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Kultur Regional Verleger Elmar Faber auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt
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22:00 19.12.2017
Schauspieler Peter Sodann sprach bei der Trauerfeier von Verleger Elmar Faber. Quelle: André Kempner
Leipzig

Als sich die Türen der Kapelle nach einer guten Stunde wieder öffnen, hat sich der Niesel zur milchigen Wand verdichtet – als wolle er unmissverständlich zeigen, dass er nun, nach der Trauerfeier auf dem Leipziger Südfriedhof, für immer fehlen wird, der Weitblick des Bücher-Menschen Elmar Faber, der am 3. Dezember im Alter von 83 Jahren gegangen ist. Aber Christoph Hein, den zu verlegen Elmar Faber nach eigenem Bekunden einst den Aufbau-Verlag übernommen hatte, schließt seine Rede dennoch tröstlich: „Bei aller Trauer“, ruft er der Familie zu, der Ehefrau Renate, den Söhnen Renaldo und Michael, den Enkeln und Urenkeln, all den Freunden, Gefährten, Mitstreitern, die die Kapelle bis auf den letzten Platz füllen und darüber hinaus, sollten sie dankbar sein „für das Glück, über Jahrzehnte mit diesem tollkühnen Husaren gelebt zu haben“.

Es ist eine bemerkenswerte Trauerrede, die das ganze emotionale Spektrum abbildet. Von der Trauer und dieser Dankbarkeit, über den warmen Humor, mit dem der Schriftsteller von der felsenfesten bis starrsinnigen Überzeugung des Thüringers Faber berichtet, Thüringens Liedgut und seine Bratwurst seien die jeweils besten der Welt. Von der Bewunderung angesichts der Dreistigkeit, mit der Faber seinen, Heins, Roman „Horns Ende“ an der Zensur vorbei und sogar gegen den erklärten Willen des Oberzensors Kurt Hager veröffentlichte und verkaufte. Von der Hochachtung, mit der Elmar Faber sich über alle Grenzen zwischen den Ländern, den Systemen, den Zeiten hinweg treu geblieben ist, um guten Büchern, schönen Büchern, kostbaren Bücher  in die Welt zu helfen, angetrieben von seinem unbeirrbarem Selbstbewusstsein, von seinem Stolz und dem Wissen, die besseren Argumente zu haben – und das bessere Programm. Vom nie verflogenen Groll und Zorn angesichts des Umgangs neuer Herren mit dem kulturellen Erbe der DDR.

Acht Tage vor seinem Tod habe er mit Elmar Faber gesprochen, und er habe ihn instruiert: „Du kennst die Wahrheit, du kannst sie sagen.“ Und so bebt auch Heins Stimme im Angesicht der Unwissenheit, der Ignoranz und Überheblichkeit, mit der da eine Gesellschaft eine andere auszulöschen versuchte, ohne das Geringste von ihr zu wissen. Gewiss, die Parallelen zu Nazisprache und SS-Anweisungen, die Hein dabei in schmerzlicher  Wiederholung bemüht, mögen dick aufgetragen scheinen. Aber in der Sache hat er Recht, dieser Bücherschreiber als donnerndes Sprachrohr des Büchermachers – die sich beide treu blieben. Faber als „Mann von Mut und Ehre“ und Hein nicht minder.

Heins gewaltige Rede wird vorbereitet von so schönen wie persönlichen Worten, mit denen Fabers Sohn Michael für die Familie das Bild eines kultivierten, offenen, vielseitig interessierten Patriarchen zeichnet, der sein tatkräftiges Leben ganz dem Schönen widmete, das er in Büchern fand und verwirklichte, im Garten, in der Natur, in Kunst, Musik und Kultur.  Diese Schönheit spiegelt sich wider in den Gedichten von Wolfgang Borchert, Rainer Maria Rilke und Hans Sahl, die Peter Sodann mit rauchiger Stimme verliest. Verse vom Tod – aber unsterblich in ihrer Schönheit. 

Was auch gilt für die langsamen Sätze aus Streichquartetten Carl Reineckes, mit denen das Reinhold-Quartett die Trauerfeier musikalisch gliedert: Von der Düsternis von Opus 211 über die klassizistische Trauerarbeit von Opus 30 arbeiten sie sich vor bis zum helleren frühen Opus 15, das mit seinem Geigen-Rezitativ Beethovens Neunte beschwört: „O Freunde, nicht diese Töne, sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere.“ Solche eben der Dankbarkeit für die Existenz und das Wirken Elmar Fabers.

Peter Korfmacher

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