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Kultur Regional Sehr besondere „Besondere Lernleistung“
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20:20 09.01.2018
Trompeter, Komponist und Abiturient: Johannes Hartmuth (17).  Quelle: Friedrich Mann
Leipzig

 Richard Strauss war 18, als er 1882 sein erstes Hornkonzert schrieb. Nach Spätromantik klingt es nicht, doch zeigt es den jungen Tonsetzer, der durchaus kein Wunderkind war, als Tiger auf dem Sprung: Wenig später sollte er, zunächst mit Sinfonischen Dichtungen, dann mit „Salome“ und „Elektra“, in der Musik keinen Stein auf dem anderen lassen. Und obschon man Musik nie von hinten hören sollte, aus der Zukunft also: Sie rumort schon in diesen drei Sätzen, die auch spieltechnisch den Solisten erheblich fordern.

Johannes Hartmuth war 17, als er sein erstes Trompetenkonzert schrieb. Und ist es noch. Nach Postmoderne klingt es nicht, auch nicht nach Moderne ohne Post – eher nach 1818 als nach 2018. Und da man diese noch druckfrische Musik noch gar nicht von hinten hören kann, ist auch noch nicht abzusehen, wie viel Zukunft in ihr stecken mag. Sicher jedoch ist auch hier: Hartmuths Erfindungsreichtum ist bemerkenswert, seine instrumentale Fantasie zeigt den Virtuosen, das formale und architektonische Fundament sich tragfähig. Und bei Feinjustage und Instrumentation griff ihm Jonas Wilfert, 1991 geboren bei Leipzig, heute als Kirchenmusiker in Berlin tätig, sensibel unter die Arme.

Beide gemeinsam bringen am Samstag Hartmuths As-Dur-Konzert in der Propsteikirche zur Uraufführung, Hartmuth selbst übernimmt den ziemlich anspruchsvollen Trompeten-Part, Wilfert steht als Dirigent am Pult des Jungen Ensembles Leipzig, das sich aus Schülern und Studenten aus Leipzig und Umgebung zusammensetzt.

Damit die musikhistorische Einordnung des neuen Werkes leichter fällt, stellt Wilfert diesem Erstling den des großen Richard Strauss gegenüber. Solist in dessen Es-Dur-Hornkonzert ist Elliott Seimann, in den USA geborener und international bereits viel herumgekommener Student der Leipziger Hochschule für Musik und Theater.

Dort studiert auch Christian Groß, geboren 1995, Orgel bei Martin Schmeding, der heute Abend in der HMT als Professor des Jahres ausgezeichnet wird. Seine dabei gewonnenen Fertigkeiten stellt Groß regelmäßig als Assistent von Kantor Stephan Rommelspacher in der Propsteikirche unter Beweis. Im Konzert des Jungen Ensembles Leipzig sitzt er nun als dritter Solist auf der Empore und spielt Josef Gabriel Rheinbergers (1839–1901) selten zu hörendes zweites Orgelkonzert op. 177.

Rheinberger war 45, als er 1894 in München, wo auch Strauss sein erstes Hornkonzert schuf, das F-Dur-Konzert komponierte. Nach Spätromantik klingt auch diese Musik des Liechtensteiners nicht, eher nach Mendelssohn als nach Bruckner – geschweige denn nach Strauss. Und doch ist diesem Werk die Reife seines Schöpfers in jedem Takt anzuhören. Erhaben, weihevoll, würdig und kontrolliert klingt es in seinem kraftvollen Klassizismus. Denn Rheinberger, der durchaus ein Wunderkind war, hatte nie die Absicht, in der Musikgeschichte irgendwelche Steine umzuschichten. Er war mit Schönheit zufrieden.

Welchen der beiden Wege, den des Bilderstürmers oder den des Bewahrers, Hartmuth einschlagen wird und ober der seine überhaupt zur Komposition führt, das muss sich noch zeigen. Zunächst steht für den jungen Trompeter und Tonsetzer das Abitur auf der Agenda – in das sein Trompetenkonzert übrigens einfließt. Denn es entstand als sehr besondere BELL, als „Besondere Lernleistung“ im Musik-Leistungskurs. Dass es über diesen Rahmen weit hinausgewachsen ist, zeigt schon ein kurzer Blick in die Partitur – und ist am Samstagabend nachzuhören in der Propsteikirche.

Samstag, 13. Januar, 20 Uhr, Propsteikirche am Martin-Luther-Ring. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Von Peter Korfmacher

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