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Kultur Regional Rap-Krimi von Visa Vie im Täubchenthal
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14:03 04.12.2018
Rap-Expertin: Visa Vie alias Charlotte Melahn, 31, im Täubchenthal. Quelle: André Kempner
Leipzig

Clara hat einen Plan: Sie will sich beim größten Hip-Hop-Magazin Deutschlands als Moderatorin einschleusen, um den erfolgreichsten Rapper des Landes vors Mikrofon zu bekommen. „Das wird mein allerletztes Interview. Anschließend bring ich ihn um.“ Worte, die aus der Feder von Charlotte Melahn, bekannt als Visa Vie, stammen. Am Montagabend saß die zierliche Berlinerin im Täubchenthal vor gut 60 Zuschauern – und wandte ihnen den Rücken zu.

Bedächtig trägt sie die ersten drei Minuten ihres Hörbuchs „Das allerletzte Interview“ vor. Dass darin nicht alles so fiktiv ist, wie die frischgebackene Autorin behauptet, zeigt sich bereits durch die große Gemeinsamkeit zwischen Clara und Charlotte: Beide sind Musik-Journalistinnen, die die bekanntesten, teils auch aggressivsten deutschen Rapper interviewen.

Sie sei „ab und zu von Lampenfieber geplagt“, erklärt die 31-Jährige, nachdem sie sich schließlich umgedreht und die Gäste begrüßt hat. Bei der Releaseparty des Hörbuchs habe sie nur mit dem Rücken zur Zuhörerschaft vorlesen können. Auf ihrer ersten Lese-Tour, deren vierte Station nun Leipzig war, habe sie deshalb beschlossen, genauso einzusteigen.

Schafi, das Kuscheltier

Für gewöhnlich liegt der Reiz einer Lesung darin, dem Autor beim Vortrag seiner Zeilen lauschen zu können. Exklusiv für Spotify produziert, ist „Das allerletzte Interview“ jedoch nur auf diese Weise erfahrbar: von seiner Autorin vorgelesen. Im Verlauf des knapp dreistündigen Termins werden deshalb nur vier Abschnitte vorgetragen. Die übrige Zeit füllt „Lotti“ mit Anekdoten zu den Hintergründen ihres ersten literarischen Werkes.

Die handeln von Schreibreisen nach Mexiko und Barcelona. Vom Kuscheltier Schafi, das stets dabei sein muss. Vom ersten Textentwurf, den sie heute „ganz furchtbar“ findet. Von der zaghaften Wahl der subjektiven Erzählperspektive („Ich hatte richtig Paranoia, dass die Leute denken, das wäre alles so passiert“, verriet sie auch im LVZ-Interview.) Von drei Monaten Isolation in einer spärlich eingerichteten Berliner Wohnung, in der sie sich zum Schreiben der zweiten Staffel gezwungen habe. Von der Schreibmaschine, die an diesem Abend auf der Bühne steht und ihrer Oma gehörte, die Kriegsreporterin in Vietnam war.

Eine Rapperin namens „Mother Rati“

Das alles trägt sie so natürlich und leichtherzig vor, dass zu keiner Zeit Zweifel an ihrer Authentizität aufkommen. Eine dialogische Lesung mit Hip-Hip-Moderatorin Helen Farens und zwei Spiele lockern das Programm auf. Beim ersten sollen Deutsch-Rap-Zeilen erkannt werden, die die Autorin in der ersten Staffel versteckt hat. Beim zweiten wird über Rapper-Namen abgestimmt, die sich die Gäste zuvor ausdenken durften. Der Gewinner – „Mother Rati“, in Anlehnung an den italienischen Autobauer – wird in einer möglichen dritten Staffel von „Das allerletzte Interview“ verewigt.

In der Fragerunde, die diesen abwechslungsreichen und, dank kleiner Runde, geselligen Abend beschließt, lassen zwei Fakten aufhorchen: Zum einen gebe es Interessenten für einer Verfilmung von „Das allerletzte Interview“. Zum anderen deutet sich an, dass Visa Vies erstes gedrucktes Buch Ende 2019 erscheinen könnte. Ihre aktuelle Lese-Tour dürfte also nicht ihre letzte bleiben.

Von Christian Neffe

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