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Kultur Regional Stilecht: Wie die Firebirds in der Arena Leipzig den 25. Bandgeburtstag gefeiert haben
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16:43 08.03.2018
Ein Vierteljahrhundert im Dienste des Rock’n’Roll: Krusdy van Friday mit den Firebirds-Gründungsmitgliedern Guido Gentzel und Konrad Schöpe (von links) in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Irgendwie war da doch mal was. Also von wegen Rock’n’Roll und Jugend und Individualität und Rebellion und so. Doch, doch, wirklich! In den alten Nachschlagewerken kann man davon noch lesen, vom angeblich gefährlichen Nonkonformismus, vom hitzigen Sexappeal, vom Ungezügelten dieser Musik. Zu deren Ursprüngen man jetzt am Donnerstag zurückkehren konnte. In der gut besuchten Arena, per Zeitreise mit einem Konzert der Firebirds.

Seit inzwischen 25 Jahren zelebrieren die Leipziger Lokalmatadore Rock’n’Roll ausgesprochen erfolgreich als stilistischen Nostalgie-Mix. Den bieten sie jetzt auch zum Silbernen-Bandhochzeits-Konzert in der Arena. Aus gegebenem Anlass verstärkt durch ein „Rockestra“ mit Streichern und satter Bläsersektion, spielen die fünf Feuervögel dabei ihre Songs nach wie vor mit einer Lust und Laune, die selbst in den routiniertesten Momenten immer noch etwas Jungenhaftes und darin fraglos ihren Charme hat.

Es sind Songs, die sich aus dem schier unerschöpflichen Repertoire zwischen Boogie-Woogie, Doo Wop, Rhythm and Blues speisen; Songs aus den frühen Tagen des Rock’n’Roll, die The Firebirds auferstehen lassen. Songs, die in ihrer effektvollen, auch emotionalen Geradlinigkeit musikalische Selbstläufer sind. Meistens.

Solomon Burkes „Cry To Me“ funktioniert da so prächtig wie das eigentlich totgenudelte „Rock Around The Clock“. Carl Perkins darf mit seinen „Blue Suede Shoes“ selbstverständlich auch nicht fehlen und reiht sich nahtlos ein in noch so einige andere Hits der Großen, von Little Richard bis Jerry Lee Lewis. Ins Bekannte klug eingestreut die weniger bekannten Sachen: hübsch pittoresk „Rama Lama Ding Dong“, ein Doo-Wop-Hit von The Edsels aus dem Jahre 1958. Mit Cab Calloway streift man den Swing und mit „It’s Oh So Quiet“ erinnert man daran, dass der Song eben nicht von Björk ist (die ihn fraglos hinreißend interpretiert), sondern von Betty Hutton und aus dem Jahre 1951.

Beachtliches Können

All das ist akkurat aufbereitet. Stilecht die Posen, die Klamotten, die Pomade im Haar. Das hat ebenso Klasse wie die Einlagen zweier einschlägig preisgekrönter Tanzpaare, die die guten, alten und immer noch rasanten Moves zwischen Jive, Lindy Hop und Rock’n’Roll in beachtlichem Können darbieten.

Was will man also meckern? Man könnte monieren, dass die ebenfalls gebotenen Beach-Boys-Nummern im Satzgesang dann doch etwas roboterhaft klingen. Andrerseits ist es auch nicht so ganz einfach mit Brian Wilsons raffinerten Harmonien. Wie genial gerade diese Musik teilweise ist, zeigt sich ja genau daran: wie schwer man deren (scheinbarer) Leichtigkeit gerecht wird.

Auch, dass manches Orchestra-Arrangement nicht unbedingt sprüht vor Originalität, könnte man bekritteln – nur schösse das im Grunde am Ziel vorbei. Wie immer bei Veranstaltungen, denen es um eine Aufbereitung in bloßer Nostalgie geht. Gilt gerade auch für den Rock’n’Roll. Individualität, Rebellion, Nonkonformismus? Ach, Gott, lange her. Man macht sich hübsch, trifft sich und hat Spaß. Nett und harmlos. Manchmal muss das einfach reichen.

Von Steffen Georgi

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