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20:12 25.03.2018
Trivium rockt das Täubchenthal in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Es ist die eine Frage, die in den vergangenen Jahren im Bereich der harten Gitarren-Musik zunehmend drängender gestellt wird: Was bleibt, wenn auch das letzte Aushängeschild irgendwann die Bühne verlassen hat? Wer will, wer kann in die teils übergroßen Schuhe der Genre-Überväter schlüpfen und die Massen begeistern? Mit Blick auf die stetig wachsende Zahl rockender Rentner wächst da bei so manchem Fan durchaus die Sorge.

Bewerbung für die Metal-Spitze

Dass die womöglich unbegründet sein wird, darf nach dem Leipzig-Gastspiel der US-Amerikaner von Trivium am Samstag guten Gewissens behauptet werden. Mit seinem knapp 100-minütigen Auftritt liefert das Quartett aus dem sonnigen Florida in der frühlingshaft kühlen Messestadt eine Bewerbung für die künftige Genre-Spitze ab, die sich gewaschen hat.

Bevor indes zum Marsch auf den Thron geblasen wird, ist es an den beiden Anheizern, den Boden für den Triumphzug zu bereiten. Dass dabei gleich noch beide stilistischen Extreme, zwischen denen Trivium pendeln, präsentiert werden, kann durchaus als cleverer Schachzug des Tour-Veranstalters gewertet werden.

Venom Prison mit wilder Mischung

Für die brutale, ungestüme Seite zeichnen pünktlich um halb acht Venom Prison verantwortlich. Nach sphärischem Intro entfesselt das deutsch-walisische Quintett einen brachialen Sturm, der nicht wenige Anwesende zunächst sichtlich überfordert. Die wilde Mischung aus groovenden Breakdowns, rabiatem Death Metal und rasenden Black-Metal-Einsprengseln lässt eher Münder aufklappen als Köpfe rotieren. Frontfrau Larissa Stupar fegt derweil wie ein Derwisch über die Bretter, durchleidet jeden einzelnen Song, lässt sich zwischen den Stücken jedoch immer wieder ein verschmitztes Lächeln angesichts des stetig steigenden Zuspruchs entlocken.

Power Trip mit sägenden Riffs

Deutlich strukturierter gehen im Anschluss Power Trip zu Werke. Der kernige Thrash Metal mit leichten Crossover-Anteilen, den die Texaner präsentieren, schielt mit mehr als einem Auge in Richtung der seligen Achtziger: Sägende Riffs, knackig-treibendes Drumming und Sänger Riley Gales raues Organ sorgen für reichlich Bewegung in den vorderen Reihen. Stetig lauter werdender Szenenapplaus für Stücke wie „Divine Apprehension“ oder das abschließende „Manifest Decimation“ ist der verdiente Lohn für die Ausdauer des Quintetts.

Die Hauptattraktion des Abends übt dann schon einmal für größere Aufgaben. Mit angemessener zehnminütiger Verspätung zum stilechten Iron-Maiden-Intro entern Trivium die Bühne und machen mit dem eröffnenden „The Sin And The Sentence“ klar, dass an diesem Abend ein absoluter Siegeszug bevorsteht. Dass die Band mit der stilistischen Kurskorrektur auf Album Nummer acht goldrichtig lag, zeigt sich an dem, was während der Eröffnungsminuten im randvollen Täubchenthal geschieht: Im vorderen Drittel dreht sich beständig der Circle Pit, fliegen Haare und werden Fäuste gereckt. Selbst die bislang eher teilnahmslose Empore gerät mehr und mehr in Bewegung.

Energie-Level auf konstant hohem Niveau

Die Band hält das Energie-Level auf konstant hohem Niveau und liefert eine beeindruckende Leistung. Nicht wenige Fans fragen sich, wo Neu-Schlagzeuger Alex Bent seinen dritten Arm versteckt haben mag, so rasant und präzise bearbeitet dieser sein Instrument. Frontmann Matthew Heafy bietet derweil alle gängigen Rockstar-Posen auf, reckt die Faust oder zeigt die Zunge. Gitarrist Corey Beaulieu serviert daneben messerscharfe Riffs und präzise Soli, während Paolo Gregoletto am Bass beständig das Publikum anheizt.

Das lässt sich nicht lumpen, bringt zu „Betrayer“ oder „Becoming The Dragon“ die Halle zum Beben und übertönt bei den melodischeren „Strife“, „Until The World Goes Cold“ und „The Heart From Your Hate“ beinahe die Band. Wenig verwunderlich, dass man nach der finalen Zugabe „In Waves“ rundum in verschwitzte und glückliche Gesichter blickt. Die alten Hasen können beruhigt den Ruhestand antreten: Die Wachablösung steht in Form von Trivium bereit.

Von Bastian Fischer

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