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Kultur Regional Requiem und Neuanfänge: Am Wochenende ist Spinnerei-Rundgang
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00:31 18.04.2018
Freuen sich über größere Räume in Halle 10 und bekennen sich zu Leipzig: Arne Linde (r.) und Carolin Nitsche von der Galerie ASPN Quelle: Jürgen Kleindienst
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Leipzig

Im kommenden Jahr stehen 30 Jahre Friedliche Revolution an – in Halle 14 wird schon jetzt zum künstlerischen „Gedenken“ geladen – aufwühlend, tiefgreifend, witzig. Zum Frühjahrsrundgang, der am 14. und 15. April in der Leipziger Spinnerei stattfindet, eröffnet die Ausstellung „Requiem for a Failed State“. Und dieser „Failed State“ ist die DDR – beziehungsweise das, was von ihr geblieben ist. „Wir haben für diese Ausstellung mal jene gefragt, die bei diesem Thema normalerweise nicht eingeladen werden: junge Künstler, oder solche, die aus Ländern kommen, die auf den ersten Blick nichts mit der DDR zu tun haben“, sagt Michael Arzt, Künstlerischer Direktor der Halle 14. Vieles, deutet er an, sei noch nicht verarbeitet, werde zwischen den Generationen beschwiegen, wirke ins Heute, bestimme unser Handeln, teils unbewusst.

Susan Donaths Arbeit „Urne (work in progress)“ steht exemplarisch für dieses Nicht-Vergangene des Vergangenen. Die Dresdnerin wollte in einer Performance die Stasi-Akten ihrer Familie verbrennen und deren Überreste auf dem Familiengrundstück beisetzen. Doch wegen Problemen mit dem Persönlichkeitsschutzgesetz konnte sie die Aktion nicht durchführen. So harren die Überreste dieses finsteren Teils der DDR-Geschichte nun hier, in einer handelsüblichen Urne. Zu sehen sind insgesamt elf künstlerische Positionen aus dem ehemaligen Osten und Westen, aus Kuba, Kanada und Japan.

Verstummelte Geschichten

Die Berliner Wilhelm Klotzek (37) und David Polzin (35), die gemeinsam als „KLOZIN“ firmieren, haben Wende-Szenen mit Männchen aus Zigarettenstummeln ironisch nachgestellt – etwa den Mauerfall, einen Runden Tisch oder eine Kneipe, in der jemand sein Begrüßungsgeld versäuft. Das sei auch eine Form der Selbstaneignung von Geschichte, sagt Polzin. Die Künstler nehmen sich des schweren Themas mit Humor an – nicht der schlechteste Weg. Ihre verstummelten Geschichten finden in Vitrinen statt, die auf einem blauen Teppich platziert werden. Die Betrachter sollen sich dazulegen, einlassen.

Es gibt weitere Gruppenausstellungen bei diesem Rundgang, für den es – anders als bei den vergangenen Ausgaben – keine Preview gibt. Eine ist ebenfalls in Halle 14, wo sich im Untergeschoss erstmals die Burg Giebichenstein präsentiert. Die Schau „Right Here, Right Now“ (Eröffnung 13. April, 18 Uhr) zeigt Arbeiten von acht Absolventen und solle den Auftakt einer Reihe darstellen, so Stefan Hurtig von der Kunsthochschule in Halle. „Einerseits wollen wir die Bandbreite der Medien und Positionen zeigen, andererseits geht es darum, dass wir unsere Absolventen nicht ins Nichts entlassen wollen.“ In der Werkschauhalle 12 ist wieder eine kleine Kunstmesse zu sehen. Unter dem Titel „Invited“ präsentieren sich 14 Galerien aus Deutschland und dem Rest der Welt, etwa Taipeh, Budapest oder Paris.

In sämtlichen Galerien werden wie üblich neue Ausstellungen eröffnet mit viel Malerei – wie Falk Gernegroß bei Kleindienst oder Erik Schmidt bei Jochen Hempel, stark ist diesmal die Installation vertreten – zum Beispiel mit Kai Schiemenz bei Eigen + Art oder Stefan Vogel im Laden für Nichts. Eine weitere Gruppenschau muss mit sehr wenig Platz auskommen: Gleich vorne, wo zuvor die Galerie ASPN untergebracht war, residiert jetzt Tobias Naehring, bis dato in der Lützner Straße. Er zeigt „Innenleben“ mit elf Künstlern.

„TRUTH“ und „TRASH“

Womit wir bei ASPN wären, die zum Rundgang in Halle 10 mit einer „Finissage“ eröffnet – so ist die Kollaboration des Künstlerduos Famed (Leipzig) und Michael Riedel überschrieben. Riedel ist seit einem Jahr Professor an der Leipziger HGB. Von ihm ist jene Währung zu sehen, die er für die Ausstellung „Geldmacher“ im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt entworfen hat. Geld, das man kaufen kann, ein Projekt, das ein ganzes Bündel an Assoziationen weckt. Famed zeigt unter anderem eine Installation, bei der vor der Tür vertikal die übereinander gelegten Schriftzüge „TRUTH“ und „TRASH“ aufleuchten. Ebenfalls ein vieldeutiges Zeitzeichen.

Mit der Finissage von „Finissage“ sollen am 26. Mai die neuen Ausstellungsräume der seit 2005 auf der Spinnerei ansässigen Galerie fertig sein. Das sind sie nämlich noch nicht. Am Donnerstag wurde die Treppe eingebaut, war der Estrich zum Teil noch feucht. Hier, wo zuvor eine Restauratorenwerkstatt untergebracht war, sollen ein größerer und ein kleinerer Raum entstehen. Die Fläche hat sich mit nunmehr knapp 200 Quadratmetern fast verdoppelt. ASPN, so Galeristin Arne Linde, eröffne keine Dependance außerhalb, sondern bleibe und erweitere sich. „Das ist auch ein Votum für den Standort Leipzig“, sagt sie.

Rundgang in der Leipziger Spinnerei (Spinnereistraße 7): Sa (14.4.) 11–20, So (15.4.) 11–18 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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