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Kultur Regional Verschnupfter König von Mallorca im Leipziger Haus Auensee gefeiert
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17:23 11.03.2018
Konzert von Jürgen Drews & Band im Haus Auensee in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 Der König ist figürlich gut in Schuss. Auf die Idee, dass er Ostern 73 wird, käme man nicht am Samstagabend im gestopft vollen Haus Auensee. Jedenfalls nicht in Reihe 13. In der ersten Halbzeit, da reist er vor allem durch seine eigene Vergangenheit, trägt Jürgen I. von Mallorca zur frisch ondulierten, seitlich gescheitelten und durchgefärbten Mähne einen schwarzen Anzug. Sitzt perfekt, sieht überraschend elegant aus mit dem weißen Hemd drunter und dem Einstecktuch drin.

Nach der Pause – die zweite Hälfte gehört dem Königreich am Ballerman - tut’s die stramm sitzende Jeans (das muss man in dem Alter erst mal tragen können) zu T-Shirt und neobarockem Gehrock. Den Hüftschwung hat er noch drauf, dazu manch kecken Tanzschritt – und es geht auch gleich mit dem „Bett im Kornfeld“ los, das noch mehrfach und in verschiedenen Versionen durchs Bild geschoben wird an diesem erstaunlichen Abend.

Der König von Mallorca hielt am Samstagabend in Leipzig Hof. Trotz Erkältung begeisterte Jürgen Drews die Fans mit seiner Band im Haus Auensee.

Eigentlich also alles bestens für die busweise von nah und fern angereisten Fans. Dazu hat Jürgen Drews eine ziemlich gute Band dabei, hin und wieder schleudern zwei Tänzerinnen ihre schönen Extremitäten im Stil einer frühen Aerobic-Stunde durch die Luft, und der unbedingte Wille zur kollektiven Begeisterung bricht sich bereits in den ersten Minuten lautstark Bahn.

Allerdings, auch dies merkt man ziemlich schnell, ist der gut erhaltene König krank. Der Infekt, dem er oft und erfolglos mit medizinischem Spray zu begegnen versucht, hat sich auf die Stimmritze gelegt und mischt deren Hervorbringnissen viel Joe Cocker und noch mehr Rod Steward unter, bisweilen schlagen Louis Armstrong oder Tom Waits durch. Was ja alles nicht schlimm wäre in einem Konzert, das mit exzellentem Bläsersatz und fabelhaften Stromgitarren durchaus rockig anhebt.

Aber Jürgen Drews schlägt keinen Profit aus dem Raspel, den zwar nicht das Leben, sondern nur die partielle Dysphonie ihm beschert hat, die aber dennoch das Zeug hätte, verrucht zu klingen und/oder geheimnisvoll. Diesem neuen Sound jedoch traut der alte Jürgen nicht über den Weg. Und so lässt er im ersten Konzertteil, der im Wesentlichen die Hits der 70er präsentiert, dazu Perlen aus dem Les-Humphries-Fundus, seine Stimme vom offenhörlich überforderten Soundtechniker weit runterziehen – und verdoppelt sie zur Sicherheit bisweilen mit historischem Eigenmaterial. Mit den Bläsern fremdelt der Mann am Mischpult ebenso. Wenn nicht gerade der erstklassige Saxophonist vorne an der Rampe ein Solo spielt. Mit der Gitarre hält er es ebenso, während dem grobmotorisch vor sich hinstampfenden Schlagzeug seine ganze Liebe gehört. Im Party-Teil geht das in Ordnung. Aber vor der Pause, wo zwischen Kornfeld und Aufs-Dach-Ziehen, „Let it Be“ und Sylvias Mutter Schlager-Nostalgie und Rock zueinanderfinden könnten, legt sich der lausige Sound wie ein dicker Schmutzfilm über die ziemlich unsortierte Show. Danach stört er nicht weiter – hier, beim Verschenken von Regenbögen, wo immer alles am besten ist und flach, kommt es nicht so aufs Detail an.

Die Feierlaune lassen sich die Fans zum großen Teil durch derlei nicht verderben. Auffälligerweise vor allem im linken Publikumsflügel, wo es eine komplette Busladung bereits nach den ersten Taken und dann immer wieder von den Stühlen reißt.

Jürgen I. ist eine begnadete Plaudertasche. Doch diesmal bleiben auch seine Moderationen seltsam fahrig, zusammenhanglos, erstaunlich knapp und vollständig unpersönlich. So kommt die ganz große Party-Freude nicht auf im Haus Auensee. Was soll’s, denkt sich der Fan: Der König ist krank – es lebe der König!

Von Peter Korfmacher

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