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Kultur Regional Verleger Oliver Schwarzkopf sagt Teilnahme an Leipziger Buchmesse ab
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16:35 26.11.2018
Einräumen der Messebuchhandlung, in der während der Leipziger Buchmesse über 5000 Titel zu finden sind. Dass die Messebuchhandlung ein Monopol auf den Verkauf hat, stört Schwarzkopf-&-Schwarzkopf-Verleger Oliver Schwarzkopf. Er nennt das als Grund, 2019 nicht an der Buchmesse teilzunehmen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Kurz bevor am Montag die Auftaktpressemitteilung für die Leipziger Buchmesse 2019 ins Postfach flatterte, hat ein Verlag sich öffentlichkeitswirksam für 2019 verabschiedet. Erst auf Facebook und dann in der „Bild“-Zeitung sagte Oliver Schwarzkopf von Schwarzkopf & Schwarzkopf seine Teilnahme ab.

Das ist Normalität und noch keine Nachricht. Es geht aber um ein Prinzip. Nämlich darum, dass die Verlage auf dem Messegelände erst am Sonntagnachmittag selbst ihre Bücher verkaufen dürfen. Zuvor ist das ausschließlich über die Messebuchhandlung möglich, die rund 50 Prozent des Ertrags erhält, sowie über mobile Kassen (38 Prozent).

Zum Vergleich: Bei der Buchmesse in Frankfurt am Main darf überhaupt nur am Sonntag verkauft werden. „Verlagen ist es selbst überlassen, zu entscheiden, ob sie Bücher zum Verkauf anbieten oder nicht, die können ausschließlich zum festen Ladenpreis verkauft werden“, sagte am Montag eine Sprecherin in Frankreich am Main.

Schwarzkopf: „Alle Independent-Verlage haben das Problem“

Ein Grund für Oliver Schwarzkopf, auch dort nicht mehr hinzufahren. Doch zurück nach Leipzig. „Wir haben uns viele Jahre erfolglos dafür eingesetzt, dass die Leipziger Buchmesse sich als größte Buchhandlung der Welt präsentiert“, schreibt er auf Facebook. „Meine vielfach vorgebrachten Argumente wurden nicht einmal als Diskussionsgrundlage zur Kenntnis genommen, ein Gespräch war nicht möglich.“

Er habe sich an der Messebuchhandlung in den letzten Jahren nicht mehr beteiligt, sagt Schwarzkopf gegenüber der LVZ, liege aber Buchmessedirektor Oliver Zille schon lange in den Ohren mit der Idee: „Wer verkaufen will, kann verkaufen, wer nicht, beliefert die Messebuchhandlung. Das, was man Gewerbefreiheit nennt.“ Denn „alle Independent-Verlage haben das Problem“, so Schwarzkopf.

Dass es das Problem gibt, weiß Oliver Zille. Im Grunde seit 1998, als es zum ersten Mal die Messebuchhandlung gab. „Sie war von Anfang an nicht unumstritten.“ Eingerichtet worden sei sie „auf Wunsch der großen Verlage, die gesagt haben: Wir möchten nicht direkt verkaufen – wir wollen den Buchhandel stärken.“

Zille: „Die Verlage werden einen Teufel tun, gegen den Buchhandel zu arbeiten“

50 Prozent ihres Umsatzes mache die Branche mit dem Sortimentsbuchhandel. Die Konditionen über den Dienstleister Haufe-Lexware, der für die Messebuchhandlung mit dem Großhändler Libri zusammenarbeitet, seien die gleichen, die auch übers Jahr gelten.

„Die Verlage werden einen Teufel tun, gegen den Buchhandel zu arbeiten“, sagt Zille. Inzwischen aber, und das mache ein Umdenken dringend nötig, wachse der finanzielle Druck auf die unabhängigen Verlage, die einen kleinen Teil ihrer Ausgaben über den Buchverkauf wieder reinholen wollen.

„Und wir stehen dazwischen und wissen, dass unsere Lösung nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Wir suchen seit Jahren nach Möglichkeiten, die beide Seiten zufriedenzustellen.“ Ihm sei klar, dass kleine Verlage Hilfe brauchen. „Wenn wir sie weiter auf der Messe haben wollen, müssen wir etwas tun.“

Rund 10 000 Euro koste ihn eine Messeteilname, sagt Oliver Schwarzkopf, wovon die Standmiete ein Viertel oder ein Fünftel ausmache. Der Rest ist für Lesungen, Übernachtung und Logistik – also den Transport der Bücher hin und zurück. Zurück müsste nicht sein, findet er und schätzt, „einige hundert Bücher“ seien bestimmt zu verkaufen.

Klassiker oder Backlist

„Wir zeigen nicht nur Novitäten, sondern bringen auch Klassiker. Alles in allem etwa 200 Titel.“ Was Schwarzkopf Klassiker nennt, nennt Oliver Zille Backlist, in einigen Fällen sind es Bücher, die aus der Preisbindung genommen sind. „Wir wollen, dass auf der Buchmesse Novitäten präsentiert werden“, sagt er.

Vom 21. bis 24. März öffnet die Leipziger Buchmesse 2019 ihre Tore, auf 100 000 Quadratmetern werden mehr als 2600 Aussteller erwartet. Gastland ist Tschechien, einer der Schwerpunkte der „Demokratie- und Medienbildung“ gewidmet und der Frage nach einem zwar streitbaren, aber friedvollen Miteinander. Die Frage wird auch sein müssen, wie überhaupt Buchkäufer zu gewinnen sind, denn deren Zahl geht seit einiger Zeit kontinuierlich zurück.

Von Janina Fleischer

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