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Kultur Regional Voll der Müll: Neues Video von Byebye
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06:18 27.07.2018
Ihre Band heißt nicht Garbage, sondern Byebye: Tim Ludwig (35, links) und Oliver Haas (30). Quelle: Byebye
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Leipzig

Es kommt einiges zusammen, wenn 30 Leipziger Haushalte einen Monat lang ihren Abfall aufbewahren. Wie viel, das dokumentieren Oliver Haas und Tim Ludwig in ihrem neuen Musikvideo „Komm schon“. Knapp zwei Jahre nach der CD-Veröffentlichung bringt das Leipziger Duo Byebye einen zweiten Titel des Albums „Eine dir unbekannte Band“ als Single heraus.

„Wir brauchen euren Müll!“ – im Februar ging der Aufruf der zwei Musiker per Facebook an die Fangemeinde. Im März müllten Byebye dann mit Hilfe der Anhänger und der Stadtreinigung Leipzig eine Halle der Kulturfabrik Werk 2 mit Gerümpel zu, den Haas und Ludwig am Ende des Clips in orangefarbenen Leibchen wieder beiseitekehren.

Wenn es doch nur global auch so einfach wäre: „Die Vermüllung der Welt mit allen Konsequenzen ist eines der zentralen Probleme unserer Zeit“, notiert die Band im Rahmen der Youtube-Veröffentlichung. Im Abspann listet sie ein paar Zahlen auf, die das verdeutlichen: 23 000 Tonnen Abfall landen in einer Stadt wie Leipzig pro Jahr allein in der Gelben Tonne, haben die beiden recherchiert und ausgerechnet, dass das zehn Milliarden Joghurtbechern entspricht. Der Recyclinganteil stagniere bei Kunststoffverpackungen seit Jahren bei 36 Prozent. Gar nicht wiederverwertet wird zudem in der Regel, was im Rest- und Sperrmüll landet.

Unter der Regie von Brit Bentzen ist trotz des dringlichen Themas allerdings kein bierernster Clip entstanden. Vielmehr durften Musiker und Filmteam ausgiebig im Fundus des Theaters der Jungen Welt und eines Second-Hand-Ladens stöbern. Sie fanden die Kostüme für ein romantisches Candle-Light-Dinner (selbstverständlich mit Plastegeschirr) ebenso wie für eine Turnstunde im Fitnessstudio (selbstredend mit Sportdrinks aus Einwegflaschen). Was ersetzt einen Golfball besser als ein Coffee-To-Go-Becher?

Kein erhobener Zeigefinger

„Wir wollen die Leute nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren“, erklärt Oliver Haas. „Vielleicht trifft es aber hier und da einen Nerv.“ Ohnehin ist der Liedtext keineswegs auf das Müllthema fokussiert. Es handelt sich eher um einen allgemeinen Appell an die eigene Generation, die Nabelschau zu überwinden und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

„Jedes Bisschen ist mehr als nichts / tu, was du kannst, und geh voran und stell dich quer“, singen sie. Die Philosophie setzen Byebye mit dem Video selbst in die Tat um: Mag auch die Reichweite eines Leipziger Duos ohne große Plattenfirma im Rücken bis auf Weiteres begrenzt sein – wer sich das Video anschaut, dürfte beim nächsten Einkauf schon mal kurz überlegen, ob tatsächlich jeder Salatkopf eine eigene Verpackung benötigt.

Die Nähe zum Publikum ist so etwas wie ein Byebye-Markenkern. Um ihre Laufbahn anzuschieben, gaben Ludwig und Haas nach der Bandgründung 2012 in 40 Städten mehr als 200 Wohnzimmerkonzerte – und nisteten sich dabei für jeweils eine Nacht bei ihren Gastgebern ein. „Auf so einer Tour sieht man unglaublich viel vom Leben“, erinnert sich Ludwig – und man entdeckt in den Küchen, Garagen und Fluren garantiert auch jede Menge Müll.

www.byebyemusik.de

Von Mathias Wöbking

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