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Kultur Regional In Leipzig treffen Lyriker aus Houston mit Übersetzern zusammen
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19:31 31.10.2018
Auftakt zur Langen Nacht der Literaturübersetzung im Leipziger Kupfersaal: Podiumsdiskussion mit Sieglinde Geisel, Thomas Brovot, Maria Hummitzsch und Julian Müller (v.l.) zur Lage der Literaturübersetzens. Später am Abend las George Saunders, und es wurden Übertragungen der Texte von Gastautoren aus Houston vorgestellt. r Quelle: Kempner
Leipzig

Es ist das erste Mal, dass Deborah D.E.E.P. Mouton und Rich Levy die eigenen Gedichte in einer fremden Sprache hören: „Ein seltsames Gefühl“ sagt der Houstoner Poet Levy. „Ja, seltsam aber irgendwie auch inspirierend“, fügt Poetry Slammerin Mouton hinzu. Sie beide saßen am Montagabend gemeinsam mit zehn Übersetzern und Übersetzerinnen auf der Bühne des Kupfersaals, präsentierten ihre Werke und lauschten deren deutschen Versionen. „Die Wahrheit ist, wir verstehen kaum ein Wort“, gibt Rich Levy zu, „und doch ist es ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass sich da Leute sehr intensiv mit unserer Arbeit auseinander gesetzt haben“.

Einer der Gelobten ist der Leipziger Übersetzer Bradley Schmidt. Mit neun anderen Kollegen nahm er am vergangenen Wochenende an dem Workshop teil, der sich im Rahmen des Leipziger Literarischen Herbstes den Houstoner Lyrikern Mouton, Levy und Kevin Prufer widmete (LVZ berichtete). Die drei verbrachten einige Stunden gemeinsam mit ihren Übersetzern in den Seminarräumen der Senfbude in Stötteritz, um die eigene Arbeit zu erklären und zu reflektieren: „Es war eine große Freude zu sehen, dass all die Details, die ich in meine Gedichte einwebe, gesehen und geachtet werden!“, sagt Deborah D.E.E.P. Mouton, die 2008 zur weltweit zweitbesten Poetry-Slammerin gekürt wurde.

Deborah D.E.E.P. Mouton gibt der Veranstaltung Tiefe

„Die Leute stellten sehr kluge Fragen“, erzählt Rich Levy angetan vom Workshop. Es sei spannend gewesen, sich der Bedeutung kultureller Kontexte bewusst zu werden: „Zum Beispiel das Wort Shame“, sagt er und grinst. „Shame“ – so lautet der Titel eines Gedichtes von Levy. Dass dieses Wort im Deutschen in bestimmten Wortkombinationen eine sexuelle Konnotation bekommt, habe er nicht gewusst, erzählt der Lyriker amüsiert. „Normalerweise arbeiten wir Übersetzer alleine im stillen Kämmerlein“, berichtet Bradley Schmidt, „es war toll, das jetzt gemeinsam zu tun und so Einblicke in die Arbeit der anderen zu bekommen und die Ergebnisse zu vergleichen“. Gerade bei Lyrik eröffneten sich oft große Spielräume: „Die einen konzentrieren sich sehr auf die Rhythmik und Metrik eines Gedichts und ersetzen dafür Wörter, ich selbst achte oft mehr auf das Narrativ des Gedichtes“, erzählt der Deutsch-Amerikaner. Als englischer Muttersprachler habe er zwar einen anderen Bezug zu der Sprache als die deutsch-deutschen Kollegen. Dennoch, das betont Schmidt, konnte auch er oft keine endgültigen Lösungen für die Übersetzung finden.

Diese intensive Auseinandersetzung der Übersetzenden mit den hochkarätigen Texten der US-amerikanischen Lyriker konnte in dieser Runde der Langen Nacht der Literaturübersetzung leider nicht in das wohlverdiente Licht gerückt werden. Zu oft verlor sich Moderator Hannes Becker in biografische Einzelheiten. Als Deborah D.E.E.P. Mouton aber ihre Stimme erhob, um das letzte Gedicht des Abends vorzutragen – über einen jungen Mann, der in Houston an einer Bushaltestelle durch Polizeikugeln starb – da gewann der Abend von einem Moment auf den anderen an Tiefe.

Von Anna Flora Schade

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