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Unterhaltsamer „Oliver Twist“

Weihnachtsmärchen bei den Cammerspielen Leipzig Unterhaltsamer „Oliver Twist“

Der Reigen der Weihnachtsmärchen in der Leipziger Theaterlandschaft geht weiter: Am Sonntag haben die Cammerspiele ihre Version des Buch-Klassikers „Oliver Twist“ präsentiert – mit starken Darstellern und geraffter Fassung. Bei allem Spaß sollte man aber den Hinweis „Für Kinder ab 8 Jahren“ ernst nehmen.

Victoria Schaetzle, Alexander Fabisch und Thomas Deubel (v. l.) in „Oliver Twist“.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Für ihr vorweihnachtliches Familientheater haben sich die Cammerspiele nicht gerade das besinnlichste Stück herausgesucht. Charles Dickens’ weltberühmter Roman „Oliver Twist“ ist zwar eine herzerwärmende Geschichte über den Wert von Familie und Freundschaft, beinhaltet aber auch einige ziemlich brutale Szenen. Und obwohl Regisseurin Elisa Jentsch in ihrer kinderfreundlichen Inszenierung auf diese verzichtet hat, gab es bei der Premiere am Sonntag vereinzelt Unbehagen bei den jüngsten Zuschauern.

Waisenjunge Oliver Twist (Victoria Schaetzle) hat nämlich wahrlich kein einfaches Leben. In einer Fabrik muss er unter schlimmen Bedingungen schuften und flieht nach London, direkt in die Arme des Bandenbosses Fagin (Alexander Fabisch). Dieser zwingt ihn, mit auf Diebestouren zu gehen. Zufällig lernt Oliver eines Tages den gutherzigen Buchhändler Mister Brownlow (auch Fabisch) kennen, der ihn bei sich aufnimmt. Doch Fagin und seine Bande wollen ihren talentierten kleinen Dieb nicht einfach ziehen lassen und entführen Oliver für den nächsten großen Coup: ein Einbruch bei Mister Brownlow.

Das Theaterstück beinhaltet angedeutete Prügel, nächtliche Einbrüche – geschickt inszeniert als Schattenspiel auf dunkler Bühne – und schließlich die Verfolgung durch die Polizei. Das könnte für Kleinkinder ein bisschen arg aufregend sein. Die Empfehlung der Cammerspiele „Für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene“ sollte man also durchaus ernst nehmen. Fraglos aber ist dem Theater mit „Oliver Twist“ eine unterhaltsame Aufführung gelungen.

Regisseurin Jentsch hat Dickens’ Wälzer ganz schön gestrafft und ihrem Dreier-Ensemble angepasst. Dieses ist gut aufgelegt: Victoria Schaetzle gibt einen quirligen Oliver, Alexander Fabisch überzeugt als irre-ekliger Fagin, und Stammschauspieler Thomas Deubel kann hier wieder einmal sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Als Olivers guter Freund „The Artful Dodger“ gibt er dem Stück Struktur und animiert das Publikum. Als – eigens dazu gedichtete – Fensterbankoma Misses Pancake, die dem jungen Oliver nicht über den Weg traut, hat er die Lacher auf seiner Seite.

Erhöhter Schwierigkeitsgrad bei der Premiere: Die Schauspieler müssen nebenbei noch zu Kinderbändigern werden. Vereinzelt bezieht Deubel das Publikum mit ein, sammelt zum Beispiel Diebesgut aus den Reihen oder bringt den Jüngsten ein paar englische Wörter bei. Doch nicht immer läuft alles glatt, zum Beispiel als ein Junge unaufhörlich dazwischenruft oder ein anderer selbst diebische Ansätze bei den Requisiten zeigt. Das strapaziert merklich die Nerven der Darsteller und des Restpublikums, doch Deubel bleibt souverän.

Auffällig ist, dass die Bühne manchmal seltsam leer und leblos wirkt. Die Kulisse besteht aus aufgespannter Wäsche und Bettlaken, mit denen die verschiedenen Handlungsebenen abgetrennt werden. Kinderfragen wie „Papa, warum geht der nicht einfach da rein?“ zeigen, dass das offenbar nicht ganz klar wird. Ein bisschen mehr Aufwand fürs Detail bei der Ausstattung hätte „Oliver Twist“ gut getan. Eine etwas klarere Ausrichtung auf Mitmach-Stück für Kinder oder ernsthafteres Familientheater auch.

Nächste Aufführung am Sonntag, 16 Uhr, Karten unter www.cammerspiele.de.

Von Friederike Ostwald

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