Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Pur trifft auf 7000 Freunde in Leipzig
Nachrichten Kultur Kultur Regional Pur trifft auf 7000 Freunde in Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:51 05.12.2018
Pur feiern in einer nahezu gefüllten Arena mit ihren Fans in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Mitten in der Arena steht eine runde Bühne, 7000 Besucher warten auf die Band. Die ersten Fans jubeln, als am Dienstagabend die Bandmitglieder von Pur an ihnen vorbei unter die Bühne gehen. Die Stimme des Leadsängers Harmut Engler ertönt durch die riesigen Lautsprecher über der publikumsnahen Bühne: „Grüße aus der Garderobe. In wenigen Minuten sehen wir euch. Habt Spaß.“ Nach und nach kommen die Musiker auf das Podest und singen dabei den Song „Freunde“, bei vollständig eingeschaltetem Hallenlicht.

Auf einer riesigen Leinwand hat jeder einzelne Zuschauer einen perfekten Blick auf das Geschehen. Es scheint, als ob die Pur-Männer am liebsten jeden Besucher einzeln begrüßen wollten. Nach 30 Jahren in der Musikbranche und etlichen Konzerten spricht die Band nicht mehr von Fans, sondern von Freunden. Freundschaft ist ein wichtiges Wort im Pur-Universum, was sich in ihren Songs und Aussagen widerspiegelt. Ein Überraschungsgast darf dabei nicht fehlen: Tobias Künzel von den Prinzen tritt gegen Ende als Gastsänger auf.

Die Fans waren begeistert vom Konzert. Das sind die Bilder.

Pur-Klassiker wie „Abenteuerland”, „Ich lieb’ dich (egal wie das klingt)” und ein Medley aus „Mein Freund Rüdi“, „Wenn du da bist“, „Herzbeben“ und anderen Titeln zaubern den Besuchern ein großes Lächeln ins Gesicht. Nach so vielen Jahren im Musikgeschäft wissen die Musiker, was dafür nötig ist. Mit viel Energie und Lebensfreude stehen sie auf der Bühne, der Spaß am Auftritt ist ihnen das ganze Konzert über anzusehen. Gleichzeitig legen die Fans eine beachtliche Textsicherheit an den Tag und singen unzählige Passagen allein. Dabei erreichen sie eine ähnliche Lautstärke wie Engler mit Mikro.

Neben den Klassikern präsentiert Pur Songs aus ihrem neuen Album „Zwischen den Welten“. Mit dem Titellied thematisieren die Musiker den Kontrast zwischen ihrem heimischen Sofa und der Bühne, auf der sie abends stehen. „Jeder Mensch lebt in verschiedenen Welten. Doch letztlich sind wir alle in einer Welt zuhause, die wir uns teilen“, sagt Engler. Zu den mehr als 30 Liedern bewegt er sich in Jeans, T-Shirt und offenem Jeans-Hemd. Mit seinen 57 Jahren scheint er vor Energie nur so zu strotzen.

Das Lied „Freund und Bruder“ widmet die Band dem Keyboarder Ingo Reidl, der vor zweieinhalb Jahren schwer an Krebs erkrankt ist. Nicht nur die Bandmitglieder sind sichtlich gerührt. Sie schauen optimistisch in die Zukunft, hoffen darauf, den Band-Kollegen im nächsten Jahr bei der Open-Air-Tour wieder auf der Bühne zu sehen. Er habe am neuen Album schon mitkomponiert. Ein „Genesungsapplaus“ des Publikums darf nicht fehlen: „Dieses Geräusch ist es, was uns schon immer am meisten fasziniert“, sagt Engler.

Beim Song „Wenn sie diesen Tango hört“ wird es ein weiteres Mal emotional. „Das war immer der Lieblingssong meiner Mutter“, erzählt Engler und hat dabei Tränen in den Augen. Im Chor beenden die Fans den Tango.

Wirre Phasen, Unsicherheit, auf der Suche nach einem Ausgleich: Diese Gedanken thematisieren die Musiker im Song „Affen im Kopf“. Dabei handelt es sich um ein Lied vom neuen Album. Zum Ende der Darbietung erscheinen passend dazu als Gorilla kostümierte Tänzer, die den Frontsänger umzingeln und im wahrsten Sinne des Wortes „kirre machen“, wie es im Song heißt.

Bewährte Lieder wie „Wo sind all die Indianer hin?“, „Ein graues Haar“, „Funkelperlenaugen“, „Lena“ und „Hab mich wieder mal an dir betrunken“ als eine der Zugaben gehören nach wie vor zum Programm. Die Titel „Bis der Wind sich dreht” und „Neue Brücken” spielen die Musiker, während auf die Leinwand unter anderem Bilder von Italiens Innenminister Matteo Salvini, Frauke Petry und Björn Höcke projiziert werden. Beim bereits vor 30 Jahren veröffentlichten „Bis der Wind sich dreht“ kommt Hartmut Engler im Gestapo-Mantel und mit schwarzer Schirmmütze auf die Bühne. „Das sind Lieder, die wir vor ewigen Jahren komponiert haben. Wir haben immer gehofft, dass wir sie irgendwann nicht mehr spielen müssen. Aber gegen den zunehmenden Rechtsruck müssen wir uns stellen. Und wir sind viele”, positioniert sich Sänger Hartmut Engler, während das Publikum mit zustimmenden Gesten laut applaudiert.

Schon lange beziehen sie Position gegen Fremdenhass und werden dabei bleiben. Pur – das ist nicht nur Herzschmerz, sondern Haltung.

Von Maria Sandig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig feiert am kommenden Wochenende seinen 160. Geburtstag mit freiem Eintritt und mehreren Veranstaltungen. Präsentiert wird eine neue Ausstellung mit Meisterzeichnungen aus sieben Jahrhunderten.

07.12.2018

Paranoia, Isolation und ein Mord in Gedanken: Die Musik-Journalistin Visa Via hat am Montagabend mit einer Hörbuch-Lesung das Täubchenthal besucht.

04.12.2018

Die 24-jährige Katharina Emendörfer stammt aus MV und hat in Mainz Zahnmedizin studiert. Jetzt besucht sie das Bimm Musikinstitut für Popmusik in London und hat mit Jonas Frielinghaus als Duo Zazoo die Single „Spinnin’ Round (Wap Bap)“ bei Youtube auf dem Markt.

05.12.2018