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Kultur Regional „Titanic“ in theatraler Schräglage
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Titanic“ in theatraler Schräglage
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15:03 05.04.2018
Dramatische wie auch ergreifende Szenen: Das Team vom Ilses Erika hat mit „Titanic“ wieder einmal Theatergeschichte geschrieben. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Felix Magath hätte die Titanic retten können, mutmaßte einst ein weiser Norweger. Seit diesem Dienstag nun ist aber bewiesen, dass Kai Kauerhof der Mann gewesen wäre, welcher. Wie er im Ilses Erika von der Kommandobrücke der Titanic aus beim Anblick des Eisbergs beherzt ins Glücksrad greift und direkt beim Feld „Zurück“ landet – Wahnsinn, ein vom Himmel Gesandter, 105 Jahre zu spät. Aber halt: Ilses Erika, Titanic, Glücksrad?

Nun, wo mancherorts Ende des Jahres wilde Bäume in stickige Stuben gesperrt werden, ist es hier zur schönen Tradition geworden, einen Filmklassiker als Theaterstück aufzuführen. Dafür werden die hochkarätigsten Schauspielerinnen und Schauspieler der ganzen Ilse-Belegschaft gecastet, wird ein Bühnenbild gebaut, das sich vor Maske und Kostüm nicht zu verstecken braucht, kurzum: Hochkultur, ick hör dir trapsen! In diesem Jahr steht jener Film auf dem Programm, der vor 20 Jahren millionenfach auf der ganzen Welt mit einer Welle auf der Leinwand 4D-mäßig zahllose Augenpartien von Leonardo-DiCaprio-Fans im Kinosaal benetzte (sowie die Schultern ihrer Begleiter).

Am Eingang gibt der Steuermann (Christian, 20) zur Begrüßung die Marschrichtung vor: „This Ship is un-drinkable.“ Tim Thoelke legt laut mitsingend schmissige Schlager auf, während die Passagiere ihre Plätze in erster und dritter Klasse einnehmen. Und dann geht sie los, die wilde Fahrt!

Die reiche Gesellschaft betritt champagnerschlürfend das Schiff, darunter die junge Rose (hinreißend: Jörn Drewes) und Cal (eindringlich: Ralf Donis). An anderer Stelle räumt derweil Jack (ein echter Schauspieler: Christian Feist) seine Kabine auf, weil er „Platz für sein Ego“ braucht. Der Rest ist bekannt: Der ziemlich schnell ziemlich halbnackte Jack bewahrt Rose vorm Sprung von der Reling. Der reiche Cal lädt den armen Jack daraufhin zum Candle-Light-Döner ein. Aber Jack hat nichts zum Anziehen! Nur drei nutzlose Haselnüsse findet er in seinem Koffer, wirft sie zu Boden, und – ei der Daus – eine himmlische Melodie erklingt und eine wunderschöne Abendgarderobe erscheint! Das Leben ist eben wie eine Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man bekommt, lernen wir später von Jack.

Als Cal seiner Rose das prächtige Geschmeide namens „Cœur de la Merde“ überreicht, rollt dem Publikum eine heftige Welle aus der Metaebene entgegen: Ralf Donis mit einer Diskokugel an einer Eisenkette kann ja nur als „Der DJ im selbstgewählten Gefängnis“ interpretiert werden. Oder? Die Aufführung hangelt sich weiter zum Eisberg, von „Ich bin der König der Welt“ über die legendäre Hand von Rose an der beschlagenen Autoscheibe. Und irgendwann steht er dann in der Tür, der Eisberg, weiß und gefährlich. Kuschelig sieht er aus mit seinen kleinen Öhrchen und dem Stummelschwänzchen. Der Steuermann entdeckt ihn zuerst: „Oh Captain, my Captain!“ Der greift, wie eingangs erwähnt, beherzt ins Glücksrad. Das direkte „Zurück“ war nicht vorgesehen, er dreht nochmal: „Engtanz“, okay! Der Eisberg kommt näher und näher, fast hat man den Eindruck, die Titanic stünde und er bewege sich auf sie zu.

Es tut einen Schlag, drei Lecks, der Rumpf bricht entzwei, der hintere Teil steht senkrecht im Wasser. Cal und die erste Klasse retten sich in ein Boot, Rose zweifelt und winslet, bleibt schließlich bei Jack auf der Titanic, sie gehen gemeinsam baden. Aber erneut kündet eine zauberhafte Melodie von der überraschenden Rettung. Der leibhaftige Ralf Donisselhoff springt in Zeitlupe und roten Badeshorts herbei. Halleluja, Weihnachten ist gerettet!

Von Benjamin Heine

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