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TV-Star Dieter Bellmann ist tot

Prof. Simoni aus "In aller Freundschaft" TV-Star Dieter Bellmann ist tot

Als Professor Simoni aus der "Sachsenklinik" kannten ihn Millionen. Nun ist der Leipziger "In aller Freundschaft"-Darsteller Dieter Bellmann im Alter von 77 Jahren verstorben.

Dieter Bellmann ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Quelle: dpa

Leipzig. Prof. Gernot Simoni dürfte nach wie vor einer von Deutschlands bekanntesten Klinikchefs sein, auch wenn er nun im Ruhestand war und nur noch zuweilen als Berater in der Sachsenklinik auftauchte. Millionen Fernsehzuschauer kannten ihn als brillanten Operateur, umsichtigen Manager, vorausblickenden Leiter und angenehmen Zeitgenossen. Dieser fiktiven Persönlichkeit hauchte Dieter Bellmann in der Klinikserie "In aller Freundschaft" (IaF) fast zwei Jahrzehnte Leben ein. Nun verabschiedete sich in der Nacht zum Montag der Leipziger Schauspieler im Alter von 77 Jahren von der Welt.

Der MDR bestätigte den Tod Bellmanns am Mittwochnachmittag unter Berufung auf seine Witwe. "Wir nehmen Abschied von einem guten Freund, der in seiner Rolle wie auch als Mensch eine ganz herausragende Figur bei 'In aller Freundschaft' war", sagte MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi. "Dieter Bellmann hat von Anfang an unsere ARD-Serie 'In aller Freundschaft' geprägt: zunächst als Chefarzt, dann lange Jahre als medizinischer Direktor der 'Sachsenklinik' und nach Professor Simonis Pensionierung als Berater. Dieter Bellmann hat sich mit hoher Professionalität und viel Charme in die Herzen der Fans gespielt."

Noch am Samstag stand er auf der Bühne

Bellmann verbreitete wie seine Figur Strenge und Liebenswürdigkeit, Besonnenheit und Emotionalität. Dank seines Könnens und seiner Erfahrung war dieser Prof. Simoni menschlich und vor allem geerdet so wie Bellmann auch. Seine Mitstreiter aus dem MDR-Team sind betroffen und traurig, weil sie einen engagagierten Kollegen verloren haben.

Der Leipziger Jazzmusiker Stephan König hatte noch am Samstag mit Bellmann in Leipzig-Gohlis auf der Bühne gestanden. "Seine letzten Worte bei seinem letzten Auftritt waren aus dem von ihm immer wieder grandios gelesenen Buch 'Kein Applaus für Podmanitzki' von Ephraim Kishon und handeln von seiner lebenslangen Leidenschaft – dem Theater", berichtete König der LVZ und zitierte wörtlich: "Und sollte es einmal geschehen, daß Sie in dieser Einsamkeit von tiefer Depression befallen werden, weil das Publikum Sie ausgepfiffen oder die Kritik Sie verrissen hat, weil die Rolle, die Ihnen zugesagt war, von einem anderen gespielt wird (und noch dazu mit Erfolg), oder sollten Sie aus sonstwelchen Gründen der Verzweiflung nahe sein – dann, junger Mann, bedenken Sie, daß Sie trotz allem den schönsten, aufregendsten, faszinierendsten Beruf haben, den es gibt, daß Sie mit einer einmaligen, einzigartigen Institution verbunden sind, mit dem herrlichsten Irrenhaus der Welt: dem Theater."

Bilder von Bellmanns Auftritt im Mai:

Der Künstler war knapp 58, hatte nach 30 Jahren aus freien Stücken sein festes Engagement am Leipziger Schauspielhaus gekündigt. Er war plötzlich ohne Engagament. Da trat der Glücksfall ein: Der MDR bot ihm diese Rolle in „In aller Freundschaft“ an, die ihn im deutschsprachigen Raum berühmt machen sollte. Auch wenn  der Start recht zähflüssig verlief, und sich die Resonanz bei den Zuschauern anfangs in Grenzen hielt, ist die Serie inzwischen die erfolgreichste der ARD. Sie ist nicht nur Bambi-geschmückt und hat mit den „jungen Ärzten“ noch einem Ableger im Donnerstag-Vorabend-Programm, sondern gehört inzwischen dienstagabends in vielen Haushalten zur Familie.

Wer den Schauspieler fragte, wie dies möglich sei, dem antwortete er: „Indem sich die Autoren in jeder Folge auf zwei Erzählstränge konzentrieren: einmal die Patientengeschichte und dann die Ereignisse, mit denen die Mitarbeiter der Sachsenklink und ihre Familien konfrontiert werden. Und vor allem vergessen wir die Könner nicht, die vor und hinter der Kamera agieren, die ihr Handwerk  beherrschen und dafür sorgen, dass die Geschichten glaubhaft erzählt werden. Das ganze Team arbeitet ausgezeichnet zusammen“ lobte der Akteur.

Als Prof. Simoni wurde er einem Millionenpublikum bekannt

Dennoch, wie fühle er sich als Arzt, der zwar nicht heilen, aber unterhalten kann?  „Auch wenn ich als Professor nun im Ruhestand bin, war es eine schöne Aufgabe. Gerade in einer Zeit, in der menschliche Werte zerbröseln oder verloren gehen, meidet diese Familienserie Gewalt und verbale Verdummung. Und wenn es mir keinen Spaß mehr bereitete, in ihr zu spielen, hätte ich schon früher aufgehört“, gestand der Künstler in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Sei es nicht zuweilen eine sehr heile Welt, die da den Zuschauern suggeriert werde? Bellmann schüttelt den Kopf und antwortete milde lächelnd: „Gewiss sind bestimmte Dinge in Wirklichkeit anders wie in der Serie. Aber wir zeigen den Zuschauern, wie es sein könnte und bemühen uns, nicht schwarz zu malen. Es sind die Geschichten der Ärzte und Schwestern und die Schicksale der Patienten, die interessieren. Und wenn wir in jeder Folge einen Patienten sterben ließen, würden die Zuschauer bald wegklicken. Unsere Diagnosen sind authentisch. Ein Arzt und eine Anästhesistin achten darauf, dass unsere Handgriffe stimmen. Es gibt Universitäten, die bestimmte Folgen als Anschauungsunterricht für ihre Studenten nutzen.“

Sein Handwerk hatte der Künstler an Leipzigs Theaterhochschule gelernt. Er debütierte als Wolodja in Rosows „Unterwegs“ am Dresdner Theater der Jungen Generation, ehe der Künstler ab 1967 auch ein gefragter Akteur am Leipziger Schauspielhaus wurde. Obwohl Generalintendant Karl Kayser ihn nicht mochte – er ihn auch nicht – spielte Dieter Bellmann viele wunderbare Rollen zwischen Adam, Satanael, Truffaldino, Tschumalow, Muzelkopp, Derwisch, dem Philosophen Wang in Werken von Goldoni, Lessing und anderen Meistern sowie in zeitgenössischen Stücken eines Volker Braun, Heiner Müller oder Gunter Preuß. „Es gab gute Regisseure, die mich gefordert und gefördert haben. Ich bin Gotthard Müller, Hartwig Albiro und manch anderem dankbar. Später habe ich selbst inszeniert, in  der Bosestraße, in Stuttgart, Cottbus, Nordhausen, bei den Leipziger Kabaretts und fürs DDR-Fernsehen. Dabei habe ich gelernt, Verantwortung für Projekte zu übernehmen. Diese Teamarbeit hat mich geprägt.“  

Ein Wunsch ging nie in Erfüllung

In der DDR lieh Dieter Bellmann zudem Stars wie Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, James Mason oder Donald Sutherland seine Stimme. Sein DEFA-Debüt gab Bellmann 1963 in „Jetzt und in der Stunde meines Todes“. Er spielte in  „Die Abenteuer des Werner Holt“ oder in „Lachtauben weinen nicht“. Mehrere „Polizeirufe 110“ des Fernsehens nennen seinen Namen. Seine Fernsehinszenierungen von „Dornröschen“, „Der Hase und der Igel“, „Gavroche“ und die „Verzauberten Brüder“ zeichnen sich  durch Poesie aus.

Neben seiner Bildschirmpräsenz suchte der Schauspieler mit verschiedenen literarisch-musikalischen Abenden, die er mit seiner Frau Astrid Höschel sowie anderen Künstlern gestaltete, den unmittelbaren Kontakt zum Publikum. Und er brachte sich in soziale Projekte ein, für die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e. V. zum Beispiel.  

Der Erfolg blieb Dieter Bellmann im Alter treu, auch wenn er seinem Lieblingssport Fußball wegen der Serienrolle entsagen musste. Aber der Vater dreier Söhne sah zumindest so oft wie möglich seinem Jüngsten zu, der in einem Leipziger Club kickt. Nur sein Wunsch, einmal einen Kriminalkommissar zu spielen, ging nicht in Erfüllung.  

Rolf Richter

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