalten Krieg also, entstanden ist, laufen auf den Leinwänden immer wieder Einspieler: Aufnahmen leidender Kinder folgt Kritik an US-Präsident Trump: Nach der Zeitungs-Schlagzeile „America first“ sind weite Felder mit Soldatengräbern und eine am Boden liegende Büste der Freiheitsstatue zu sehen. Nach dem Lied wird Maffay ernst: „Wir wollten es eigentlich wegpacken“, sagt er, aber Machthaber wie in den USA, in Russland, Nordkorea und Syrien ließen es nicht zu. „Wir können diesen Leuten nur gemeinsam zeigen, dass wir das nicht brauchen.“ Breite Zustimmung des Publikums – Applaus füllt die Halle.

Rund 7500 Fans zog es am Dienstag zum Konzert des Rock- und Popsängers Peter Maffay in die ausverkaufte Arena in Leipzig. Die Zuschauer waren mehr als begeistert.Fotos: André Kempner

„Wir haben immer versucht, die Dinge, die uns beschäftigen – die schönen und nicht schönen – in Lieder zu packen. Jetzt wird es wieder schöner“, kündigt Maffay an und stellt Teile seiner Band vor. Es sind Schlagzeuger Bertram Engel, Gitarrist Carl Carlton und Keyboarder Pascal Kravetz, schon lange Wegbegleiter Maffays, die auch in dem opulenten Akustik-Ensemble ihren Platz gefunden haben. „Die Band hat ja über all die Jahre immer nur Zu- und keine Abgänge gehabt“, scherzt der Deutschrocker. Die fehlende elektronische Kraft wird so mit purer Masse ersetzt: 17 Männer und Frauen bringen die Hits zur Geltung.

Nach einer Reihe von Andeutungen warten alle auf „Du“. Das Lied mit dem Peter Maffay in der ZDF-Hitparade bekannt wurde. Doch: „Das spielen wir nicht“, sagt er. „Wir spielen eins, das so ähnlich heißt.“ Der Gag wird verstanden. Das Publikum tanzt, schunkelt und singt „So bist du“ textsicher mit, in der Vorahnung, dass der Schlager-Hit von 1970 folgt. Nachdem es schon zu Beginn die vordersten Reihen nicht mehr auf den Sitzen gehalten hat, steht jetzt der komplette Innenraum. Auch Maffay hält es nicht die gesamten 150 Minuten auf seinem Stuhl. Immer wieder steht er auf, geht näher an den Rand der Bühne.

Maffay und Oerding tauchen mitten im Publikum auf

In Ankündigung einer seiner größten Erfolge wird Maffay noch einmal ernst: „Wir haben uns das Lied zu einer Zeit ausgeliehen, als es noch zwei deutsche Staaten gab – gar nicht lange her. Als Leute gegen ein Hindernis angerannt sind, im Glauben, es irgendwann überwinden zu können.“ Die Band und Maffay nehmen sich zurück, lassen ihr Publikum den Karat-Hit über weite Strecken singen.

Wie bei vielen Titeln zuvor, wird Maffay bei „Über sieben Brücken musst du gehn“ durch seinen Ehren-Gast Johannes Oerding unterstützt. „Wir haben Luftsprünge gemacht, als wir erfahren haben, dass uns Johannes über die ganze Tour hinweg begleitet“, sagt Maffay. Auch DSDS-Teilnehmerin Linda Teodosiu und US-Rocker Tony Carey kommen zu Gast-Auftritten.

Als das Konzert schon fast beendet ist, taucht Maffay mitten im Publikum auf, singt zusammen mit Oerding „Leuchtschrift“. Überraschend schnell ist er dann im Sprint durch die Reihen zurück auf der Bühne. Vor einer zwischenzeitlich aufgebauten Verstärkerwand, lasst es sich Maffay nicht nehmen, zwei Songs voll elektronisch zu spielen. Er will eben auch auf seine alten Tage Rocker bleiben.

Von Mathias Schönknecht

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