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Kultur Regional Veranstalter pleite – Leipziger Aschenbrödel-Fans warten auf ihr Geld
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21:30 09.05.2018
Eine Szene aus dem Kult-Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eine geplante Musical-Show zum Märchen wurde für Leipziger Fans zum Desaster. Quelle: dpa
Leipzig

 Es sollte ein „nie dagewesenes Arena-Format“ werden, die Hallen sollten sich „in eine prächtige Märchenwelt“ verwandeln und die Darsteller „in glanzvollen Kostümen vor einer imposanten Bühnenkulisse für eine einzigartige Atmosphäre“ sorgen. Doch viele Fans des Kult-Films „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sind nur noch genervt. Denn statt „einzigartiger Atmosphäre“ wurde es ein Desaster. Nach der Absage der Show am 31. Januar in der Arena Leipzig warten viele Käufer der Karten noch immer auf ihr Geld.

Darunter sind auch Claudia und Gunter Schmidt. Die Leipziger haben es sich inzwischen zur Gewohnheit gemacht, einmal pro Woche beim Veranstalter anzurufen. „Am Anfang haben die uns noch versprochen, dass sie uns das Geld zurückerstatten“, sagt Gunter Schmidt. „Doch inzwischen meldet sich nur noch der Anrufbeantworter.“

Veranstalter hat Insolvenz angemeldet

„Die“, das ist der Veranstalter Icestorm Live GmbH aus Berlin. Der räumte noch im März gegenüber LVZ.de Verzögerungen bei der Rückerstattung der Tickets ein, zu den Gründen hielt er sich bedeckt. Gleichzeitig wollte Icestorm aber bis zum 15. März mitteilen, wie und wo die Ticketrückgabe oder ein Tickettausch erfolgt.

Doch was auch Claudia und Gunter Schmidt beim Gespräch mit LVZ.de noch nicht wissen: Der Veranstalter hat vorläufige Insolvenz angemeldet. Das sickerte in dieser Woche durch. Ein weiterer Aschenbrödel-Fan meldete sich bei LVZ.de und verwies auf eine entsprechende E-Mail von Eventim. Das bestätigte der Online-Tickethandel gegenüber LVZ.de.

Was wird aus den Eintrittskarten?

Als Insolvenzverwalter wurde Torsten Martini eingesetzt. „Meine Ermittlungen stehen noch am Anfang“, teilte der Berliner Rechtsanwalt LVZ.de mit. Wie es zu der Krise des Veranstalters kam, könne er noch nicht sagen. Derzeit werde der Sachverhalt geprüft. Dabei wolle man sich auch bei allen bekannten Karteninhabern melden, deren Veranstaltungen ausgefallen waren. Zusätzlich soll sich mit nicht bekannten Inhabern über die Internetseite der Gesellschaft in Verbindung gesetzt werden, hieß es weiter.

Welche Möglichkeiten dann für die Betroffenen bestehen, ihr Geld zurückzubekommen, ist laut Martini unklar. Derzeit werde das Insolvenzverfahren geprüft. Deswegen könnten Forderungen auch noch nicht wirksam angemeldet werden. „Ich bitte um Geduld“, so der Insolvenzverwalter.

Icestorm untergetaucht

Zumindest die von Icestorm selbstgesetzte Frist zur Rückerstattung ist längst verstrichen, der Veranstalter selbst ist inzwischen auf Tauchstation gegangen. Unter der angegebenen Telefonnummer ist niemand erreichbar, es wird lediglich auf das Unternehmen Four Foxes GmbH in Hamburg verwiesen. Doch auch dort: Niemand nimmt den Hörer ab.

Icestorm Live hat sich auf die Verwertung der Rechte an den Defa-Filmen spezialisiert, ist laut Handelsregister für „öffentliche Bühnenaufführungen“ und „Live-Tourneen und Konzertproduktionen“ zuständig. Einer der Geschäftsführer ist auch Geschäftsführer des Unternehmens Four Foxes in Hamburg.

Auf der Internetseite heißt es immer noch: „Wir werden zeitnah die neuen TERMINE für die Winter-Tournee 2018/2019 an dieser Stelle bekanntgeben. Alle Tickets behalten bis dahin Ihre Gültigkeit. Nähere Informationen bzgl. Ticketrückgabe oder Tickettausch werden wir zeitnah hier und über die Presse kommunizieren.“ Und weiter: „Derzeit erreichen uns viele E-Mails und Anrufe. Wir bitten Sie hier um etwas Geduld. Das Märchenarena-Team arbeitet jede Anfrage schnellstmöglich ab.“

Den Rechtsweg gehen?

Doch auf eine Antwort warten Claudia und Gunter Schmidt bisher vergeblich. Sie hatten zwei Tickets für die Show in Leipzig gekauft – erworben im Schauspielhaus. Dass sie dort das Geld nicht zurückbekommen, verstehen sie. Dass der Veranstalter sich nie bei ihnen gemeldet hat, aber nicht. „Bei rund 100 Euro für zwei Tickets lohnt es sich aber auch nicht, den Rechtsweg zu gehen“, so Gunter Schmidt.

Neben dem Ehepaar warten noch weitere Aschenbrödel-Fans auf die Rückerstattung ihres Geldes, mehrere meldeten sich in den vergangenen Wochen bei LVZ.de und baten um Unterstützung. Und nicht nur in Leipzig gab es Probleme: Shows in sieben Städten waren betroffen. Insgesamt sollte das Musical durch zwölf deutsche Standorte touren, darunter Dresden, Erfurt, Rostock, Bremen, Nürnberg, München, Mannheim, Magdeburg und Hamburg.

Andere Aschenbrödel-Show im Dezember

Stattfinden sollte die Show ursprünglich in der Arena Leipzig. Auch dort kennt man die Probleme mit den Tickets. Es habe auch eine Anfrage des Veranstalters für einen neuen Termin Ende des Jahres gegeben, heißt es.

Doch der sei mit einer anderen Aschenbrödel-Veranstaltung blockiert. Diese hat mit dem geplanten Musical allerdings nichts zu tun. Stattdessen spielt ein Orchester die Musik zum Originalfilm. Ob die Leipziger noch Lust auf ein weiteres Märchenspektakel haben, wird sich zeigen.

Von Lucas Grothe/jhz

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