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Kultur Regional Ausstellung im Landgericht Leipzig: „Seine Bilder sind wahr, nicht inszeniert“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Ausstellung im Landgericht Leipzig: „Seine Bilder sind wahr, nicht inszeniert“
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00:31 26.03.2018
Der Schüler und sein Meister: Mahmoud Dabdoub (links) und Fotografie-Professor Helfried Strauß. Das Landgericht zeigt Arbeiten Dabdoubs – hier ein Bauarbeiter im Thomaskirchhof (1987) und ein Musikant im Fußgängertunnel Wilhelm-Leuschner-Platz (1989).   Quelle: Foto: Armin Kühne
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Leipzig

Nach Jahren sehen sie sich erstmals wieder: der Meister und sein Schüler. Und das auch noch vor Gericht. Fotografie-Professor Helfried Strauß, der nach seinem Abschied von der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) 2008 ins Schwabenland zog, ist extra wegen seines einstigen Studenten Mahmoud Dabdoub aus der Nähe von Stuttgart angereist. Denn im Landgericht Leipzig zeigt sein inzwischen auch schon 59 Jahre alter Schüler aktuell eine „Karawane der Impressionen“. Bei der Eröffnung der Ausstellung lobt der 74-jährige Meister: „Seine Bilder sind wahr, nicht inszeniert. Sie zeigen gelebtes Leben.“

Geboren in einem Flüchtlingslager

Beide Männer kennen sich schon beinahe vier Jahrzehnte. „Es ist seine ungeheure Freundlichkeit, die mich von Anfang an für ihn eingenommen hat“, erzählt Helfried Strauß. Mahmoud Dabdoub kam 23-jährig als palästinensischer Austauschstudent nach Leipzig. In einem Flüchtlingslager im Libanon war er auf die Welt gekommen. „Ich kannte als Kind nichts anderes als das entbehrungsreiche Leben in den Lagern.“

In Leipzig lernte der junge Palästinenser zunächst Deutsch am Herder-Institut, ab 1982 studierte er an der HGB. „Ich habe ihm zuerst meine Fotos gezeigt, die ich in Beirut geknipst habe“, sagt Dabdoub. Sein Dozent bemerkte gleich: „Die Bilder rühren an.“ Es waren „Bilder vom schändlichen Leben in jenen Lagern, von friedlichen und freundlichen Menschen“, erinnert sich Strauß. Und fügt hinzu: „Mahmoud hat einen sehr vitalen Witz.“

„Der Anfang war sehr schwer“

Schon während des Studiums war Dabdoub ständig auf Achse, um Fotos zu machen – und fing damit den Alltag in Leipzig ein: die alte Frau mit Luftballons, den Musiker im Fußgängertunnel, die Schafherde auf der Straße in Connewitz. „Ich saß manchmal acht Stunden im Labor“, erzählt der 59-Jährige. „Für mich war es am Anfang ganz schwer. Meine Kommilitonen hatten sich schon in ihrer Jugendzeit damit befasst und viel mehr Erfahrung. Ich hatte zuvor gezeichnet.“

Der Student legte seinem Meister Kontaktabzug für Kontaktabzug vor. Der nahm sich dafür Zeit. „Ich graste sie einäugig mit der Lupe ab. Er hat viel Substanz mitgebracht und seine ganz eigene Sicht entwickelt.“

Dabdoub schätzt an seinem Dozenten: „Er war nicht nur ein guter Lehrer, der mir fachlich viel beigebracht, mich beraten und mir Tipps gegeben hat. Es gab auch die menschliche Seite. Ich war oft bei ihm und seiner Familie zu Hause.“ Er habe häufig Studenten eingeladen, so Strauß lächelnd. Zu Hause habe er über eine große Bibliothek verfügt und somit in Büchern beste Beispiele zur Hand gehabt.

Ausstellung läuft bis 21. Juni

1987 schloss Mahmoud Dabdoub sein Studium ab. Seither arbeitet er als freischaffender Fotograf in Leipzig. Landgerichts-Vize Kai Deusing spricht bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend von inzwischen sechs Bildbänden Dabdoubs. Gut 50 Fotos präsentiert nun der Verein Kunst und Justiz im Gericht, der die Schau möglich gemacht hat.

Bis 21. Juni sind im ersten Obergeschoss Fotos aus Leipzig zu sehen, im zweiten Obergeschoss aus dem Nahen Osten, darunter aus dem Libanon, aus Jerusalem, den palästinensischen Autonomiegebieten. Zu sehen sind auch Dabdoubs Vater, der Großvater, die Großmutter. Freunde wie das Hilger-Duo und Nidal Mahmoud stimmen die vielen Besucher bei der Vernissage musikalisch ein.

„Mahmoud hat sich mit absoluter Sicherheit inzwischen beheimatet“, glaubt der emeritierte Professor Strauß und verweist auf das jüngste Foto-Buch seines Schülers und Freundes. „Neue Heimat Leipzig“ heißt es und ist 2016 im Lehmstedt Verlag erschienen.

Der Meister und sein Schüler haben sich in jüngerer Vergangenheit nicht mehr so oft gesehen. „Aber man weiß, dass man sich hat“, sagt Strauß.

Die Ausstellung „Karawane der Impressionen im Ost-West-Diwan“ ist bis 21. Juni im Leipziger Landgericht, Harkortstraße 9, zu sehen; Mo-Do, 8-17.30 Uhr; Fr. 8-15 Uhr;

Von Sabine Kreuz

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