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Kultur Regional Vier Mal Leipzig: Bildermuseum zeigt neue Ausstellungen
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14:42 31.07.2018
„MdbK meets G2“: Alfred Weidinger und Anka Ziefer vor Werken von Matthias Weischer („Innenraum“ 2001, links) und Neo Rauch („Der Übergang“, 2018, rechts). Quelle: André Kempner
Leipzig

Sommerferien, Sommerpause – die großen Kulturbetriebe der Stadt klappen die Bürgersteige hoch. Nicht so das Museum der bildenden Künste. Das macht sogar noch einen zweiten Eingang auf. „Eingang Entrance“ heißt es auf einem großen Plakat vor dem Zündkerzenhof. Hinter der Tür erwartet den Besucher ein dunkler Tresen mit der Aufschrift „Kasse/Tickets“, dazu gibt es Hinweise zu den Eintrittspreisen und ein Ausstellungsheft. In Wirklichkeit ist das alles ein Spiel, eine Simulation des Leipziger Künstlers und HGB-Absolventen Gregor Peschko. Die Kasse ist nicht besetzt, das Heft ist leer, enthält lediglich Fotos von Sitzgelegenheiten, Fußböden und Wänden des Museums. Die Schau „Eingang“ gehört zu der Reihe „Connect Leipzig“, die sich dem künstlerischen Nachwuchs widmet. Sie wurde am Mittwochabend mit drei weiteren Ausstellungen eröffnet. So viel zur „Sommerpause“ im Museum.

Bei Peschkos nahezu identischer Wiederholung der realen Eingangssituation im Museum gehe es um die damit verbundenen Irritationen, erklärt Kurator Marcus Andrew Hurttig. Und natürlich um Verfremdungseffekte. Verwirrte Museumsbesucher werden von einer Wache aufgeklärt, die sich dann gewissermaßen selbst spielt. So wird der Eingangsbereich zur Bühne, einer fiktiven Schwelle zwischen Drinnen und Draußen, Stadt und Kunstraum. Peschkos Thema sind das Ausstellen und die wuchernde Zweitverwertung in sozialen Medien, worauf unter anderem ein Bildschirm verweist, auf dem zwei Handybildschirme zu sehen sind, einer davon zeigt wiederum den Eingangsbereich.

16 Werke aus Privatbesitz treffen auf 16 aus dem Museum

Für weniger Unklarheiten, aber nicht weniger Diskussionen dürfte die neue Reihe „MdbK meets ...“ sorgen. Hier sollen jeweils im Sommer Werke aus dem Museum auf Werke aus Leipziger Sammlungen treffen. Den Auftakt macht die Kollektion des Immobilienunternehmers Steffen Hildebrand, der seit März 2015 mit der G2 Kunsthalle am Dittrichring präsent ist. „Die Initiative dazu ging vom Museum aus“, sagt G2-Direktorin Anka Ziefer. Im Untergeschoss ist bis 9. September Malerei aus Leipzig nach 2000 zu sehen, treffen 16 Werke aus Privat- auf 16 aus öffentlichem Besitz, etwa Neo Rauchs „Der Übergang“ (Hildebrand) von 2018 auf sein „Fell“ (Museum) aus dem Jahr 2000. Johannes Rochhausen begegnet sich in Atelieransichten aus den Jahren 2008 und 2015. Ebenfalls in Bildpaaren treten Rosa Loy, Jochen Plogsties und Henriette Grahnert auf. Neben solchen auf der Hand liegenden Gegenüberstellungen finden sich in recht enger Hängung weitgehend die üblichen Verdächtigen jener Malerei, die das Label „Neue Leipziger Schule“ trägt – mit Matthias Weischer, Tilo Baumgärtel, Hans Aichinger, David Schnell oder Jüngeren wie David O’Kane und Julius Hofmann. Eine kompakte durchaus spannungsvolle Zusammenstellung, bei der Leipziger Kunstkenner allerdings nicht unbedingt auf Überraschungen treffen. Es gehe bei diesem Format insbesondere darum, im Sommer auswärtigen Besuchern ein breites Spektrum der Leipziger Kunst zu zeigen, sagt Weidinger. Und das macht das Haus nicht nur mit dieser Schau, sondern generations- und stockwerksübergreifend.

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Apropos Julius Hofmann, der an der HGB bei Rauch und Heribert C. Ottersbach studierte: Von ihm ist auf großer Leinwand der Elf-Minuten-Film „Ikonen“ zu sehen, an dem er ein halbes Jahr gearbeitet habe, wie er erzählt. Hofmann lotet die Malerei im digitalen Zeitalter aus, etwa im Medium der Computergrafik und 3D-Animation. Auch in seinem aus fünf Episoden bestehenden Animationsfilm pulsiert das Malerische. Eine verstörende wie grotesk-witzige Computergraphic Novel mit semifiktionalen Werbe-Ikonen, in der zum Beispiel ein Ego-Shooter-Game oder die neue Modefarbe Gelb angepriesen werden. Grell, wild, lustvoll – oberflächlich und tiefgründig zugleich.

Zeichnen im Zug nach Peking

Ein größerer Gegensatz dazu als Ausstellung Nummer vier, Christian Schellenbergers „Central Station“ im ersten Obergeschoss, ist auf den ersten Blick kaum denkbar. Schellenberger, der 2012 sein Diplom an der HGB machte, zeichnet mit Tusche und Feder auf DIN A2. Nicht im Atelier, sondern im Zugabteil. Die gezeigten 45 Zeichnungen sind von 2014 bis 2017 auf Zugfahrten zwischen Berlin und Peking entstanden. Eindrücke – Geräusche, Bewegungen, Gerüche – übersetzt er in ein abstraktes, an Hieroglyphen erinnerndes Zeichensystem. Zuweilen überträgt er Skizzen in großformatige Siebdrucke. Für die Ausstellung zeichnet er zudem bis Sonntag auf eine ganze Wand. Das dauere insgesamt ungefähr so lange wie die Zugfahrt von Berlin nach Peking: neun Tage. Bei der Betrachtung kann einem durchaus schwindelig werden, es sieht aus, als wäre eine Papierbahn aufgezogen, die sich wölbt. Und nach der Ausstellung? „Drei Mal drüberstreichen. Tschüß.“

Museum der bildenden Künste (Katharinenstraße 10), geöffnet Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr. Connect Leipzig: Gregor Peschko. Eingang: bis 29. Juli; Julius Hofmann. Cinematic Cybernetics: bis 2. September; Mdbk meets G2: bis 9. September; Christian Schellenberger. Central Station: bis 19. September

Von Jürgen Kleindienst

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