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00:23 12.02.2018
Soulige Stimme voll emotionaler Brüche und leichtem Rauch: Lilly Brüchner beim Auftritt mit ihrer Band Lilly Among Clouds im Kupfersaal. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, heißt es bei Reinhard Mey. Auch schon zwischen den Wolken, wo sich die junge Würzburger Pophoffnung Lilly Brüchner laut Bandname befindet, lässt es sich hervorragend durch die freien Welten des Pop traumtanzen. Als die Band Lilly Among Clouds am Donnerstag im Kupfersaal ihr sinnigerweise „Aerial Perspective“ betiteltes Debüt vorstellen, irritiert es sie zunächst ein wenig, sich in einem Sitzkonzert wiederzufinden. Und tatsächlich scheinen sich einige auf ihren Stühlen hin und her Wippende eher tanzend in einen intimeren Club näher an die Bühne zu wünschen.

Für eine erste Schwebestufe Richtung Wolken ist zunächst der Isländer Auður zuständig, Optisch an Bilderbuch erinnernd, mischt sich in seinen elektronisch verspielten, mit Visuals aufgepeppten Slow-Pop musikalisch ein wenig 90er Boyband-Charme. Nach dem Konzert verkauft er keine CDs, sondern Schokolade mit Downloadcode.

Weiter nach oben geht es mit den ersten verträumten Lilly-Among-Clouds- Pianotönen. Die klingen stark nach Kate Bushs „Running up that Hill“, bevor die restliche Band zum Freiflug in den Wolken aufbricht. Endgültig in ihren Bann und zu ganz eigenen Höhen zieht Brüchners Stimme: Ein soulig volles Timbre mischt sich mit emotionaler Brüchigkeit und gelegentlich leichtem Rauch.

Wie sehr die 20-Jährige selbst in ihre Musik eintaucht, die sie gestisch und mimisch stets mitfühlt und -denkt, bemerkt man vor allem zwischen den Songs, wenn sie in sympathisch schüchternen Ansagen plötzlich ungleich jünger und unerfahren wirkt. Klar auf ihre Stimme hin arrangiert präsentiert sich der entspannt-indielastige Singer-Songwriter-Pop derart sphärisch und verspielt melancholisch, dass man in jeder Rockschattierung hier wohl ein „Post“ in der Definition davorgesetzt hätte.

Mitunter erzeugt das, was man aus Wolkenperspektive beobachten kann eine gewisse Nachdenklichkeit in ruhigen Momenten, aber die werden von flotteren Nummern abgelöst, die Brüchner unter anderem dem wichtigen Alltagsbegleiter Kaffee widmet und gut gelaunt tänzelnd intoniert.

Bei allem märchenhaft schönen Post-Pop bekommt der Abend eine sehr direkte Intensität, als Brüchner bei sehr persönlichen Sätzen zu ihrer Familie während einer Ansage Tränen in den Augen stehen. Aber die zuverlässige Drei-Minuten-Emotion des Pop lässt sie bald beschwingt zum nächsten Thema fliegen.

Zur Zugabe bekommt sie doch noch das Publikum zum Stehen, träumerisch in den Wolken flog es ohnehin schon.

Am heutigen Samstag ist die Show zum Podcast „Herrengedeck“ im Kupfersaal zu erleben – 20 Uhr.

Von Karsten Kriesel

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