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Kultur Regional Verein „kunZstoffe“ sammelt Materialstoffe und Geschichten
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10:22 13.09.2018
Ein Paradies für Gegenstände, die sonst auf dem Müll landen: Antje Arnold im Lindenauer „krimZkrams“-Laden. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Es scheint sich um eine geniale Erfindung zu handeln. Im Nu, so verspricht die Packungsbeilage des „Laufmaschenwunders“, sei so ein Strumpfhosen-Malheur mit Hilfe der Spezialnadel behoben. Wobei die Gebrauchsanweisung dann doch so kompliziert anmutet, dass man als Ungeübter nicht allzu lange versucht zu verstehen, wie das funktionieren soll. Vielleicht ist das Laufmaschenwunder deshalb akut vom Aussterben bedroht. Null Treffer erntet das Wort bei den Internet-Suchmaschinen. Nullkommanull Einträge findet auch das Online-Auktionshaus Ebay.

Doch der gemeinnützige Verein „kunZstoffe“ hat ein solches Laufmaschenwunder in seinem beeindruckenden Fundus. Es ist eines der Erinnerungsstücke, die eine Besucherin im Rahmen des Vorhabens „Materialreise – Erzählspende“ in der Ladenwerkstatt „krimZkrams“ in Lindenau abgegeben hat. Noch bis 20. Dezember sammeln die „kunZstoffe“-Leute dort „Dinge, die zu schade zum Wegwerfen sind“, wie Vereinsmitglied Antje Arnold erklärt, „die ihren Eigentümern aber vielleicht trotzdem irgendwie im Weg sind“. Es ist ein Projekt des Austauschs und der Teilhabe: Wer Materialien spendet und diesen eine Geschichte gibt, trägt dazu bei. Ab Januar verarbeitet die Leipziger Künstlerin Inka Perl die Gegenstände zu einem Kunstwerk, das Anfang März ausgestellt werden soll.

Bestenfalls lässt sie sich dann von den Anekdoten inspirieren, die im Laden als „Erzählspenden“ entgegengenommen werden. Viele Spender glaubten zunächst, dass sie gar nichts zu sagen hätten, berichtet Arnold. „Aber sobald sie ihr Stück abgeben, kommen die Erinnerungen hoch.“ Die Gedanken werden auf kleinen Karteikärtchen festgehalten. Zudem wird jedes Stück im Originalzustand fotografiert, bevor Inka Perl es in die Hände bekommt.

Böse Buben und ein Wanderschuh

„Wenn dich die bösen Buben locken, bleib’ zu Hause und stopfe Socken“, ist auf einem Holzschild zu lesen, das die beiliegende orangefarbene Karte als Souvenir aus dem thüringischen Schwarzburg ausweist. „Mit dieser Nadel wurde so mancher Hase mit Speck gespickt“, verrät das dazugehörige Kärtchen über das Vorleben eines Werkzeugs, das also nicht zum Nähen gedacht ist. Ein Kleid liegt daneben, das ein Spender unbeabsichtigt zusammen mit einem antiken Schrank erworben hat. Und ein Wanderschuh. „Den anderen hat die frühere Besitzerin verloren“, erzählt Arnold. „Aber der eine ist doch noch prima in Schuss, oder?“

Vor allem ältere Leute bringen Dinge vorbei, sagt sie. Vielleicht fällt es einem Menschen, den die DDR geprägt hat, schwerer, etwas wegzuwerfen, das eigentlich in gutem Zustand ist. Wer weiß, wofür man es noch gebrauchen kann? „Doch wir haben auch jüngere Spender“, ergänzt die Geografin. „Es mag heutzutage kein Muss mehr sein, Sachen zu behalten. Aber viele möchten trotzdem nicht zur Wegwerfgesellschaft gehören.“ Ihre Vereinskolleginnen und sie bieten regelmäßig in sogenannten „Upcycling“-Kursen Anregungen, wie man vermeintlichem Abfall eine neue Bestimmung geben kann. Nebenbei begegnen Kindern in solchen Werkstatt-Stunden skurrilen Gegenständen aus dem vergangenen Jahrhundert wie einer Diskette oder einem Telefon mit Wählscheibe zum ersten Mal im Leben, erzählt Arnold.

Kein Futter für Messis

Vier feste und mehrere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen haltend das Projekt „krimZkrams“ des „kunZstoffe“-Vereins am Laufen. Die „Materialreise – Erzählspende“ wird durch das Kulturamt, die Stiftung „Bürger für Leipzig“ und den Verfügungsfonds Georg-Schwarz-Straße gefördert. Seit 2009 werden im „krimZkrams“-Laden übrigens auch unabhängig vom gegenwärtigen Kunstvorhaben ausgediente Gegenstände gesammelt und bekommen – gegen eine Spende – vielleicht irgendwann neue Besitzer. Angst, dass sie damit Futter für Messis bereithalten, hat Arnold jedoch nicht. Im Gegenteil: „Manchmal hilft es Menschen mit einer akuten Sammelleidenschaft, wenn sie bei uns Dinge loswerden, ohne sie wegschmeißen zu müssen.“

krimZkrams-Materialsammlung, offene Werkstatt und Workshops des kunZstoffe – urbane Ideenwerkstatt e.V., Georg-Schwarz-Straße 7, Spendenabgabe bis 20. Dezember: dienstags 15-19 Uhr, mittwochs 10 bis 14 Uhr, donnerstags 15 bis 19 Uhr; www.kunztstoffe.de

Von Mathias Wöbking

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