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Kultur Regional Umstrittener Film über Dresdner Youtuber gewinnt beim DOK Leipzig
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16:31 04.11.2018
Szene in "Lord of the Toys" von Pablo Ben Yakov Quelle: DOK Leipzig
Leipzig

Beim Filmfestival DOK Leipzig hat der umstrittenen Film „Lord of the Toys“ den Hauptpreis im deutschen Wettbewerb gewonnen. Der Film von Regisseur Pablo Ben Yakov über eine Gruppe Dresdner Youtuber, die sich auf ihrem Kanal wiederholt rassistisch, sexistisch und antisemitisch äußern, bekam am Samstagabend von der Jury eine der begehrten mit 10.000 Euro dotierten Goldenen Tauben zugesprochen. Mit seinen präzisen Beobachtungen lege der Dokumentarfilm eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen, die das Internet bewusst nutzt - mit weitreichenden Folgen in den Alltag, hieß es zur Begründung. Der Regisseur verliere nie die kritische Distanz zu seinen Protagonisten.

Linke Gruppen hatten den Film vergangene Woche scharf kritisiert und gefordert, ihn aus dem Festivalprogramm zu nehmen. Einem der Protagonisten, dem Youtuber Max Herzberg, werfen sie vor, immer wieder neonazistische Parolen zu veröffentlichen und in engem Kontakt mit der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ zu stehen.

Der große Sieger des am Sonntag zu Ende gegangenen Festivalwettbewerbs ist die italienische Produktion „I Had a Dream“, die gleich mit drei Preisen dekoriert wurde. Die Langzeitstudie von Regisseurin Claudia Tosi über das letzte politische Jahrzehnt Italiens gewann die ebenfalls mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube als bester internationaler Beitrag sowie den mit 2.500 Euro dotierten Preis der Interreligiösen Jury und den Preis der internationale Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten FIPRESCI. Mit ihren beiden Protagonistinnen stelle Tosi in dem Film die brutale Frage, ob Demokratie und Politik überhaupt noch am Leben sind, hieß es zur Begründung.

Insgesamt wurden bei der diesjährigen DOK Leipzig 22 Preise in einem Gesamtwert von mehr als 78.000 Euro vergeben, darunter sieben Goldene Tauben. Zum Abschluss des Filmfestivals am Sonntag wurden vier der Preisträgerfilme sowie Publikumslieblinge noch einmal gezeigt. Insgesamt wurden seit vergangenem Montag auf dem Dokumentarfilmfestival 306 Filme sowie zwölf interaktive Arbeiten gezeigt.

Weitere Goldene Tauben gingen an die brasilianische Produktion „Cinema Morocco“ von Ricardo Calil und die dänische Produktion „Escapar, the Recurring Dream“ von Barbara Bohr im Next Masters Wettbewerb. „All Inclusive“ von Corina Schwinggruber Ilić bekam eine Goldene Taube als bester Dokumentarkurz- sowie „Egg“ von Martina Scarpelli als bester Animationskurzfilm. Die Goldene Taube für den besten kurzen deutschen Dokumentar- und Animationsfilm bekam Regisseurin Julia Roesler für den Film „Marina“.

Mit dem MDR-Filmpreis in Höhe von 3.000 Euro für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm wurde die ukrainische Produktion „No Obvious Signs“ von Alina Gorlova über eine Soldatin, die nach ihrem Einsatz mit dem Wiedereinstieg in den Alltag kämpft ausgezeichnet. Der von der Stiftung Friedliche Revolution gestiftete Publikumspreis Leipziger Ring ging an die kenianische Regisseurin Beryl Magoko für ihren Film „In Search …“ über eine kenianische Aktivistin, die sich gegen Genitalverstümmlungen wehrt.

Die Interreligiöse Jury vergab zudem noch einen Spezialpreis an „#Female Pleasure“ von Barbara Miller. Der Film begleitet fünf Frauen aus den fünf Weltreligionen und zeigt ihren risikoreichen Kampf für eine selbstbestimmte weibliche Sexualität und für ein gleichberechtigtes, respektvolles Miteinander unter den Geschlechtern.

Von LVZ

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